Stadttheater in Rheinbach: Kabarettist Rainer Schmitt provoziert gerne

Stadttheater in Rheinbach : Kabarettist Rainer Schmitt provoziert gerne

Rainer Schmidt ist sich als Kabarettist selbst genug. Bei seinem Auftritt zugunsten der ökumenischen Hospizgruppe Rheinbach, Meckenheim, Swisttal am Samstag im Stadttheater erzählte der evangelische Pfarrer und Tischtennis-Weltmeister sein Leben als Mensch, der ohne Unterarme und Hände als "Totalschaden" geboren wurde.

"Handwerker wird der nicht", erkannte seine Oma, und fragte sich: "Wie soll der alleine essen?" Rainer Schmidt demonstrierte es bei seinem Auftritt.

Genauso zeigte er, wie er ein Hemd anzieht, mit Hilfe eines länglichen Waschlappens den Rücken schrubbt oder sich an einer Wand reibt, wenn der Rücken juckt. Dazu streut er Erlebnisse ein, wie ihm "Hilfsmenschen" am kalten Büfett ohne Rücksicht auf seinen Geschmack und Appetit den Teller vollpacken oder er zehn Jahre ohne Fahrkarte im ICE mitfuhr. Die Schaffner "übersahen" ihn bei der Kontrolle. Schmidt kokettiert mit seiner Behinderung.

Dem Publikum reibt er dessen Unsicherheit unter die Nase, indem er nachrechnet, dass für 380 Pointen 420 mal gelacht wurde. Am Ende predigt er Inklusion: Da jeder etwas nicht kann, sind auch alle behindert. Kein Mensch ist ohne Macken. Vielfalt und Verschiedenheit sind treffendere Kategorien als Behinderung und Beschränkung.

Das passt zur Arbeit der Hospizgruppe. 50 Ehrenamtliche und zwei Koordinatoren auf jeweils halben Stellen sorgen seit zwölf Jahren dafür, dass in ihrem Bereich niemand allein und ohne Trost sterben muss. Sie betreuen Patienten zu Hause oder in Heimen.

Die Einnahmen aus dem Benefiz-Kabarettabend werden nach Angaben des Vizevorsitzenden Kurt Surges für den hohen Qualitätsstandard und die Qualifikation der Betreuer ausgegeben. Allein 10 000 Euro stehen jährlich für Supervision bereit, an der jeder Aktive vier mal im Jahr teilnimmt. Alle zwei Wochen werden Fälle in Gruppen besprochen. "Einer hilft dem anderen", so das Prinzip.

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