Auf den Spuren von Karate Kid: Das G-A-Team testet Karate

Auf den Spuren von Karate Kid : Das G-A-Team testet Karate

Zehn GA-Mitarbeiter testen für sie ungewöhnliche Sportarten: Dieses Mal haben wir Sebastian Knauth aus der Onlineredaktion in den Budokan nach Linz geschickt. Seine Aufgabe? Nicht geringeres als die Kampfsportart Karate.

Schon wieder einer dieser regnerischen und grauen Winterabende, an dem das heimische Sofa die bessere Alternative zu sein scheint. Starker Regen begleitet mich auf der Fahrt nach Linz. In meinem Magen breitet sich ein flaues Gefühl aus. Der Grund: Ich darf an diesem Abend die Kampfsportart Karate testen. Arbeite ich sonst am Rechner und tobe mich eher auf den Fußballplätzen der Gegend aus, gehen meine Vorkenntnisse in der 1500 Jahre alten Kampfkunst gen Null. Nach Wasserball, Turnen und Rollkunstlauf ist mein vierter Einsatz für das G-A-Team gleichzeitig der schmerzhafteste.

Im Budokan Linz werde ich bereits erwartet. Der Karateverein zählt rund 75 Mitglieder und bietet neben den am weitesten verbreiteten Karate-Stil Shotokan noch Selbstverteidigung in Form von Jiu-Jitsu an. Eine besondere Ausrüstung brauche ich zum Einstieg nicht. Den weißen Kampfanzug (Karate-Gi) benötigt der Karateka erst bei einer offiziellen Prüfung.

Als ich die Turnhalle betrete, fällt mir zunächst die ruhige, fast meditative Stimmung auf. Zu Beginn des Trainings stellen wir uns nach Gürtelfarbe, also nach den Stufen des Könnens, auf. „Am Anfang und am Ende verbeugen wir uns, knien uns hin und schließen die Augen. Damit wird zum einen dem Trainer Respekt gezollt, und zum anderen soll man sich dadurch mental auf das Training vorbereiten“, erklärt der erste Vorsitzende des Vereins, Matthias Wendland. Was dann folgt, ist ein intensives Aufwärmprogramm: Kleinere Übungen wie Schubkarrenlaufen und ein Reaktionsspiel, bei dem man aneinander vorbeitänzelt und dem Gegenüber versucht, auf die Schulter zu klopfen. Zusätzlich wird die Muskulatur gedehnt und auf die späteren Aufgaben vorbereitet. Meine schmerzenden Sehnen verdeutlichen mir wieder einmal, wie ungelenkig ich eigentlich bin.

Meine unbeholfenen Bewegungen rufen Matthias Knaute auf den Plan. Der 30-Jährige ist seit 1998 im Verein und eigentlich für das Kindertraining zuständig – für mich also genau richtig. Knaute kam über seinen Bruder, den Cheftrainer des Vereins, zum Karate. „Bis ich alt genug für den Kinderanfängerkurs war, schaute ich damals schon regelmäßig beim Training zu“, sagt Knaute. Das besteht anfangs überwiegend aus Schlag- und Trittbewegungen. Meine Eindrücke aus diversen asiatischen Kampfsportfilmen täuschen mich. Was im Fernsehen bei Karate Kid am Ende spielend leicht aussieht, ist in der Realität ein komplexer und anspruchsvoller Bewegungsablauf. Immer wieder korrigiert der Trainer meine Fußstellung und die Position der Arme.

„Eigentlich heißt es Karate-Do. Do ist dabei der Weg – also der Lebensweg – und ist, wenn man es ernst nimmt, eine Lebenseinstellung. Karate-Do soll nicht nur den Körper schulen, sondern auch den Charakter “, erklärt Wendland.

Im Budokan Linz wird jedoch nicht nur Karate gelehrt, auch Selbstverteidigung ist ein Thema. Glücklicherweise weist mich Knaute in die Kunst des „Abklopfens“ ein. Sollte mein Schmerz zu stark werden (und den wird es geben), soll ich mit dem freien Arm deutlich klopfen, damit die Übung unterbrochen wird. Tolle Aussichten. Die Bewegungen wirken harmlos. Handauflegen, eine Drehung, eine Verwringung. In Sekunden bin ich an meiner Schmerzgrenze und muss abklopfen. „Wir trainieren nicht mit einem Gegner, sondern mit einem Partner und versuchen, diesen nicht zu verletzen.“ Das beruhigt mich, und wir steigern den Schwierigkeitsgrad der Übungen bis zum Ende des Trainings.

Der Budokan Linz ist ein reiner Breitensport-Verein und bietet kein gezieltes Wettkampftraining an. Einzelne Karateka können aber auf Wunsch an Turnieren teilnehmen. Für die Gürtelprüfungen werden die Vereinsmitglieder speziell vorbereitet. „Es gibt für jeden Kyu- und Dan-Grad ein bestimmtes Prüfungsprogramm, das man entsprechend trainiert. Dieses besteht aus Grundtechniken, Kombinationen von Techniken, Kumite (Kampf), Kata (Form) und Bunkai (Selbstverteidigung). Je höher der Gürtel, desto anspruchsvoller die Prüfung und desto mehr muss man trainieren“, sagt Wendland. Am Ende des Abends ist mein Respekt vor den einzelnen Gürteln noch größer geworden. Mir ist klar geworden, wie viel Trainingsarbeit dahinter steckt. Mit einem klaren Einblick in eine alte und traditionsreiche Kampfsportart, trete ich die Heimreise an. Mittlerweile hat es auch aufgehört zu regnen.

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