40 Jahre Ferienfreizeit Wachtberg: Als die Geister durchs Dorf zogen

40 Jahre Ferienfreizeit Wachtberg : Als die Geister durchs Dorf zogen

Die Ferienfreizeit der Gemeinde Wachtberg feiert 40. Geburtstag. Alles begann mit 80 Kindern, heute erleben 180 aufregende Abenteuer daheim.

Bei runden Geburtstagen ist es legitim, auf Geleistetes zurückzublicken. Oder auf Verzehrtes. Durchaus imposant ist nämlich die Menge an Hackfleisch, die in 40 Jahren Ferienfreizeit der Gemeinde Wachtberg verputzt wurde: 1190 Kilo. „Dazu kommt noch einmal fast die gleiche Menge an Spaghetti“, sagt Beate Luhmer, eine der Organisatorinnen aus dem Rathaus, mit einem Schmunzeln.

Winfried Ley war es, der die Erfolgsgeschichte 1980 startete. „Das Ansinnen war, Spaß zu bieten für Daheimgebliebene“, erinnert sich der frühere Leiter des Schul- und Kulturamts. 5919 Kinder haben seitdem von diesem Gedanken profitiert. Daneben wollte er, wenige Jahre nach der kommunalen Neugliederung, das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Ortsteilen stärken. „Ich hab alle Teilnehmer wild gemixt“, so der Niederbachemer.

Ein wesentlicher Unterschied zu heute, wo sich Luhmer und Kollegen größte Mühe geben, die Wünsche der Teilnehmer zu berücksichtigen. „Das macht mindestens einen Tag Arbeit“, so Luhmer. Das Konzept geht auf, mittlerweile kommen jährlich 180 Kinder in den ersten zwei Ferienwochen ins Schulzentrum Berkum.

Gestartet war man einst mit 80. „Damit sind wir aber auch an der Kapazitätsgrenze angelangt“, sagt Sabine Radermacher, Leiterin des Fachbereichs Jugend. Zum einen müssten mittags alle in der Aula essen, zum anderen müssten die Betreuer noch den Überblick behalten können.

Denn eine Besonderheit ist, dass sich um die sechs- bis 14-Jährigen fast ausschließlich Jugendliche kümmern. „Sie entwickeln das Programm selbst“, betont Ley, der von einem einzigartigen Modell in der Region spricht. Dafür werden die mindestens 16-Jährigen nach den Osterferien an zehn Abenden und bis zu zwei Wochenenden durch Jugendfachkraft Claudia Schmidt und Kreis-Jugendpfleger Jan Viell geschult.

„Dabei geht es um Rechtliches, aber auch um Fragen der Gruppendynamik oder um Konfliktsituationen“, sagt Radermacher. Kurzum alles, was es für einen reibungslosen Ablauf braucht. Ist Unterstützung vonnöten, greift das erwachsene Orga-Team ein. Viele Teilnehmer würden früher oder später selbst Betreuer, freut sich Luhmer. Gewissermaßen alle Stufen durchlaufen hat Markus Jentsch, der Schmidt auf Honorarbasis hilft.

„Er war als Kind dabei, dann Betreuer und nimmt sich jetzt sogar extra frei“, erzählt Luhmer. Auch wenn es für die jugendlichen Betreuer eine Entschädigung von 240 Euro gebe, werde es wegen vieler anderer Angebote schwieriger, Leute für diese Aufgabe zu finden. Die Nachfrage der Teilnehmer – trotz paralleler OGS-Betreuung – ist ungebrochen. „Am ersten Tag hatte ich um 10.30 Uhr bereits 130 Anmeldungen“, so Luhmer.

Was zieht, ist neben dem Konzept sicher auch der Preis. Der liegt zwar nicht mehr wie 1980 bei zehn Mark, ist aber für die Rundumversorgung von jeweils 9 bis 17 Uhr mit 170 Euro für viele erschwinglich. „Damals wurde es aus dem Haushalt finanziert, heute kalkulieren wir bis auf unseren Personalanteil und dank Kreiszuschuss kostendeckend“, erklärt Radermacher. Die jährliche Spende der Lions von 3000 Euro ermöglicht Ausflüge, diesmal unter anderem in den Neuwieder Zoo.

Zurück zum Essen. Anders als vor 40 Jahren muss es nicht mehr täglich bei der Bundeswehr in Rheinbach abgeholt werden, sondern wird vom Caterer geliefert. Aber Spaghetti Bolognese am ersten Tag gibt's immer noch.

Mehr von GA BONN