Immer eine Kugel voraus: Das G-A-Team testet Pool-Billard

Immer eine Kugel voraus : Das G-A-Team testet Pool-Billard

GA-Mitarbeiterin Kathrin Nitschke testet für uns die Sportart Pool-Billard. Erwartet hat sie eine Kneipensportart, doch beim Billard kommt es auf Antizipation, Genauigkeit und Konzentration an.

Ein dunkler Hinterhof, schummriges Licht, auf dem Parkplatz außer mir nur Container und ziemlich kalter Wind. Damit habe ich nicht gerechnet, als ich für das GA-Team meine nächste Aufgabe bewältigen will. Denn heute wechsele ich vom Schreib- an den Billardtisch und spiele Poolbillard beim PBSC Bonn. Eigentlich gut vorbereitet, erwarte ich eine zwielichtige Kneipenatmosphäre, lässige Typen mit einem Bier in der Hand und einer Zigarette im Mundwinkel, Kreidestaub wird in der Luft liegen.

Mit verruchter Gaststätte hat das Szenario, das sich mir beim Betreten der Vereinsräume bietet, wenig zu tun. „Nein, vom Kneipensportimage wollen wir unbedingt weg“, sagt Sebastian Arendts, Geschäftsführer des Vereins. „Billard ist ein sehr technischer Sport, der viel Konzentration, Präzision und Feinmotorik erfordert. Das passt nicht zu diesem Image.“ Dementsprechend klärt er mich auch über die Regeln auf, die ich von meinen wenigen Spielversuchen aus der Vergangenheit kenne. Den Ball queuebreit neben die Bande legen, die schwarze Kugel ins gegenüberliegende Loch spielen und das Anspielen über die Bande – alles Regeln, die erfunden wurden, um die Begegnungen künstlich in die Länge zu ziehen.

Das eigentliche Spielprinzip ist dabei ganz einfach zu verstehen. Ziel ist es, mit dem Spielball die Objektbälle in die Taschen des Billardtisches zu befördern. Ein Akteur spielt die halben, der andere die vollen Kugeln. Trifft ein Spieler nicht, ist der Gegner dran.

Grundsätzlich ist Billard aber ein Sport, den jeder schnell erlernen kann und der nicht unbedingt teuer sein muss. Eine vernünftige Ausrüstung ist natürlich Pflicht – so wie der Queue, der wie der beim Billard eingesetzte Spielstock genannt wird. „Queues sind in allen möglichen Ausführungen, Materialien und Preisklassen zu bekommen“, erklärt Arendts. „Für den Anfang und gelegentliches Spielen muss es nicht gleich ein ganz hochpreisiges Produkt sein, erfahrungsgemäß sollte man aber auch nicht auf die ganz günstigen Angebote setzen, da die Anforderungen schnell höher werden. Sonst gibt man immer wieder kleine Summen aus – und am Ende wäre die teure Variante günstiger gewesen.“

Bevor ich meinen Queue in die Hand nehmen darf und meinen ersten Einsatz am Billardtisch habe, zeigt Arendts mir die verschiedenen Stoßtechniken. Es stehen der Stoppball, der Nach- und der Rückläufer auf dem Programm. Ich zeige mich nicht untalentiert, zumindest solange ich die obere Spitze des Queue, die sogenannte Pomeranze, fachgemäß mit Kreide einreibe. „Sonst rollt der Ball schon mal unkontrolliert weg, weil man abrutscht“, sagt Arendts. Ich vergesse das Kreiden natürlich trotzdem und erweitere die Palette meiner Billardskills um den linksherum trudelnden Kullerball. „Passiert“, tröstet mich Arendts. Dafür gelingt mir ein Jumpshot, der tatsächlich über die im Weg liegenden Kugeln springt und den Objektball über die Bande in die Tasche befördert.

Da das beeindruckend meisterlich war, fordere ich Arendts schon bald zu einer Partie auf. Die Freude währt nicht lange, denn ans Spielen komme ich in der ersten Runde nicht. „In den hochklassigen Partien kommt der Gegner eigentlich gar nicht zum Zug“, so Arendts. „Wichtig ist es, die Linien und Wege der Bälle auch schon für spätere Spielzüge im Kopf zu haben, und sich nicht nur auf den unmittelbaren Stoß zu konzentrieren. In der Regel verliert der Spieler, der die Konzentration nicht über das ganze Spiel aufrecht halten kann.“ Da ich zur „Immer voll drauf und direkt durch die Wand“-Fraktion gehöre, versenke ich nach ein paar Zufallstreffern leider den Stoßball, produziere damit ein „Foul“ und muss meinem Gegner das Feld überlassen. Der kennt keine Gnade und lässt hochkonzentriert einen Ball nach dem Anderen im Billardtisch verschwinden. Nach nur wenigen Minuten bin ich besiegt.

Die sechs Trainingstische im Vereinsheim sind mittlerweile alle besetzt. 40 bis 50 aktive Mitglieder zählt der PBSC, mit fünf Mannschaften sind sie in dieser Saison in den unterschiedlichen Ligen des Landesverbandes vertreten. Lediglich im Nachwuchsbereich klafft eine Lücke. „Die talentierten Jugendlichen schicken wir schon mal ins Billard Center in Sankt Augustin weiter, da sie dort besser gefördert werden können,“ bekennt Arendts.

Nachwuchsprobleme sind nicht nur beim PBSC ein Problem. Während der Sport und die Weltklassespieler in asiatischen Ländern sehr populär sind und große Beachtung finden, fristet Billard in Deutschland nach wie vor das Dasein einer Randsportart. Und das, obwohl es bei der britischen Variante Snooker Millionen zu verdienen gibt. „Das ist aber eine ganz andere Sportart. Ein Billardspieler hätte beim Snooker keine Chance“, sagt Arendts. Auch deshalb hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, möglichst vielen Menschen den Einstieg in den Sport zu erleichtern. „Ein kostenloses Schnuppertraining findet jeden ersten Donnerstag im Monat statt“, so Arendts.

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