Zwischen den Seilen: Das G-A-Team testet Rope Skipping

Zwischen den Seilen : Das G-A-Team testet Rope Skipping

Beim Rope Skipping sind Muskelkraft, Körperspannung und Koordination gefragt. Mit dem Seilchenspringen auf dem Schulhof hat der Sport wenig gemein. GA-Redakteur Nicolas Ottersbach hat die Sportart ausprobiert.

Nach einer kurzen Diskussion steht die Entscheidung fest: Es wird das „Seniorenseil“, mit dem ich mich für das G-A-Team im Seilspringen versuche. Durch die länglichen, aufgefädelten Plastikperlen ist es schwerer als die herkömmlichen Springseile aus Draht. „Dadurch merkt man besser, wo sich das Seil gerade befindet“, erklärt Tabea Leistikow. Und es hat noch einen weiteren Vorteil: Das Seniorenseil verletzt einen nicht so stark, wenn es gegen Gesicht oder Schienbein flitscht.

Die 21-Jährige hat das schon oft genug erfahren müssen. Es gehört dazu, wenn man den Sport Rope Skipping betreibt. Mit dem Seilchenspringen auf dem Pausenhof hat es nicht mehr viel gemein. „Es geht in verschiedenen Disziplinen um Akrobatik und Schnelligkeit, Körperbeherrschung und Koordination“, sagt Leistikow. Als Übungsleiterin beim Godesberger Turnverein bringt sie Jugendlichen und Erwachsenen das Seilspringen auf Wettkampfniveau bei, ihre Mutter Sabine trainiert ebenfalls zwei Gruppen – die Einsteiger und die Fortgeschrittenen. Männer sind in jeder der drei Mannschaften Mangelware. „Bei den Jugendlichen sind noch Junges dabei, später aber nicht mehr“, erzählt Sabine Leistikow – aktuell ist es sogar nur einer. Dabei seien in den höheren Klassen gerade die kräftigen Männer gefragt. Denn für Flicflacs samt Seil braucht es Muskelkraft und Körperspannung.

Muskelkraft ja – aber nicht genug. Wenigstens attestiert mir Sabine Leistikow zu Beginn „einige gute Voraussetzungen“. Die Kondition sei da, ebenso wie Motorik. Dabei kommen mir die ersten Bewegungen mit Seil in der Hand sehr holprig vor. Auf zwei Beinen zu Hüpfen und das Seil zu schwingen ist unproblematisch, aber in der sogenannten Speed-Disziplin kommt es auf Geschwindigkeit ein. In einer vorgegebenen Zeit wird gezählt, wie oft das Seil den Boden berührt. Und damit das möglichst zügig geht, tippen die Füße immer abwechselnd auf den Boden. Schlagzahlen bis zu 160 pro sind keine Seltenheit. „Man darf dabei nicht in einen Pferdegalopp verfallen“, sagt Sabine Leistikow. Wichtig sei die Kontinuität. Nicht nur die bereitet mir Schwierigkeiten, sondern auch der Pferdegalopp. Am Ende sind es gerade einmal 20 Schläge, dich ich schaffe. Zu oft habe ich mich im Seil verheddert – was immer dann passiert, wenn ich aus dem Rhythmus komme. Die Belohnung: Liegestütz, mit den Ellenbogen möglichst nah am Körper.

In Deutschland eher Nischensport

„Meistens ist die Kraft in den Armen das Problem, deswegen trainieren wir sie“, erklärt Tabea Leistikow. Seit sie acht Jahre alt ist, springt sie beim Godesberger TV. Ihre Arme und Beine sind kräftig, bei jeder Bewegung zeichnen sich die Muskeln ab. Ohne Probleme macht sie einen Flicflac mit den Griffen in der Hand, sogar synchron mit ihrer Teampartnerin. In der Wettkampfgruppe sind derzeit rund 15 Frauen. Die Einsteiger haben 25, die Fortgeschrittenen zehn Mitglieder. Zweimal die Woche wird trainiert, dazu kommt ein separates Fitnesstraining. Seit der Abteilungsgründung vor etwa 15 Jahren haben die Seilspringer haben einige Erfolge vorzuweisen. Sie wurden Dritte bei den offenen Weltmeisterschaften in Paris, qualifizierten sich für die Europameisterschaften in Portugal und gewannen die Landesmeisterschaften.

Dort erreicht man mit einfachem Seilspringen aber nicht viel. Es gibt unzählige Figuren, die auch miteinander kombiniert werden können. Besonders elegant ist das bei der Kür, die zu Musik auch Tanzelemente einbindet und mit mehreren gezeigt werden kann. Was die Sportlerinnen machen, überlegen sie sich selbst.

Das probiere ich auch, scheitere aber schon bei einfachen Figuren. Das Überkreuzen der Arme bekomme ich gerade noch hin, ebenso wie Liegestütz und Handstand. Währenddessen wird das Seil aber weiter geschwungen. Bei jedem Versuch, im Handstand das Seil unter meinen Beinen nach hinten zu reißen, mache ich einen Bauchplatscher. Im Gegensatz dazu sind die Bewegungen der Wettkämpfer flüssig, das dünne Drahtseil schneidet die Luft und gibt dabei einen lautet Pfiff von sich. Jede Körperpartie wird beansprucht. „Und es ist fordernd, weil nicht nur die beiden Hände häufig etwas unterschiedliches machen, sondern auch die Beine“, sagte Sabine Leistikow.

In Deutschland ist das Seilspringen eher ein Nischensport. „In den USA ist es weiter verbreitet, von da besorgen wir uns auch oft unsere Seile.“ Aber Rope Skipping wird bekannter: Momentan haben die Godesberger viele Neuanmeldungen. Und auch mir hat es das Seilspringen angetan – aber nicht mit den Seniorenseilen, sondern mit denen aus Draht.

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