Spiel mit Geschlechterklischees: Theatergruppe Odendorf spielt "Wechselstrom"

Spiel mit Geschlechterklischees : Theatergruppe Odendorf spielt "Wechselstrom"

„Wechselstrom“ heißt das aktuelle Stück der Theatergruppe Odendorf, bei dem Geschlechterklischees und freche Sprüche für rund zwei Stunden gute Laune sorgen. Alle Vorstellungen sind schon ausverkauft.

Wenn Charlie Westermann seine Meinung über Frauen ausdrückt, dann kommt wenig Freundliches dabei heraus. „Wie öde wäre das Leben, wenn man sich nicht ab und zu mit einer Frau anlegen könnte, um sie in ihre Schranken zu weisen?“, ist eine seiner Weisheiten. Doch die rund 200 Zuschauer im Odendorfer Dorfsaal ahnen schnell: Diese Einstellung wird ihm noch einige Probleme bereiten – nicht nur mit Nachbarin Jana Herzig.

„Wechselstrom“ heißt das aktuelle Stück der Theatergruppe Odendorf (TGO), bei dem Geschlechterklischees und freche Sprüche für rund zwei Stunden gute Laune sorgen. Die Arbeit der Truppe ist – wie immer – rundum ausgefeilt. Das erwartet man von den Darstellern auch nicht anders, und so sind alle fünf Vorstellungen schon lange vor der Premiere ausverkauft.

Besonders komisch zeigen sich die Hauptdarsteller Peter Thomas als Charlie und Simone Braun als Jana. Von ihnen wird auch einiges verlangt, denn der Macho und seine eher zart besaitete Nachbarin tauschen nach einem Stromschlag die Körper. Ab dann wechseln Mimik, Stimme und Bewegung, perfekt abgestimmt zwischen beiden, mit jeder neuen Situation. Das Chaos auf der Bühne wird noch größer durch ein befreundetes Pärchen (Tobias Jansen und Hannah Jansen), eine überaus hartnäckige Liebschaft von Charlie (Sandra Schäfer), eine wütende Chefin (Sonja Kolbe) und einen übergriffigen Arbeitgeber (Carsten Hafner), vor dem ein gutmütiger Kollege (Markus Schmidt) vergeblich zu warnen versucht. Einige der lustigsten Szenen des Abends hat dabei die „Aufräum- und Bodenmasseurin“ Ludmilla. Nadja Zwanziger verdient sich mit ihrer trockenen Darstellung der misstrauischen Putzfrau zu Recht ihren üppigen Schlussapplaus.

Zum großen Ganzen gehört bei der TGO immer ein detailverliebtes Bühnenbild. In diesem Jahr stellt ein Möbelhaus aus Kall ausgefallene Stücke und betont maskuline Wandbilder zur Verfügung. Aber auch die eigenen Leute waren fleißig. Ralf Meis, Vorsitzender der TGO, baute beispielsweise einen Couchtisch aus einer Felge und einem Benzinkanister.

Der Erfolg der Gruppe lässt sich nicht nur an Applaus und Besucherzahlen messen. Die Einnahmen gehen immer an nachhaltige Projekte und Kinder- und Jugendarbeit, die sich bewerben können. In den vergangenen 26 Jahren seit ihrer Gründung hat die Laientruppe 68 000 Euro verteilt.

Nach den Erfahrungen der letzten Jahre dürften es nach dieser Saison mindestens 5000 Euro mehr werden.

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