Zwei weitere Anwärter auf den Pfarrerposten: Der gute Hirte als Predigtthema

Zwei weitere Anwärter auf den Pfarrerposten : Der gute Hirte als Predigtthema

Annekathrin Bieling hatte vor anderthalb Wochen den Anfang gemacht, am vergangenen Wochenende stellten sich nun mit Thorsten Diesing und Sophia Döllscher zwei weitere Pfarrer der Evangelischen Gemeinde in Oberkassel vor.

Die Suche war notwendig geworden, weil der Vertrag von Pfarrer Jens Anders nicht verlängert worden war und die Stelle seit dem vergangenen Herbst vakant ist. Anders hatte die Gemeinde in Oberkassel zehn Jahre lang geleitet, und sein Weggang war unter den Mitgliedern nicht unumstritten. Für das Auswahlverfahren zur Neubesetzung der Stelle hatte das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkassel-Dollendorf drei Kandidaten zu "Probegottesdiensten" eingeladen, von denen dann einer auf einem Wahlgottesdienst am 13. Mai gewählt werden soll.

Die Evangelische Gemeinde Oberkassel-Dollendorf vereint die Gläubigen aus Bonn-Oberkassel und Königswinter-Dollendorf und umfasst zwei Pfarrstellen, von denen aus vornehmlich die jeweiligen Ortsteile seelsorgerisch betreut werden. In der großen Kirche in der Kinkelstraße trat Diesing am Samstagabend um 18 Uhr vor die Gemeinde: "Der gute Hirte" war das Thema seiner Predigt, die von zirka siebzig Gläubigen verfolgt wurde.

Diesing ging insbesondere auf die Ambivalenz der seelsorgerischen Tätigkeit ein: "Von einem guten Hirten erwartet man, dass er die Dinge zum Guten richtet - es wird aber eben nicht immer alles gut", erklärte er, während er seine Worte mit einem kleinen Plüschschaf unterstützte, das er aus der Kanzel hervorzog. Daher werde der Hirte zwar oft sehnsüchtig erwartet, aber im Zweifel auch rebellisch abgelehnt. "Führt euch nicht als Herren auf, sondern seid eurer Herde ein Vorbild", war dann sein Tipp an alle, die gute Seelsorger sein wollen.

Das Schlusslicht setzte am Sonntagabend zur selben Uhrzeit Pfarrerin Sophia Döllscher aus der evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Mitte: Auch sie predigte zum Thema des guten Hirten, setzte allerdings den Schwerpunkt mehr auf die gemeindlichen Hirten wie das Presbyterium.

Nach den Gottesdiensten hatten die Gläubigen ausreichend Gelegenheit zu vielerlei Fragen. Die Kinder- und Jugendarbeit sei ihm besonders wichtig, antwortete Diesing auf die Frage nach den Schwerpunkten, die er gerne setzen würde. Döllscher hingegen betonte, wie wichtig ihr die Arbeit im Team - von der Kantorin über die Ehrenamtlichen bis zu Jugendleiterin und Pfarrerin - sei. Außer dem Probegottesdienst müssen die Bewerber auch eine sogenannte Gastkatechese absolvieren. Mit einer solchen Unterrichtsstunde für Konfirmanden durch Pfarrerin Döllscher findet das Bewerbungsverfahren am heutigen Dienstag um 16 Uhr seinen vorläufigen Abschluss, bis dann im Mai die Entscheidung fällt.

Oberkassel ist eine Keimzelle des Protestantismus im Rheinland. Die reformatorischen Wurzeln reichen bis in das Jahr 1550 zurück: Der ehemalige Franziskanermönch Georg Kruiff soll dort erstmals nach reformatorischem Verständnis gepredigt haben. Die Alte Kirche wurde 1683 errichtet und ist damit die älteste evangelische Kirche auf Bonner Stadtgebiet. Heute finden allerdings die meisten Gottesdienste in der 1908 erbauten Großen Kirche statt.

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