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Festival "Godesberg liest": Literatur mit allen Sinnen erleben

Festival "Godesberg liest" : Literatur mit allen Sinnen erleben

Erst ein Texthäppchen, dann Perlgraupensalat mit Bärlauch und Spargel: In einem Schaugarten an der Deichmanns Aue erlebte das Publikum des Literaturfestivals "Godesberg liest" am Samstag einen sinnlichen Nachmittag, der garniert war mit Kunst des Hausherrn Hans-Georg Heinzel und praktischen Pflanztipps von Gartenenthusiast Jörg Lonsdorf.

"Von Kräutern und Beeten" lautete das Thema. Das verwunschene Gelände der ehemaligen Gärtnerei in Mehlem, das Inhaber Lonsdorf und sein Team Stück für Stück zum Schaugarten umgestalten, bot den idealen Rahmen für die kulinarische Lesung.

Schauspieler Andreas Kunz musste sich für seine blumigen Texte mit geschulter Stimme Gehör verschaffen, denn es waren nicht nur mehr Zuschauer gekommen als geplant. Hubschrauber und Kirchenglocken sorgten für urbane Atmosphäre, die schreienden Halsbandsittiche, die über den Park hinweg schossen, für Exotik. Ein Text von Paula Almquist stimmte auf den Garten als Inspirationsquelle und Jungbrunnen ein. "Gartenarbeit ist eine Krankheit der zweiten Lebenshälfte", zitierte Kunz die Autorin, die den Vierfüßler-Stand im Beet jedem Fitnessstudio vorzieht.

Dass die Liebe zum Grün leicht in Krieg umschlagen kann, wenn dem Gärtner ein gefräßiges Murmeltier in die Quere kommt, erfuhr das Publikum anhand eines Essays aus der Feder von Moderator Thomas Gottschalk. Im Kampf gegen vermeintliches Unkraut hilft hingegen, den Giersch als Bodendecker zu betrachten oder ihn gleich als Beilage zum Putenconfit zu servieren. Einblick in die Wildkräuterküche gab das Team vom "Vieux Sinzig".

Spitzenkoch Jean-Marie Dumaine musste kurzfristig nach Frankreich reisen. Deshalb stand Tochter Alexandra Dumaine an der Spitze der Kochmannschaft, die mit ihren weißen Mützen an verschiedenen Stationen im dichten Grün auftauchte und Kostproben anbot. "Das ist es, was ich wollte: Gartenkultur mit anderer Kultur zusammenzubringen", freute sich Lonsdorf, der jeweils freitags von 16.30 bis 19 Uhr zu Gartengesprächen in die Deichmanns Aue 26 einlädt.

Das Festival "Godesberg liest", das ehrenamtlich von Stephanie Malmendier und Andreas Lüderitz organisiert wird, wurde bereits am Freitagabend mit einer Konzertlesung in der Flüchlingsnotunterkunft an der Deutschherrenstraße eröffnet. "Achtung: Dieses Konzert gefährdet Vorurteile!", hieß es in der Ankündigung. Die Band Ramel Aleppo, deren Mitglieder aus Syrien geflüchtet sind, sorgte mit Blick auf den Veranstaltungsort und seine Bewohner für einen überdurchschnittlich hohen Musikanteil. Asylbewerber aus der Notunterkunft mischten sich mit Festivalbesuchern und Familien, die privat Flüchtlinge aus Syrien bei sich aufgenommen haben. Die Musiker seien sehr ergriffen gewesen. "Sie haben noch nie in einem Flüchtlingsheim gespielt", berichtete Lüderitz.

Weitere Informationen im Internet auf www.godesberg-liest.de

So geht es weiter

Die Lesung mit Sabine Heinrich heute ist ebenso wie die von Fatih Cevikkollu am Samstag ausverkauft. Für drei weitere Veranstaltungen von "Godesberg liest" gibt es noch Restkarten (Preis 10 Euro) im Vorverkauf in der VR-Bank Bonn, Brunnenallee 11, und in Bergfelds Biomarkt, Alte Bahnhofstraße 20.

So stellt beispielsweise Grimme-Preisträger Jochen Rausch am Freitag, 8. Mai, um 19 Uhr seinen Roman "Rache" in einem Hinterhof-Lagerraum an der Löbestraße 1 vor.