Blockade für den besseren Verkehrsfluss: Hunderte Radfahrer fahren bei Critical Mass in Bonn mit

Blockade für den besseren Verkehrsfluss : Hunderte Radfahrer fahren bei Critical Mass in Bonn mit

Seit zehn Jahren fährt die "Critical Mass" im Verband durch die Stadt. Am Freitag radelten mehrere hundert Menschen abermals durch Bonn. Ihr Ziel ist es, auf die oftmals schlecht ausgebaute Infrastruktur für Radfahrer hinzuweisen.

Vor rund zehn Jahren, als die Fahrradtouren von Critical Mass ihren Anfang nahmen, war der Kreis mehr als überschaubar. Raphael Holland, Teilnehmer seit der ersten Stunde, erinnert sich, "dass manchmal nicht einmal die 16 Radler zusammenkamen, die notwendig waren, um als Verband fahren zu dürfen". Und heute: Hunderte fahren an diesem Freitag mit, beim letzten Treffen waren es nach Angaben von Holland etwa 1300 Menschen, eine Rekordteilnahme. "Es ist eine Radfahrt, die man richtig genießen kann", sagt Holland. Die Stimmung sei toll, manche bringen Musikanlagen auf Lastenrädern mit, andere etwas zu essen, um sich im Vorfeld zu stärken.

Das eigentliche Freiheitsgefühl aber, dass von den Aktionen der Critical Mass auch in anderen Städten ausgeht, speist sich aus der Fahrt selbst. In der Masse gilt der Radtross als Verband. Das bedeutet, wenn die vordersten Radler über Grün fahren, darf die Menge dahinter folgen. Das entspricht den Regeln der Straßenverkehrsordnung. "Man fühlt sich unglaublich sicher in dieser Gemeinschaft", beschreibt es Holland. Nach den ersten Erfahrungen von Autofahrern, die sich in die Lücken des Verbands drängeln wollten, haben die Teilnehmer gelernt. Vorne halten die Fahrradfahrer an den Querstraßen und blockieren so die Autos. Die Critical Mass hat dafür eigens den Ausdruck "Korken" erfunden. Zugleich können die Korker mit den Autofahrern durchs Fenster Kontakt aufnehmen und den tieferen Sinn der Aktion erklären.

Einen Anlass für die vermeintlich entspannte Fahrt, die in der Regel durch viel befahrene Straßen nahe der Innenstadt führt, gibt es nämlich durchaus. Die Beteiligten wollen mit ihren Fahrten, die stets am letzten Freitag im Monat stattfinden, auf die oft schlecht ausgebaute Infrastruktur für Radfahrer hinweisen. Sie fordern den Ausbau von Radwegen und mehr Sicherheit für die Radfahrer. "Die Fridays for Future haben unserem Anliegen noch einmal neuen Schub gegeben", sagt Holland. Der Bonner ist zuverlässiger Teilnehmer, aber über richtige Organisationsstrukturen verfügt Critical Mass nicht. Die Treffen würden zwar über die sozialen Netzwerke angekündigt, aber es steht kein Verein dahinter. Im Grunde handelt es sich um ein loses Treffen. Deshalb müssten die Aktionen, so Holland, auch nicht bei der Polizei angemeldet werden. Dennoch begleiten Beamten den Tross in der Regel. Die Behörde hatte auch mal Anmeldungen erbeten. Doch in den Reihen der Critical Mass war man der Überzeugung, das entspreche nicht der Ursprungsidee, die Route spontan festzulegen, und lehnte dankend ab.

Die Polizei hat das Phänomen schon länger im Blick und überlegt weiterhin, wie sie rechtlich und verkehrstechnisch damit umgeht, eigentlich keinen richtigen Ansprechpartner vor Ort zu haben. "Im Mittelpunkt steht für uns die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer", sagte Behördensprecher Frank Piontek. Deshalb seien bei den Fahrten stets Streifenwagen vor Ort.