Tierischer Einsatz

Esel-Trio um Anführer "Klaus-Dieter" hält Polizei in Bad Godesberg auf Trab

BAD GODESBERG. Drei Esel auf Abwegen haben in der Nacht zu Freitag die Besatzung der Polizei in Bad Godesberg auf Trab gehalten. Die Tiere irrten ziellos über die Straßen.

Für die 15-jährige Louisa Brenig war am Freitagmorgen um 6 Uhr die Nacht jäh zu Ende. Da schellte nämlich eine Polizistin an ihrer Tür und teilte ihr mit, dass sie die drei Esel ihrer Mutter an der Bad Godesberger Polizeiwache abholen könne. So endete der aufregende, nächtliche Spaziergang von Molli, Joschi und Fleur. Die Schülerin brachte die drei wohlbehalten auf ihre Weide am Aloisiuskolleg (Ako) zurück.

„Esel sind sehr neugierig“, sagt Ursula Conrad aus Wachtberg, der die Tiere gehören. So treibe sie im Morgengrauen auch nicht der Hunger durch die Gegend, sondern die Lust auf Abenteuer. Vermutlich hat als regelrechte Einladung dazu das Gatter offengestanden, sodass der Marsch bergab in die City beginnen konnte.

Gegen 3.30 Uhr kam die Polizei ins Spiel, die mehrere Anrufe zu den Dreien bekam, die scheinbar ziellos durch die Straßen von Bad Godesberg irrten – etwa der Friedrich-Ebert- und Kurfürstenallee. Die Polizei stellte die Tiere dann vor der Röntgen-Apotheke, und angesichts der knuffigen Esel ging dann auch gerne mal den Beamten der Gaul durch: „Der Nachtschalter war nicht besetzt“, sagte einer zum erfolglosen Einkauf und band Molli, Joschi und Fleur erst mal an einer Laterne fest. Ein anderer rief „Klaus-Dieter“, woraufhin ein Esel den Kopf hob und so von der Polizei seinen neuen Namen erhielt: „Er hat gehört, dann wird er auch so heißen“, so die Schlussfolgerung des Beamten, der bei der Feststellung der Personalien vielleicht etwas genauer arbeiten sollte.

So zog die Karawane zur Wache an der Zeppelinstraße. Polizeisprecher Robert Scholten: „Da war Saloonatmosphäre.“ Die Tiere wurden am Treppengeländer angeleint, bis Louisa aufkreuzte. Der Rettungseinsatz war zum Glück für ihre Mutter umsonst.

„Eseln wird es oft schnell langweilig“, weiß Conrad. Dann ziehen die drei über die Weide oder halt um die Häuser – die 20-jährige schwarze Molli an der Spitze, denn „Stuten gehen eigentlich voran“, sagt die Halterin. Im Schlepptau den grauen Wallach Joschi (3) und das anderthalbjährige weiße Fohlen Fleur.

Die Bande ist einschlägig bekannt. Denn vor zwei Jahren hatte sie es schon einmal bis in den Bad Godesberger Kurpark geschafft. Da wurde sie von der Feuerwehr aufgeschnappt und zur Wache 3 an der Friesdorfer Straße gebracht. „Die Feuerwehrleute haben dann mit ihren Kindern und den Eseln Fotos geschossen“, erinnert sich Conrad. Eine Schulklasse sei auch noch dazugekommen. Die Sozialpädagogin hat sich zum tiergestützten, heilpädagogischen Arbeiten weitergebildet und ist viel mit Behinderten und Nichtbehinderten in der Natur. „Dabei geht es um Sozialkompetenz und nonverbale Kommunikation“, sagt Conrad und setzt dafür auch ihre 14 Schafe ein. Alle müssen auch beim Ako-Forum des Gymnasiums ran, wenn die Wachtbergerin einmal im Monat ihren tierischen Erlebnistag anbietet.

Esel gelten gemeinhin als störrisch, was Ursula Conrad gar nicht bestätigen kann: „Wie der Herr, so's G'scherr“, meint sie. „Wenn man mit den Tieren gut umgeht, dann sind sie auch sehr zutraulich.“ Molli, Joschi und Fleur verhalten sich vorbildlich und lassen sich auch nicht von Hütehund Benni aus der Reserve locken, der aufgeregt um sie herumstreift. Sie fressen nach der aufregenden Nacht in Ruhe frisches Heu.

Die kontaktfreudigen Vierbeiner werden wohl noch häufiger in Bad Godesberg unterwegs sein. An der neuen Wache an der Friesdorfer Straße sollte die Polizei vielleicht jetzt schon eine Stange zum Anbinden einplanen.