Blitzmarathon: Jetzt sind die Bürger gefragt

Blitzmarathon : Jetzt sind die Bürger gefragt

Am Montag sind schon 230 Vorschläge eingegangen. Die Aktion wird am Dienstag fortgesetzt. Autofahrer, die mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Straßen rasen, sind eine Gefahr, die die Menschen in Bonn und der Region beschäftigt. Diesen Eindruck zumindest vermittelt die rege Beteiligung am 24-Stunden-Blitzmarathon der Polizei.

Am Dienstag, 3. Juli, steht die zweite landesweite Anti-Raser-Aktion an. Mit einer Neuerung: Dieses Mal sind die Bürger aufgerufen, Vorschläge für Messstellen zu melden. Seit Montagmorgen nehmen die Beamten diese entgegen, und bis 15 Uhr hatten sich 230 Bürger gemeldet.

"Der erste Blitzmarathon war erfolgreich", sagt Jürgen Marten, Leiter der Direktion Verkehr. Jetzt wolle man noch intensiver mit den Bürgern ins Gespräch kommen. "Wir werden die Vorschläge sorgfältig erheben." Jeder Anruf wird registriert, die entsprechende Stelle in eine Karte eingetragen, in der die Polizei bereits die unfallauffälligen Punkte markiert hat, an denen sie blitzen möchte.

Am Mittwoch steht ein Gespräch mit den Kollegen von der Polizeibehörde in Siegburg und Mitarbeitern der Stadt Bonn an. "Dann werden wir festlegen, wo wir die Geschwindigkeit messen", sagt Marten. Wer möchte, kann dann auch Messpate an "seiner" Messstelle werden und diese am Tag des Blitzmarathons begleiten.

Einen Kriterienkatalog gebe es nicht. Allerdings werden die Meldungen geprüft, die Polizei sei nicht an Nachbarschaftsstreitigkeiten interessiert. "Wir wollen an die Orte, die den Menschen Sorge und Wut bereiten", sagt Marten. Alle Vorschläge könnten leider nicht berücksichtigt werden. "Wir werden aber versuchen, die Sorgen der Bürger aufzunehmen und darauf einzugehen." Und: "Es werden keine Meldungen verloren gehen. Wir werden alle Hinweise in unsere weiteren Einsatzplanungen einfließen lassen."

Im Zuständigkeitsgebiet der Bonner Polizei (Bonn, Bad Honnef, Königswinter und linksrheinischer Rhein-Sieg-Kreis) wird am 3. Juli von 6 bis 22 Uhr an 50 Messstellen geblitzt, 100 Beamte sind im Einsatz. Hinzu kommen 20 Stellen der Kreispolizei sowie die Orte, an denen die Stadt Bonn die Geschwindigkeit überprüft. Die Messstellen werden am Freitag bekannt gegeben. Ziel der Geschwindigkeitskontrollen und der Kampagne "Brems Dich - rette Leben" sei es nicht, möglichst viel Geld einzunehmen, sondern die Raser zu sensibilisieren.

Die Strategie zeigt Wirkung: In den ersten fünf Monaten 2011 waren acht Menschen bei Unfällen ums Leben gekommen, in diesem Jahr war es einer. Auch die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten ist zurück gegangen: von 940 im Vorjahreszeitraum auf 852. In den ersten fünf Monaten 2012 stellte die Bonner Polizei 9917 Geschwindigkeitsverstöße fest, 2011 waren es 7470.

Ein Autofahrer war mit 78 Stundenkilometern in der 30er-Zone unterwegs (Graurheindorfer Straße, 200 Euro, vier Punkte, ein Monat Fahrverbot), einer fuhr innerhalb der geschlossenen Ortschaft in der 50er-Zone 148 Stundenkilometer (Ludwig-Erhard-Allee, 680 Euro, vier Punkte, drei Monate Fahrverbot). Außerhalb geschlossener Ortschaften lag der "Rekord" bei 87 km/h in der 50er Zone (B56, 120 Euro, drei Punkte) und bei 116 Stundenkilometern bei erlaubten 70 (L261, 160 Euro, drei Punkte, ein Monat Fahrverbot).

"Zu schnelles Fahren ist der Killer Nummer eins", sagt Marten. Der Aufprall bei Tempo 50 auf ein stehendes Hindernis sei vergleichbar mit einem Sprung aus zehn Metern Höhe in ein Becken ohne Wasser. Bei 100 Stundenkilometern wäre es ein Sprung aus 40 Metern Höhe.

Kontakt zur Polizei

Vorschläge nimmt die Bonner Polizei am Dienstag zwischen 10 und 18 Uhr unter der Rufnummer 0228/153030 entgegen. Hinweise können zudem per E-Mail an blitzmarathon.bonn@polizei.nrw.de geschickt werden. Die Kreispolizeibehörde Siegburg nimmt die Vorschläge von 8 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer 02241/5414141, per Fax an 02241/541124141 und per E-Mail an blitzmarathon.rhein-sieg-kreis@polizei.nrw.de entgegen.

Zudem können Vorschläge auf Postkarten vermerkt werden, die in den Wachen und Rathäusern im rechtsrheinischen Kreisgebiet (außer Königswinter und Bad Honnef) ausliegen. Diese können ausgefüllt in den Wachen abgegeben oder per Post zurückgesendet werden.

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