Warnung vor Fischsterben: Hohe Wassertemperaturen bedrohen Fische in der Region

Warnung vor Fischsterben : Hohe Wassertemperaturen bedrohen Fische in der Region

Hohe Wassertemperaturen in Gewässern in der Region machen Fischen zu schaffen. Behörden warnen bereits vor einem möglichen Fischsterben. Doch auch Regen könnte den Tieren zusetzen.

Die andauernde Hitze macht den Fischen in den Gewässern in Bonn und der Region zu schaffen. Grund dafür sind vor allem die steigenden Wassertemperaturen. In Siegburg hatte das Technische Hilfswerk am Wochenende den Trerichsweiher vor einem Kollaps gerettet. Das NRW-Umweltministerium warnt bereits und hält ein lokales Fischsterben für möglich. Neben einer kritischen Wassertemperatur von vielerorts 27 Grad Celsius und mehr bereite der sinkende Sauerstoffgehalt den Fischen weiteren Stress. Anzeichen für bereits einsetzendes Fischsterben in den Flüssen der Region gibt es zwar bei keiner der zuständigen Behörden, doch die Experten dort sind in Alarmbereitschaft.

Für den Rhein gilt eine Wassertemperatur ab 28 Grad als kritisch für die Fischbestände, wie das Landesumweltamt (Lanuv) auf Nachfrage mitteilt. Die 28-Grad-Marke entspricht auch dem zulässigen Grenzwert der europäischen Oberflächengewässerverordnung. Denn von der Gewässertemperatur ist abhängig, ob etwa Kraftwerke Kühlwasser einleiten dürfen. Am Wochenende wurde dieser Wert in Bad Honnef bereits zeitweise überschritten. Am Dienstag lag die Wassertemperatur bei 27 Grad. "Die Temperaturen im Rhein haben sich einer kritischen Marke genähert", sagt Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann. Deshalb stehe der Fluss unter starker Beobachtung.

Wichtig für Leben in den Gewässern ist darüber hinaus der Sauerstoff, der im Wasser gelöst ist. Für Fische liegt die Untergrenze bei vier Milligramm pro Liter, für den Rhein gilt ein Messwert unter sieben Milligramm als kritisch. Im Rhein schwankt der Wert meist zwischen sieben und 12 Milligramm, am Dienstag lag er an der Messstelle Bad Honnef bei unkritischen 9,1 Milligramm. Ein Grund zur Entwarnung ist das aber nicht. Neben der Hitze könne starker Regen zurzeit ebenfalls zu einem Fischsterben führen, wenn große Mengen an Staub und Schlamm in die Fließgewässer gespült werden.

Deutlicher als das Landesumweltamt warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) vor steigenden Temperaturen im Rhein und seinen Nebenflüssen. In Kürze könnte die für die Gewässerökologie gefährliche Temperatur von 28 Grad überschritten werden. „Die vorausgesagten Extremtemperaturen in Nordrhein-Westfalen und der weiter sinkende Abfluss lassen befürchten, dass der Rhein und einige seiner Nebenflüsse in den nächsten Tagen das kritische Limit von 28 Grad erreichen werden“, sagt der NRW-BUND-Vorsitzende Holger Sticht. Spätestens ab 28 Grad sei mit Schädigungen der Gewässerbiologie zu rechnen. Abseits des Rheins sieht die Stadt Bonn für Gewässer im Stadtgebiet keine Gefahr. Davon ausgenommen sei der Rheinauensee, in den derzeit konstant frisches Wasser eingeleitet wird.

Bürger sollen der Sieg kein Wasser mehr entnehmen

Problematisch ist die Situation bereits an der Sieg, die mit einem Pegel von 4000 Litern pro Sekunde Niedrigwasser führt. Zum Vergleich: Bei Normalpegel laufen 33.000 Liter pro Sekunde an der Messstelle in Kaldauen durch. Am Wochenende hatte sich die Sieg laut Daten des Landesumweltamtes in der Spitze auf knapp über 28 Grad erwärmt. Das führt dazu, dass sich Algen in der Sieg stark vermehrt haben. Das Umweltamt des Rhein-Sieg-Kreises hat inzwischen reagiert und ruft dazu auf, kein Wasser mehr aus Flüssen, Bächen und Teichen zu entnehmen. Viele Bürger würden damit ihre Gärten bewässern, aufgrund der niedrigen Pegelstände gehe dies aber zu Lasten der Qualität des verbliebenen Wassers.

Der Kreis führt darüber hinaus Kontrollen am Obach in Bad Honnef, am Hanfbach in Hennef und am Pützbach in Königswinter durch und verhängt bei Zuwiderhandlung Bußgelder. Für die Agger gibt der Aggerverband bislang Entwarnung. Hier pendeln die Temperaturen bei unter 24 Grad. Allerdings seien kleine Zuflüsse bereits weitgehend trocken.

Andernorts hat sich die Situation für Wassertiere bereits zugespitzt. So wurden in Hamburg am Wochenende fast fünf Tonnen Fische aus Hamburger Gewässern geborgen und entsorgt. Laut Umweltbehörde hatte die Hitze das massenhafte Sterben ausgelöst.

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