Fünf Jahre Haft für brutalen Vergewaltiger: 30-Jähriger missbrauchte Internetbekanntschaft

Fünf Jahre Haft für brutalen Vergewaltiger : 30-Jähriger missbrauchte Internetbekanntschaft

Trotz aller Unschuldsbeteuerungen muss ein 30-Jähriger ins Gefängnis. Das entschied am Mittwoch das Bonner Landgericht. Was der Mann auf der Anklagebank seiner Ex-Freundin angetan hat, macht alle im Gerichtssaal fassungslos.

Er hat sie bewusstlos geschlagen, mit der Zigarette verbrannt, bedroht, gedemütigt, aufs Schlimmste beschimpft, kontrolliert, belogen, betrogen - und am Ende vergewaltigt. Davon ist die 1. Große Strafkammer trotz der Unschuldsbeteuerungen des 30-Jährigen am 18. Prozesstag überzeugt und schickt ihn wegen Körperverletzung in vier Fällen und Vergewaltigung für fünf Jahre hinter Gitter.

Im hautengen T-Shirt und mit sorgfältig gestylter Frisur sitzt der 30-Jährige neben seiner Anwältin und trägt die Miene eines zu Unrecht Verfolgten zur Schau, als Kammervorsitzender Hinrich de Vries erklärt: Zwar stehe Aussage gegen Aussage, aber die nahezu 4000 Nachrichten auf den Handys des Angeklagten und der 20-Jährigen zeigten, wie er alle Frauen belogen, betrogen und die 20-Jährige terrorisiert habe.

Und dann hält der Richter dem aus Peru stammenden Angeklagten den Spiegel vor: "Er erfüllt alle Klischees eines südamerikanischen Machos, der zahlreiche Frauenbekanntschaften hat, sich nicht um seine Kinder kümmert, von staatlicher Unterstützung lebt und daneben eine Frau braucht, die kocht, putzt und seine Wäsche wäscht." Und ihm in jeder Hinsicht zur Verfügung zu stehen habe. "Er ist ein geschickter und notorischer Lügner", stellt der Richter fest. Dabei hatte der Angeklagte auf die 20-Jährige einen ganz anderen Eindruck gemacht, als sie ihn am 4. Mai 2014 im Internet kennenlernte und von Ehe und Kindern träumte. Dass er bereits Kinder hatte, verschwieg er.

Er gab den Beschützer und zeigte erst nach und nach ein anderes Gesicht. "Er ist lieb und charmant, aber er hat auch eine böse Seite", sagte die 20-Jährige im Zeugenstand, wo er ihr vorwarf, sie aus Eifersucht falsch beschuldigt zu haben. Doch das Gericht ist am Ende sicher: Obwohl er sie belog und betrog, warf er ihr Verrat vor, terrorisierte und malträtierte sie so, dass ein Rechtsmediziner, der sie untersuchte, befand: Sie habe Verletzungen wie ein jahrelang misshandeltes Kind. Am 25. September schlug er sie wieder zusammen, misshandelte sie mit Fahrradschloss und Duschkopf, erstickte sie fast, indem er ihr Wasser in den Hals spritzte, und vergewaltigte sie.

Aus Angst auch um ihre Familie wollte sie am nächsten Tag immer noch keine Anzeige erstatten. Doch ihr Vater rief heimlich die Polizei an, und ein Beamter schilderte vor Gericht: Er habe noch nie einen so verängstigten und panischen Menschen gesehen. Die 20-Jährige habe am ganzen Leib gezittert und sei bei dem kleinsten Geräusch zusammengezuckt. Dass er mit seinem Terror auch die Familie der 20-Jährigen in Mitleidenschaft zog, kreidet ihm das Gericht zusätzlich an. Da der 30-Jährige mehr als drei Jahre Haft erhielt, droht ihm als Ausländer nun nach einem Drittel der Haftzeit die Abschiebung.

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