Gespräch am Wochenende: "Für Beuel ist es wichtig, den Status zu halten"

Gespräch am Wochenende : "Für Beuel ist es wichtig, den Status zu halten"

Walter Bitterberg aus Beuel ist seit 60 Jahren Mitglied der SPD

Klare Kante zeigen - mit dieser Strategie ist Walter Bitterberg stets gut gefahren. Als Politiker war er in der Sache hart, galt als verlässlicher Partner. Mit seiner Partei, der SPD, hat er in den vergangenen 60 Jahren so manchen Strauß ausgefochten. Aber auch der politische Gegner bekam ihn als "harten Hund" zu spüren. CDU-Weggefährte Will Breuers über Bitterberg: "Er war der Herbert Wehner der Bonner SPD, eine Art Zuchtmeister - aber fair und mit einer Prise Humor versehen." Über sein Wirken in Bonn, sein Leben in Beuel und die alte Dame SPD sprach Walter Bitterberg mit GA-Redakteur Holger Willcke.

Als 1994 die SPD erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg in die Rolle der Regierungspartei schlüpfte, waren Sie Fraktionsvorsitzender. Wie haben Sie den Machtwechsel damals erlebt?Walter Bitterberg: Wir konnten in Bonn endlich etwas gestalten. Mit dieser Situation hatte vor allem die Stadtverwaltung die meisten Probleme, saßen doch an den entscheidenden Stellen fast ausschließlich CDU-Leute.

Aber Sie benötigten die Grünen als Koalitionspartner. Wie war der Umgang miteinander?
Bitterberg: Es gab kaum Probleme, höchstens in Personalfragen. Beide Fraktionen waren damals vom Gestaltungswillen getrieben.

Man sagt Ihnen ein anfänglich schwieriges Verhältnis zur eigenen Partei nach. Stimmt das?
Bitterberg: Bei manchen Themen hat es mir die SPD nicht leicht gemacht. Ich war gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands und auch gegen die Notstandsgesetze. Aus Enttäuschung habe ich meine Mitgliedsbeiträge nicht mehr bezahlt und einen Rausschmiss aus der Partei provoziert. Aber dazu ist es nicht gekommen.

Wie sind Sie zur Kommunalpolitik gekommen?
Bitterberg: Der Beueler SPD-Kollege Hermann "Juppi" Brungs hat mich damals gefragt, ob ich nicht bei den Jusos mitarbeiten will. Ich bin dann zu einer Versammlung gegangen und habe mich darüber beschwert, dass der Stadtbezirk Beuel im städtischen Kindergartenbedarfsplan unterrepräsentiert sei. Danach galt ich als Experte auf diesem Gebiet und wurde von der SPD in den Jugendhilfeausschuss geschickt.

Stimmt es, dass Ihnen 1989 einige SPD-Kollegen nahe gelegt haben, nicht für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren?
Bitterberg: Ja, das stimmt. Es gab Kollegen, die der Meinung waren, ich wäre nicht geeignet, um mit den Medien umzugehen. Aber ich habe dennoch kandidiert und knapp gewonnen. Der linke Flügel der Fraktion stand hinter mir.

Sie leben seit 45 Jahren in Beuel. Wie hat sich der Stadtbezirk entwickelt?
Bitterberg: Sehr positiv. Damals habe ich mir nicht vorstellen können, dass Beuel mal so groß wie Godesberg werden könnte. Die vielen Neubaugebiete haben Beuel einen enormen Schub gegeben.

Was fehlt Ihnen in Beuel?
Bitterberg: Nicht viel. Es könnte mehr Hort- und Kindergartenplätze geben. Für Beuel ist es wichtig, den Status zu halten. Die Existenz der Brotfabrik muss abgesichert werden. Die geplante Schließung des Ennertbads muss gut überlegt sein. Ich will wissen, was die Stadt stattdessen auf dem Gelände plant. Ich bin der Meinung, dass viele Spargedanken nicht zu Ende gedacht sind. Auch heute noch kann ich mich darüber aufregen, wenn ich den Eindruck gewinne, dass die Stadtverwaltung kein schlüssiges Konzept zur Bewältigung von Problemen hat.

Braucht Bonn ein Festspielhaus?
Bitterberg: Mit dieser Frage habe ich gerechnet. Das hängt davon ab, wie Bonn sich beim Thema Beethoven in der Zukunft aufstellen will. Will die Stadt große Orchester, bekannte Künstler und somit auch Touristen nach Bonn holen, dann reicht die Beethovenhalle als musikalische Mehrzweckhalle nicht aus. Will die Stadt aber nur Künstler für das Bonner Publikum holen, dann genügt die heutige Beethovenhalle. Wenn ich heute noch im Stadtrat wäre, würde ich wahrscheinlich für das Festspielhaus stimmen.

Was haben Sie empfunden, als Ihr Parteifreund Ulrich Kelber kürzlich seinen Verzicht auf eine OB-Kandidatur in Bonn verkündet hat?
Bitterberg: Im ersten Moment fand ich es schade, weil er sehr gute Chancen gehabt hätte, Nachfolger von Jürgen Nimptsch zu werden. Aber dann habe ich gedacht, für Bonn ist sehr wichtig, einen guten Vertreter in Berlin zu haben. Und den haben wir mit Uli Kelber.

Aus dem Ortsverein Beuel sind einige Politiker entwachsen, die der Bonner SPD den Weg gewiesen haben. Stimmt das?
Bitterberg: Ja. Ich denke da besonders an Hermann "Juppi" Brungs, Hans-Walter Schulten, und Uli Kelber.

Wie ist Ihre Partei heute aufgestellt?
Bitterberg: Die Beueler SPD macht sehr gute Arbeit. Ich lasse mich hier und da noch mal blicken und mische mich ein. Bei den übrigen Ortsvereinen kann ich mir kein Urteil erlauben.

60 Jahre SPD liegen hinter Ihnen. Hat sich der Einsatz gelohnt?
Bitterberg: Für mich persönlich ja. Für mein Umfeld na ja. Meine Frau hat meine Parteiarbeit mitgetragen und glücklicherweise auch alle meine Schulleiter in Köln.

Zur Person

Walter Bitterberg wurde 1939 in Gotha in Thüringen geboren. 1948 ist er mit seinen Eltern illegal nach Hessen ausgereist. Wegen seines Physikstudiums kam er 1961 nach Bonn. Nach seiner Promotion hat er bis zu seiner Pensionierung 2004 als Lehrer in Köln gearbeitet. Mit Ehefrau Gudrun lebt er seit 1969 in Beuel. Sie haben zusammen zwei Kinder.

1964 ist Walter Bitterberg in die SPD eingetreten. Von 1972 bis 1975 war er Mitglied des Bezirksausschusses Beuel (Vorläufer der Bezirksvertretung). Von 1975 bis 2004 war er Stadtverordneter in Bonn, von 1989 bis 2002 war er SPD-Fraktionsvorsitzender.

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