Bürgermeister außer Dienst

Hans-Jürgen Döring hat an Wachtberg mitgebaut

Mit Weitsicht: Hans-Jürgen Döring sitzt in seinem Garten in Berkum.

Mit Weitsicht: Hans-Jürgen Döring sitzt in seinem Garten in Berkum.

Wachtberg. Seinen Job in der Gemeinde trat Hans-Jürgen Döring im Jahre 1969 an - pünktlich zur kommunalen Neuordnung. Seine Aufgabe war es damals, die Verwaltung neu zu organisieren.

Pünktlich zum Termin hört er auf, der Nieselregen. Sonst nämlich wäre es für das Gespräch mit Hans-Jürgen Döring, Bürgermeister a.D., zu einem seiner (vielen) Lieblingsorte im Ländchen gegangen: dem Rheinhöhenfriedhof zwischen Oberbachem und Ließem mit seinem schönen Ausblick. Aber auch im Döring'schen Garten in Berkum gibt es genug Weitsicht.

An Einsicht hingegen mangelte es 1969 mancher der zehn kleinen Gemeinden des Amtes Villip, als es Überlegungen des Düsseldorfer Innenministeriums gab, diese zu einem Ganzen zusammenzuschließen. „Damals haben Emotionen eine hohe Rolle gespielt“, sagt der gelernte Verwaltungswirt, der zwar erst im August 1969 parallel zur kommunalen Neuordnung eingestellt wurde, wegen Personalmangels aber schon 1967 vom damaligen Landkreis Bonn ins Ländchen geschickt worden war.

„Die Bürger von Arzdorf, Fritzdorf und Adendorf wollten weiter zu Meckenheim gehören, aber die Meinung der dortigen Politik war sicher nicht verkehrt, lieber unter Gleichen eine Rolle zu spielen als Anhängsel einer größer werdenden Stadt zu sein“, so Döring.

Seine Aufgabe als Gemeindeoberinspektor war es, die Verwaltung neu zu organisieren. Und mit an Wachtberg, wie das Gebiet nun hieß, zu bauen. „Nur neun Prozent der Haushalte waren an die Kanalisation angeschlossen“, erinnert sich der 76-Jährige. Auch der erste Rat der Gesamtgemeinde musste sich finden: „Hinzu kam der Druck zu beweisen, dass die Neuordnung Sinn hatte.“

Dass die Politiker sich zunächst auf Projekte konzentrierten, bei denen sich alle nunmehr 13 Ortsteile angesprochen fühlten, sei eine gute Entscheidung gewesen, findet er noch heute. So setzten die Ratsmitglieder auf den Bau des Schulzentrums, die Kanalisation sowie den Bau von Sportstätten und Kitas. „Und das teilweise fast kostenneutral für uns, weil Gemeindedirektor Fred Münch neben Landesmitteln auch den Bund in die Pflicht nahm“, sagt Döring. Münchs Argumentation, die durch ein Gesetz gestützt wurde: Da durch die nahe Bundeshauptstadt Bonn Regierungsbeamte in Wachtberg wohnten, müsse sich der Bund an Infrastrukturkosten beteiligen.

Die Gesellschaft im Ländchen, die vorher sehr von Landwirtschaft, Handwerk, dem Steinbruch und der Tongrube geprägt war, änderte sich. „Es gab einen wachsenden Reichtum, nicht zuletzt durch die Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen in Bauland“, so der Verwaltungsfachmann im Ruhestand.

„Die ersten zehn Jahre waren sehr produktiv“, erzählt Döring. Trotzdem war nicht alles möglich. Die vom Rat beschlossene Leichtathletikanlage im großen Stil am Schulzentrum scheiterte an der fehlenden Akzeptanz in der Bevölkerung. Gut angekommen sei die anfängliche Rathausnebenstelle in Adendorf. Und dass man für die Errichtung einer Kita dort im alten Schulgebäude nicht erst auf die landesrechtliche Genehmigung gewartet habe, habe den Leuten gezeigt: „Die packen's an.“

Im Rathaus, das in den 70ern neugebaut wurde, wurde Döring nach Zwischenstationen 1999 erster direkt gewählter, hauptamtlicher Bürgermeister; als Kandidat der CDU, aber parteilos. „Das Einkaufszentrum durchzusetzen war hart, mir aber wichtig“, beschreibt er einen Meilenstein seiner Karriere. Mit der Sicherung der Grundversorgung in Wachtberg sei Kaufkraft gebunden, Umsatzsteuer erzielt worden. Wenn auch mit dem Wermutstropfen, dass für das Projekt viel Landschaft „verbraucht“ worden sei, wie er zugibt.

„Denn an sich sollten wir darauf achten, das Wachsen der Orte nicht auszureizen, sondern aus Respekt vor der Landschaft Maß zu halten bei der Bebauung.“ Die Wohnqualität nämlich sei immer ein Markenzeichen des Drachenfelser Ländchens gewesen. Ob mit oder ohne Weitsicht.