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Junges Theater ist gerettet: Vertrag besiegelt den Kauf der Spielstätte

Junges Theater ist gerettet : Vertrag besiegelt den Kauf der Spielstätte

Nachdem im Frühjahr unklar war, wie es mit dem Jungen Theater Bonn (JTB) weitergeht, ist die Zukunft des erfolgreichen Kinder- und Jugendtheaters nun erst einmal gesichert. Am Montag wurde die neu gegründete "Stiftung für das Junge Theater Bonn" (kurz: JTB-Stiftung) vorgestellt.

Sie wird das ehemalige "Rheingold-Kino" an der Hermannstraße kaufen, in dem das Theater seit 35 Jahren untergebracht ist, und so dessen Fortbestand sichern. Der Kaufvertrag mit den Eigentümern ist bereits unterzeichnet. Der Mietvertrag wäre 2019 ausgelaufen.

Vier Gründungsstifter sind beteiligt - die JTB Theaterproduktions GmbH als Tochter des Vereins Junges Theater Bonn, die Beueler Anwaltskanzlei "Eimer Heu-schmid Mehle", die Eigentümer des Gebäudes Elke und Karl-Josef Gammersbach sowie die Kinder der JTB-Gründer Cornelia und Christian Tromm. 50.000 Euro Stiftungskapital haben sie gemeinsam zur Verfügung gestellt. Das Ehepaar Gammersbach hat zudem eingewilligt, dass das ehemalige Kino in Raten über 28 Jahre abbezahlt werden kann. Finanziert werden diese Raten durch die Stadt Bonn.

Der bislang gezahlte Mietzuschuss von rund 26.600 jährlich wird dafür vorbehaltlich eines noch zu fassenden Ratsbeschlusses um einige Tausend Euro aufgestockt. Zwar wird die Stadt selbst nicht Gründungsstifter, erhält aber im Gegenzug zwei Sitze im sechsköpfigen Kuratorium der Stiftung. Auch deren Vermögen würde an die Stadt fallen, sollte sie sich eines Tages auflösen. Für die Stadt sei das eine gute Lösung, weil sie für die Stadt günstiger als jede andere sei, sagte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch gestern bei der Vorstellung des Stiftungsmodells im Theatergebäude. Das Modell ermögliche der Stadt außerdem, sich an der Sanierung des Gebäudes zu beteiligen, ohne es selbst zu erwerben.

Es habe Angebote von Investoren gegeben, sagte Elke Gammersbach. "Ich bin schon als Kind in dem Gebäude aus- und eingegangen, als meine Oma hier das Kino hatte, und kannte auch die Tromms - es war mir also eine Herzensangelegenheit, das Theater zu erhalten." Ähnlich äußerte sich auch Christian Tromm, dessen Eltern Helmut Tromm und Heidi Scholz-Tromm das "Theater der Jugend", wie es damals noch hieß, 1969 gründeten. Er sei den Mitgründern und Moritz Seibert sehr dankbar. "Ich kenne eigentlich jede Schraube hier, und weiß also, dass einige dringend ausgetauscht werden müssten."

Und so ist der Erwerb der Spielstätte auch nur die erste Aufgabe der neu gegründeten Stiftung. Langfristig hat sie sich auf die Fahne geschrieben, das Domizil dauerhaft zu erhalten, es aber auch barrierefrei auszubauen, funktionell zu verbessern und zu verschönern. Dabei gehe es nicht nur darum, dass Gebäude behindertengerecht zu machen. Auch kulturelle, räumliche und finanzielle Hürden, die Kinder und Jugendliche von einem Besuch abhielten, wolle die Stiftung überwinden, so Seibert. "Jeder, der einmal hier war, und in die Gesichter der Kinder geschaut hat, die mit geröteten Wangen aus dem Saal kommen, erkennt, wie wichtig die Arbeit des Jungen Theaters ist", sagte Andreas Fränken, Gesellschafter der Anwaltskanzlei.

Ab 2015 will die JTB-Stiftung das Gebäude umfassend sanieren. Zunächst steht die Erneuerung der Sanitäranlagen an, aber auch eine Lüftungsanlage soll eingebaut und die Fassade saniert werden. Die Stadt will vorbehaltlich der politischen Zustimmung die Arbeiten mit jeweils 250 000 Euro 2015 und 2016 bezuschussen. Intendant Seibert bat aber auch Bürger und Unternehmen um Unterstützung. Zustiftungen sind ab 5000 Euro möglich. Für 249 Euro kann ein "Stifterstein" gespendet werden - eine Ziegelstein, in dem dann in der Fassade des Theaters der Name des Spenders eingraviert wird.

Weitere Informationen zur JTB-Stiftung gibt es unter jtb-stiftung.de. Stifter, Spender und Sponsoren können sich auch telefonisch unter Tel. 0228/463672 melden.