Eine Runde mit Ashok-Alexander Sridharan: Bönnscher Jung mit indischen Wurzeln

Eine Runde mit Ashok-Alexander Sridharan : Bönnscher Jung mit indischen Wurzeln

Stadtweit schnürt er die Laufschuhe - zumindest auf den Wahlplakaten. Aber auch privat ist Ashok-Alexander Sridharan oft joggend unterwegs. "Momentan komme ich zu selten zum Laufen, weil mein Terminkalender mit Wahlkampfauftritten voll ist", erzählt der OB-Kandidat der CDU.

Derweil joggen wir morgens bei herbstlich-kühlen Temperaturen am Bonner Rheinufer entlang - natürlich mit Blick aufs Siebengebirge, der seit mehr als 20 Jahren beruflichen Heimat Sridharans.

Das Thermometer ist gerade mal auf knapp über zehn Grad Celsius geklettert. Trotzdem trägt Sridharan nur ein orangefarbenes Wahlkampf-Laufshirt. Alles ist auf den 13. September, den Tag der Wahl des neuen Bonner Oberbürgermeisters, fokussiert. Bei jedem Auftritt in der Öffentlichkeit sollen die Bonner ihn erkennen. Deshalb prangen Name und Wahlaufruf auf dem Laufshirt. Für frostige Empfindungen ist kein Platz im Strategieprogramm.

Ob sein fremd klingender Name Schwierigkeiten im Wahlkampf bereitet? Kurz und knapp seine Antwort: "Nein!" Zehn Meter und drei Atemzüge weiter holt er doch noch mal aus: "Auch wenn man es mir nicht ansieht, ich bin 'ne bönnsche Jung." Sridharan ist trotz des Lauftempos bemüht, seine rheinische Identität rhetorisch zu belegen - und das geht auch in Mundart. Seinen Worten entnehme ich: Er ist vor 50 Jahren in Bonn geboren, hat in der Bundesstadt Abitur gemacht und Jura an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms- Universität studiert. Er hat seine Frau Petra in Bonn kennengelernt, und die drei Söhne wurden ebenfalls hier geboren - genug Belege für seine rheinischen Wurzeln.

Dennoch stößt Sridharan wegen des Namens und der Hautfarbe immer mal auf Ressentiments. Auf Facebook fand er diesen Eintrag: "In Deutschland leben doch nur 25 Prozent Migranten. Warum findet die Bonner CDU keinen deutschen Kandidaten?" Sridharan hat gelernt, mit solchen Äußerungen umzugehen. "Eine sachliche und ruhige Auseinandersetzung mit diesem Thema ist Voraussetzung, wenn man Menschen mit so einer Einstellung begegnet." Und deshalb hat Sridharan seinen Vornamen Ashok um den Zusatz Alexander ergänzt, um vordergründig deutscher zu wirken? Er entgegnet ein entschiedenes "Nein". "In meinem Personalausweis ist als Vorname Ashok-Alexander eingetragen, und deshalb steht dieser Name auch auf den Stimmzetteln zur OB-Wahl. Niemand nennt mich Alexander, mein Rufname ist Ashok." Woher kommt der Name? "Mein Vater stammt aus Indien. Er kam 1957 nach Bonn." Kennt er Indien? "Ja, ich war etwa 30 Mal dort. Ich habe Verwandte an der südöstlichen Küste." Sridharan ist in Lengsdorf aufgewachsen, wie seine Mutter. "Ich fühle mich auch als Lengsdorfer, das ist meine Heimat."

In Höhe der Deutschen Welle ruft ihm ein Mann zu: "Viel Glück", und streckt den Daumen hoch. Der anfänglich schwache Bekanntheitsgrad aller OB-Kandidaten scheint sich verbessert zu haben. Die Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Dimap vom 28. August bis 1. September im Auftrag des GA durchgeführt hat, besagt, dass immer noch 16 Prozent der wahlberechtigten Bonner keinen der OB-Kandidaten kennen. Der Wert beunruhigt Sridharan nicht - ebenso wenig die Zahl der Unentschlossenen, die mit 26 Prozent sehr hoch liegt. "Ich habe mir die letzten Wochen vor der OB-Wahl Urlaub genommen, um den Wahlkampf zu intensivieren. Die Werte werden sich bis Sonntag verbessern." Hinter der Südbrücke will ich wissen, welche Stärken und Schwächen Bonn hat. Er überlegt kurz: "Bonn ist offen, menschlich und nur so groß, dass man überall Bekannte in der Stadt trifft." Als Nachteil empfindet Srid-haran, dass es in Bonn schwierig ist, Dinge zu bewegen. "Es fehlen Treffpunkte wie Bonner Sommer und Klangwelle, die das Miteinander der Menschen fördern. Es gibt zu viele Bedenkenträger, die die Entwicklung blockieren. Und was sich auch lähmend auswirkt, ist das Kommunikationsproblem zwischen Rat und Verwaltung."

In Höhe des Bonner Bogens kehren wir um, und Sridharans Blick schweift Richtung Petersberg. Kann man nach so vielen Dienstjahren Königswinter den Rücken kehren? Sridharan runzelt die Stirn und sagt: "Ja, ich bin in einem Alter, in dem ich gerne und gut eine neue Herausforderung annehmen kann und will. Die Jahre bei der Stadt Königswinter haben mir ein fundiertes Rüstzeug als Verwaltungsfachmann gegeben. Aber ich habe auch das politische Geschäft intensiv kennengelernt." Und wenn er die OB-Wahl nicht gewinnen sollte? "Dann bleibe ich Erster Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Königswinter." Aber daran glaubt der 50-Jährige nicht: "Ich bin Läufer auf der Langstrecke und werde alles daran setzen, die Ziellinie als Erster zu erreichen."

Sieben persönliche Fragen

Was bedeutet für Sie Glück?
Glück ist für mich der Moment, in dem ich die Zeit vergesse. Das war zum Beispiel bei der Geburt unserer Söhne der Fall.

Wer wären Sie gerne?
Ich fühle mich sehr wohl in meiner Haut und möchte nicht in eine andere schlüpfen.

Was ist Ihr Hauptcharakterzug?
Verlässlichkeit und Pflichtbewusstsein gleichermaßen.

Was schätzen Ihre Freunde an Ihnen?
Dass sie sich immer auf mich verlassen können.

Was können Sie überhaupt nicht?
Ich kann zum Leidwesen meiner Frau nicht mit Katzen in einem Haushalt leben, weil ich eine Katzenhaarallergie habe.

Was machen Sie am liebsten?
Zeit mit meiner Familie verbringen.

Was war bisher Ihr größter Fehler?
Mit dem Rauchen anzufangen, weil es so schwer ist, wieder aufzuhören. Aber ich habe es geschafft.

Mehr von GA BONN