Bonner Politiker beklagen hohe Mietforderungen: Neue Kita in Lannesdorf könnte teuer werden

Bonner Politiker beklagen hohe Mietforderungen : Neue Kita in Lannesdorf könnte teuer werden

Vier Gruppen von Kita-Kindern sollen im Neubaugebiet an der Deutschherrenstraße in Bonn-Lanndesdorf untergebracht werden. Der Eigentümer will eine Miete von mehr als 150.000 Euro jährlich.

Die Stadt Bonn sucht händeringend nach Räumen für neue Kindergärten. In den Siebengebirgsterrassen an der Deutschherrenstraße in Lannesdorf sollen vier Gruppen entstehen. Doch einige Politiker haben Bauchschmerzen, dem zuzustimmen. Grund sind, wie schon in Auerberg, die hohen Mieten, die die Stadt zu zahlen hätte. Auch in Lannesdorf verlangt der Investor, die Soka-Bau, 13,50 Euro pro Quadratmeter und lässt nicht weiter mit sich handeln.

Nach einer Vertagung im Betriebsausschuss SGB (Städtisches Gebäudemanagement) soll am Donnerstagabend nun eine Entscheidung getroffen werden, damit die Kinder ab Januar in den neuen Räumen spielen können. Die Stadt würde sich demnach für 25 Jahre binden. Miete und Betriebskosten zusammengerechnet, ergeben dann eine jährliche Summe von 152.250 Euro, die zu zahlen sind. Die Kita unter Trägerschaft von Fröbel NRW wird 725 Quadratmeter groß, das Außengelände 1125 Quadratmeter.

Der Beschlussvorschlag ist für die Grünen „höchst unbefriedigend, weil die geforderte Miete so hoch ist, dass sie sich nicht, wie sonst üblich, über die Regelungen des Kibiz (Kinderbildungsgesetz) refinanzieren lässt“, teilt Nicole Unterseh mit. Da aber neue Kitaplätze benötigt werden, will die Partei zustimmen, „wenn auch zähneknirschend“. Florian Bräuer (FDP) sagt: „Natürlich würden wir uns über geringere Mieten freuen. Eine Debatte zu führen, ohne Alternativen zu haben, und Eltern vor eine Perspektivlosigkeit zu stellen, halte ich für völlig verfehlt.“

SPD spricht von Erpressung

Von „Erpressung“ spricht Dörthe Ewald (SPD): „Die Investoren kennen die Notlage und rufen entsprechende Preise auf.“ Das gelte auch für die Deutschherrenstraße. „Wenn wir nicht selbst bauen, haben wir es nicht in der Hand“, sagt Ewald. Um in Bonn die Quoten zu erfüllen, müssten in den nächsten fünf Jahren 2000 Kindergartenplätze geschaffen werden.

„Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit nicht gelernt“, findet Marcel Schmitt (Bürger Bund Bonn). Die Vermieter würden mit einem solventen Mieter, der Stadt, ein ordentliches Geschäft machen. „Dümmer geht es nicht.“ Schmitt meint, dass man die Mietkosten in einem Durchführungsvertrag deckeln müsste. „Die Miete für die Kita ist auch aufgrund der hohen Ausstattungsstandards (unter anderem abgehängte Decken, Glasvliestapete, Glasoberlichter und Glasseitenteile an Türen, teilweise geschwungene Wände, Lüftungsanlage, Terrassenbelag aus Holz) ein marktüblicher Preis, den wir benötigen, um unsere Kosten zu decken“, sagt Soka-Bau-Sprecher Michael Delmhorst. Reinhard Limbach (CDU) empfindet die geforderte Miete als nicht so hoch. „Wir reden hier über Gewerbeflächen“, sagt er. Mit Wohnungsmieten könne man das nicht vergleichen. „Ich sehe hier keinen Skandal.“

„Wenn die Stadt mietet, dann in der Regel zu ortsüblichen Konditionen oder günstiger“, so Andrea Schulte vom Presseamt der Stadt. Selbst zu bauen, sei auf lange Sicht gesehen meist günstiger. Derzeit würden in Rüngsdorf, Pennenfeld, Lannesdorf noch 149 U 3-Betreuungsplätze und 165 Ü 3-Plätze in öffentlich geförderten Kitas und in Tagespflege fehlen. „Lannesdorf ist mit einem Bedarf von 58 zusätzlichen U 3-Plätzen der Bezirk, in dem die meisten Betreuungsplätze fehlen. Für Ü 3-Kinder müssen in Lannesdorf noch 41 Betreuungsplätze geschaffen werden“, sagt Schulte. Der Bedarf sei steigend.

Schmitt kann sich vorstellen, dass nach der Schließung der Carl-Schurz-Realschule dort eine Kita unterkommen könnte. Auch die König-Fahad-Akademie ist für ihn – entgegen der Stadt – weiter eine Option.

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