Traditionscafé in Bonn: Eis Lazzarin am Markt schließt

Traditionscafé in Bonn : Eis Lazzarin am Markt schließt

In zwei Wochen schließt nach insgesamt 70 Geschäftsjahren das Eiscafé Lazzarin am Markt. Robertino Lazzarin, der das Geschäft schon lange führt, wirft das Handtuch. „Betriebswirtschaftlich ist das für uns nicht mehr hinzubekommen“, sagt er.

Die Miete sollte für die kommenden fünf Jahre neu verhandelt werden, die Grundkosten würden ebenso Jahr für Jahr teurer wie die Lebensmittel. In den kommenden Jahren hat die Stadt zehnprozentige Preissteigerungen für die Terrassennutzung angekündigt. „Es waren viele Gründe, die zu unserer Entscheidung geführt haben“, erklärt Lazzarin. Leicht ist sie ihm nicht gefallen, zumal er Verantwortung für acht bis 14 Mitarbeiter je nach Jahreszeit trägt.

Als 17-Jähriger kam er aus einem norditalienischen Bergort in den Dolomiten an den Rhein, um seinen Vater Enzo, der seit langem wieder in der Heimat lebt, im Eissalon zu unterstützen. „Ich habe mein Leben lang Eis hergestellt“, sagt der 53-Jährige. Die Familie kam schon 1931 nach Bonn. Großvater Ivano Lazzarin eröffnete Cafés in der Wenzelgasse, am Hauptbahnhof und in Bad Godesberg, die es heute nicht mehr gibt. Neben dem 1946 hinzugekommenen Geschäft am Markt 29, fasste er am Kaiserplatz und in der Sternstraße Fuß. Der Großvater teilte die Geschäfte später unter seinen Kindern auf. Der Laden in der Sternstraße ist bis heute in Familienbesitz, wenn auch nicht unter Führung von Robertino Lazzarin. Der Salon am Kaiserplatz wird nicht mehr von der Familie betrieben.

Robertino Lazzarin kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, in der die Bonner nicht sagten, sie gehen ein Eis essen, sondern sie gehen zu Lazzarin. „Das war ja in Bonn und Umgebung ein stehender Begriff. Für die Treue unserer Kunden kann ich mich auch im Namen meines Vaters nur bedanken.“

Im Laufe der Jahrzehnte habe das Treiben auf dem Marktplatz vor allem unter der Woche stark abgenommen. Das frühere Metropol-Kino und der Bonner Sommer hätten mehr Umsatz beschert, als das gegenwärtig mit den 80 Plätzen innen und weiteren 80 Plätzen auf der Außenterrasse der Fall sei. Aber auch die Konkurrenz ist größer geworden. Am Rathaus gibt es eine weitere Eisdiele, am Münsterplatz hat ein Thekenverkauf eröffnet, manche Bäckereien bieten einige Sorten für die Laufkundschaft an.

Wie der Vermieter des Hauses am Marktplatz, Paul Marx, dem GA sagte, ist bereits ein Nachmieter im selben Metier gefunden. Ein Zehn-Jahres-Vertrag für das komplette Haus sei unterschrieben. Auf fünf Jahre laufe die Untervermietung für die zwei Monate vor Weihnachten mit dem Lebkuchenhändler Schmidt weiter.

Normalerweise entschwindet Robertino Lazzarin nach dem Sommergeschäft für vier Monate in die Dolomiten. Dieses Jahr muss er das Geschäft abwickeln samt der Zwischenlagerung der Eismaschinen im Keller. Mit 53 Jahren fühlt er sich zu jung, um in den Ruhestand zu gehen. Er ist auf der Suche nach einem neuen, günstigeren Standort. „Wie gesagt, Eis ist mein Geschäft.“