Internetkanal „nephro.TV“: Junge Patienten machen in Bonn Fernsehen

Internetkanal „nephro.TV“ : Junge Patienten machen in Bonn Fernsehen

Der Internetkanal „nephro.TV“ bietet nierenkranken Jugendlichen ein Forum. Sie drehen Clips, um sich über ihre Krankheit auszutauschen.

Jérôme führt auf den ersten Blick ein normales Leben: In der Schule stehen die Abschlussprüfungen an, anschließend wird der 17-Jährige aus Hennef eine Lehre bei der Stadt Bonn beginnen: In seiner Freizeit ist er bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft aktiv. „Bisher schränkt mich die Krankheit nicht ein“, sagt er.

Seit dem siebten Lebensjahr weiß Jérôme, dass er Nierenzysten hat. Heute leidet er zusätzlich unter Bluthochdruck, eine Begleiterscheinung der Krankheit. Seit zehn Jahren wird er in der Kindernephrologie der Kinderklinik an der Adenauerallee behandelt.

Wie sein ein Jahr jüngerer Bruder Raphael. Bei dem 16-Jährigen wurden bereits unmittelbar nach der Geburt Nierenzysten entdeckt. Die Krankheit gehört zwar zum Leben der Brüder, aber sie bestimmt nicht ihr ganzes Leben.

Betroffene sind authentischer

Die Kindernephrologie geht bei der Aufklärung von Nierenerkrankungen bei Kindern einen neuen Weg: mit „nephro.TV“. „Wer könnte besser und authentischer von seiner Krankheit berichten als die Betroffenen selbst?“, sagt Professor Bernd Hoppe von der Kindernephrologie. „Wichtig ist, dass sie sich damit auseinandersetzen. Die Kinder geben in den verschiedenen Beiträgen Einblicke in heikle Themen, die sonst in der Öffentlichkeit nicht angesprochen werden.“

Regelmäßig stehen dafür die Patienten selbst vor der Kamera und produzieren eigene Beiträge für das Internetfernsehen. Bei nephro.TV lernen die Kinder und Jugendlichen, die an unterschiedlichen Nierenerkrankungen leiden, Sendungen wie im „richtigen Fernsehen“ zu gestalten: Jeder Bericht hat eine Anmoderation, den eigentlichen Bericht und eine Zusammenfassung.

Diesmal waren Jérôme und Raphael für einen Dreh gekommen – allerdings nicht allein. Denn Vater Michael Pleis weiß, wovon seine Jungs erzählen. Er ist ebenfalls erkrankt. „Bei mir wurden die Nierenzysten erst erkannt, als ich bei der Arbeit zusammengebrochen bin“, berichtet der 44-Jährige. Zwar sei auch sein Vater betroffen gewesen, als er in jungen Jahren allerdings untersucht wurde, war die Krankheit noch nicht ausgebrochen. „Die Veranlagung haben die Jungs von mir“, sagt er.

Über die Plattform auf der Internetseite der Klinik sind auch Handyvideos von Betroffenen abrufbar. Darin erzählen sie von ihrem Leben, von eventuellen Einschränkungen und Hoffnungen. „Wir haben festgestellt, dass es sinnvoll ist, wenn Kinder anderen Kindern etwas erklären“, sagt Hoppe. „Ich habe meine Krankheit akzeptiert. Ich weiß, worauf ich achten muss. Bis jetzt habe ich keinerlei Einschränkungen“, meint Jérôme. „Ich kann alles essen und alles machen. Was will ich mehr.“

Mehr Infos und nephro.TV auf www.kindernephrologie-bonn.de.

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