Beueler Unternehmen: Abschied vom süßen Marzipanduft bei Kessko?

Beueler Unternehmen : Abschied vom süßen Marzipanduft bei Kessko?

Der Beueler Süßwarenproduzent Kessko stellt wohl keine Marzipan-Rohmasse mehr her. Die Geschäftsführung will sich zu dem Thema nicht äußern.

Für Beueler steht die Firma Kessko für Marzipan. Generationen von Kindern sind mit dem süßlichen Duft rings um den Firmensitz an der Königswinterer Straße groß geworden. Und die ehemaligen Firmenchefs Wolfgang und Helmut Kessler waren großherzig beim Spenden der legendären Marzipanschweine an Kindergärten, Schulen und ähnliche Einrichtungen. Und deshalb haben viele Beueler die Botschaft wehmütig und traurig aufgenommen: Kessko hat die Produktion der Marzipan-Rohmasse offenbar zum 30. Juni eingestellt. Letzte Warenkontingente an Nüssen und Mandeln werden derzeit noch verarbeitet, dann ist endgültig Schluss.

Auf Nachfrage des GA wollten weder die Geschäftsführung noch die Vorsitzende des Firmenbeirats, Ulrike Kessler, sich zu dem Thema äußern. Über Kessko-Pressesprecher Manuel Görke hat die Firmenleitung mitteilen lassen: „Zu diesem Thema beziehen wir derzeit keine Stellung.“ Die Frage des GA, ob die Marzipan-Produktion in Beuel eingestellt worden ist, wurde aber auch nicht mit „Nein“ beantwortet. Stattdessen teilte Görke mit: „Kessko stellt weiterhin Halbfertigerzeugnisse aus Marzipan-Rohmasse in Bonn-Beuel als Qualitätsprodukte her. Zusätzlich werden Marzipanpasten produziert, welche im Bäckerhandwerk, Konditorenbereich und in Eiscafés verwendet werden.“ Diese Äußerung lässt vermuten, dass Kessko künftig Marzipan-Rohmasse einkaufen wird.

Auf die Frage: Stimmt es, dass die Abteilungen Präparate und Brüher ebenfalls geschlossen wurden, antwortete Görke: „Ihre Frage bezüglich einer sogenannten Brüherabteilung beantworten wir dahingehend, dass es im Unternehmen keine eigene Abteilung Brüher gab oder gibt.“ Auf einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung im Juni sollen nach GA-Informationen Schließungen von drei Produktionseinrichtungen angekündigt worden sein. Müssen deshalb Mitarbeiter entlassen werden? Dazu Görke: „Nein, im Zusammenhang mit der von Ihnen angesprochenen Thematik sind keine Kündigungen geplant oder vorgesehen. Wir setzen unsere Mitarbeiter effizient in allen Produktionsbereichen übergreifend ein; dies erfolgte auch bereits in der Vergangenheit. Mit diesem flexiblen System können wir sehr zeitgerecht auf wechselnde Anforderungen des Marktes und der Kunden reagieren.“

Gerüchte kursieren seit mehr als einem Jahr

Allerdings räumte der Firmensprecher ein, dass sich Kessko „im Rahmen einer Neuausrichtung des Produktportfolios zukünftig stärker auf die Bereiche Kuvertüre, Krokant, Aromen und Backmittel“ konzentriere. Vor dem Hintergrund veränderter Marktbedingungen auf Kunden-, Lieferanten- und Wettbewerbsebene sei diese Weiterentwicklung notwendig, um langfristig als Familienunternehmen erfolgreich agieren zu können, so die Geschäftsführung von Kessko. In diese Bereiche würden nachhaltige Investitionen fließen, um den zukünftigen Bedürfnissen des Marktes im In- und Ausland gerecht zu werden. Weiterhin werde das Produktsortiment die Bereiche Marzipan und Präparate als Qualitätsprodukte aus Bonn umfassen.

Seit mehr als einem Jahr kursieren in Beuel Gerüchte, wonach die Geschäftsführung mit dem Gedanken spiele, eventuell den Firmensitz zu verlagern. Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Zukunft der Markthallen in der Röhfeldstraße hatte Kessko sein Interesse bekundet. Nach Gesprächen mit Oberbürgermeister Ash-ok Sridharan und Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus erwies sich das Markthallen-Grundstück als zu klein. Die Umzugsgedanken haben laut GA-Informationen auch etwas mit der bevorstehenden Neugestaltung der Königswinterer Straße zu tun. Die Firmenleitung befürchtet dadurch massive Verschlechterungen für den Lieferverkehr am Produktionsstandort.