Apfelsinen statt Äpfel in Meckenheimer?: Das bedeutet der Klimawandel für die Landwirtschaft

Apfelsinen statt Äpfel in Meckenheimer? : Das bedeutet der Klimawandel für die Landwirtschaft

Wird aus der Apfelstadt gar eine Apfelsinenstadt? Beim Stammtisch der Meckenheimer Christdemokraten diskutierte Josef Hovenjürgen, Landwirtschaftsexperte und Generalsekretär des CDU-Landesverbands, mit Bürgern und Landwirten über den Klimawandel und seine Folgen.

Die Frage des Abends lautete: „Statt Äpfel bald Apfelsinen?“ Doch auf Zuspitzungen wollte sich Josef Hovenjürgen, Landwirtschaftsexperte und Generalsekretär des CDU-Landesverbands, am Donnerstag in Meckenheim nicht einlassen. Katja Kröger, Vorsitzende der Meckenheimer Christdemokraten, leitete den Stammtisch der Partei im Café Landlust zum Thema „Was bedeutet die Klimaveränderung für die Meckenheimer Landwirtschaft?“ mit dem Hinweis auf die gute Apfelernte nach diesem heißen Sommer ein.

Klimawandel habe es immer gegeben, konstatierte Hovenjürgen. Nur sei der durch die Energiegewinnung weltweit beschleunigt. Die Frage, ob man durch die Erhaltung des Hambacher Forstes das Klima beeinflussen oder gar retten könne, beantwortete er angesichts des weltweit verschwindend geringen Anteils der deutschen Braunkohleverbrennung an der Erderwärmung aber mit einem klaren Nein. Besser sei es, zur Verminderung des Schadstoffausstoßes „weltweit deutsche Technik zur Verfügung zu stellen“.

Fairen Dialog gefordert

Auch die Bevorzugung der Biolandwirtschaft in den Medien ist dem gelernten Landwirt, der seit 1999 Politik macht, ein Dorn im Auge. Er habe Respekt vor den Biobauern, aber auch die konventionellen Bauern „arbeiten ökologisch einwandfrei“, unterstrich er. Diese hätten Respekt vor der Schöpfung. Doch fehle ihnen die Marktmacht und sie müssten angesichts des Drucks großer Supermarktketten als Abnehmer ihre Betriebe in der Pflanzen- und Tierhaltung „optimieren“.

Er forderte einen fairen Dialog und verwies auf die Verbraucher. Diese beteuerten bei Umfragen stets, mehr für ökologische Nahrungsmittel ausgeben zu wollen, griffen dann aber zu Billigangeboten. In der Diskussion wies Meckenheims Bürgermeister Bert Spilles auf den „Riesenerfolg der Grünen“ hin und fragte nach dessen Ursachen. Man dürfe Tierrechte nicht vernachlässigen, forderte Spilles. Hovenjürgen entgegnete, dass Züchter heute nur noch zehn bis 15 Euro Ertrag pro Mastschwein bekämen. Früher hätten große Betriebe 1000 Mastschweine gehabt, heute seien es 10.000 bis 20.000. Die Landwirte hätten keinen Urlaubsanspruch und müssten auch noch ihre Rente erwirtschaften.

Ein Obstbauer aus Meckenheim erinnerte an das Diskussionsthema des Abends: Obstanbau und Klimawandel. Er sei gespannt, ob die neue, CDU-geführte Landesregierung den Bauern die Bildung von Rücklagen für Dürrejahre erleichtern werde. Die Antwort: Wenn „Jahrhundertsommer“ alle 15 Jahre auftreten, müsse es möglich sein, sich durch Rücklagen abzusichern. Steuerbegünstigtes Ansparen sei besser als Dürrehilfe. Im derzeit beschleunigten Klimawandel empfahl Landwirtschaftsexperte Hovenjürgen die Züchtung wärmeresistenter Sorten. Er bekräftigte das Interesse, „möglichst viele Betriebe zu erhalten“. Ein Obstbauer forderte angesichts der niedrigen Preise für Äpfel: „Meine CDU soll was dagegen tun.“ Auch hier hatte der Politiker keine einfache Lösung: „Wenn wir exportieren wollen, müssen wir auch Importe zulassen“, sagte er. Die Entscheidung liege beim Verbraucher.

Mehr von GA BONN