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Kommentar zum Baugebiet "Im Rosenfeld": Mit Füßen getreten

Kommentar zum Baugebiet "Im Rosenfeld" : Mit Füßen getreten

Obwohl Wohnen ein Grundrecht ist, wird es seit Jahren mit Füßen getreten, meint GA-Redakteurin Lisa Inhoffen. Gegen die Mangelware bezahlbare Wohnungen sollte schnell etwas getan werden.

Es ist ein Skandal, dass Wohnraum knapp und teuer ist. Wohnen ist ein Grundrecht, und das wird seit Jahren mit den Füßen getreten. Nicht nur in Bonn, sondern in vielen deutschen Städten. Ob Familien mit Kindern, Rentner oder Studenten und Auszubildende: Immer mehr Menschen, die über ein normales Einkommen verfügen oder mit weniger Geld auskommen müssen und eine Wohnung suchen, laufen sich die Hacken ab. Sie finden meistens nur mit viel Glück und weiter weg, als ihnen lieb ist, eine bezahlbare Wohnung – oftmals ist die dann auch in keinem guten Zustand.

In Bonn geht die Verwaltung davon aus, dass etwa die Hälfte der Einwohner einen Anspruch auf eine geförderte Wohnung hat oder ihn geltend machen könnte. Da hätten doch bei Politik und Verwaltung schon längst alle Alarmglocken läuten müssen.

Stattdessen steigen seit Jahren die städtischen Kosten für Unterkunft und belasten den Haushalt. Dass der Verkauf des stadteigenen Tafelsilbers – nämlich rund 2500 städtische Wohnungen – Anfang der 2000er Jahre ein Riesenfehler war, stellt wohl keine Fraktion mehr in Frage. Rückgängig machen kann man die Entscheidung nicht. Längst überfällig war deshalb der Ratsbeschluss für das Bonner Baulandmodell, der jetzt bestimmte Anteile an geförderten Wohnungen festschreibt. Jetzt gilt es, dafür auch geeignete Flächen bereitzustellen. Mangels eigener Grundstücke muss die Stadt auf jeden Fall zukaufen und ihre Zusammenarbeit mit den Nachbarn im Rhein-Sieg-Kreis intensivieren.

Ob die Stadt nun mit einer neuen Gesellschaft – dafür müsste sie allerdings gutes Geld für eine Geschäftsführung in die Hand nehmen –, ob sie mit eigenen Kräften oder externen Institutionen den geförderten Wohnungsbau forcieren kann, das mögen Experten beurteilen. Fakt ist, bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware – und dagegen muss schleunigst etwas geschehen.