Sozialkaufhaus in Pützchen: Schnäppchen-Markt muss schließen

Sozialkaufhaus in Pützchen : Schnäppchen-Markt muss schließen

Über 20 Jahre lang bot der Schnäppchen-Markt (SPM) in Pützchen Menschen die Möglichkeit, gebrauchte Möbel, Kleidung und Geschirr für wenig Geld zu kaufen. Gleichzeitig bot das Sozialkaufhaus Langzeitarbeitslosen einen niedrigschwelligen Einstieg in das Arbeitsleben.

Doch damit ist nun Schluss: Zum 30. Juni dieses Jahres muss das Projekt seine Halle in der Straße "Am Weidenbach" schließen. Denn das Jobcenter Bonn stellt die finanzielle Unterstützung ein. 40 Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (AGH), auch Ein-Euro-Jobs genannt, hielt das Arbeitslosenprojekt zuletzt bereit. Elf weitere Mitarbeiter arbeiten fest für die Einrichtung, die von den Diakonischen Wirtschaftsbetrieben Bad Godesberg getragen wird. "Bei einem Projekt, das es schon so lange gibt, rechnet keiner mit dem plötzlichen Aus.

Die Entscheidung kam für alle Beteiligten sehr überraschend und die Traurigkeit ist entsprechend groß", sagte Projektleiter Michael Wolf im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Der 47-Jährige arbeitet seit 22 Jahren dort, seit 1998 als Leiter. Er selbst und der Träger bedauerten die Entscheidung des Jobcentgers zutiefst, so Wolf, sähen aber keine realistische Möglichkeit, die Einrichtung ohne diese Förderung weiterzuführen.

Der Schnäppchen-Markt holt gut erhaltene Möbel, Bücher, Haushaltswaren und Textilien kostenlos bei privaten Spendern ab. Im Verkauf, in der Werkstatt und der Warenverarbeitung waren von Beginn an Langzeitarbeitslose tätig, die staatlich gefördert wurden - seit der Hartz-IV-Reform 2005 als sogenannte Ein-Euro-Jobber.

Durchschnittlich sechs Monate, maximal aber ein Jahr arbeiten Langzeitarbeitslose in diesem Modell für kommunale Träger oder gemeinnützige Einrichtungen und Vereine und bekommen dafür zusätzlich zum Arbeitslosengeld eine geringe Entschädigung. "So werden sie wieder in das Berufsleben eingegliedert, haben einen strukturierten Tagesablauf. Auch dass sie durch ihre Arbeit wiederum anderen Bedürftigen helfen, gibt ein gutes Gefühl", sagt Wolf.

Die Auslastung der 40 Plätze im Projekt sei zuletzt immer schwieriger geworden, begründet das Jobcenter auf Anfrage seine Entscheidung. "Gerade bei einem angespannten Haushalt müssen wir hinterfragen, ob für insgesamt 400 AGH-Plätze in Bonn überhaupt Bedarf besteht, oder ob ein Teil der Mittel sich nicht anders und wirksamer für die betroffenen Menschen einsetzen lässt", sagte Pressesprecher Markus Waschinski.

Bereits seit Jahren sei das Budget für die Eingliederungsmaßnahmen rückläufig oder stagniere, weitere Kürzungen stünden für 2016 bevor. Zudem sehe der Gesetzgeber das Instrument der sogenannten Ein-Euro-Jobs zunehmend kritisch.

Die Gesamtkosten des Jobcenters für den Schnäppchen-Markt lägen im unteren sechsstelligen Bereich und seien damit bei 10 Prozent der AGH-Stellen mit über 14 Prozent der Kosten überproportional hoch. Die drei weiteren vom Jobcenter geförderten Sozialkaufhäuser und Ein-Euro-Jobs bei anderen Trägern seien nicht betroffen, so Waschinski.

Zwar sei die Spendenbereitschaft in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen, weil heutzutage viele Menschen Dinge, die sie nicht mehr brauchen, selbst über das Internet verkaufen, sagte Wolf. "Trotzdem: Die Menschen aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis haben uns immer durch ihre Sachspenden unterstützt, dafür sind wir sehr dankbar."

Ohne die gestrichene Förderung hätte es keinen Grund gegeben, das Kaufhaus dicht zu machen, sagt Wolf. "Ich hatte eigentlich vor, hier in Rente zu gehen." Doch nun findet spätestens um Juni ein großer Räumungsverkauf statt. "Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns damit abzufinden." Die Halle soll aber bis zum letzten Tag geöffnet bleiben, auch die Abgabe von Sachspenden sei bis zum 30. Juni möglich. Bis der Schnäppchen-Markt endgültig seine Tore schließt, bleibt er montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Mehr von GA BONN