Freie Fahrt am Freitagnachmittag: Umgehung Bad Neuenahr wird eröffnet

Freie Fahrt am Freitagnachmittag : Umgehung Bad Neuenahr wird eröffnet

47 Jahre nach dem Beginn des Planfeststellungsverfahrens erfolgt am Freitag, 12. Oktober, endlich die Verkehrsfreigabe der Umgehung Bad Neuenahr. Dies war ursprünglich für 2015 vorgesehen. Ein Blick in die Geschichte.

Am Freitagnachmittag ist es soweit. 47 Jahre nach dem Beginn des Planfeststellungsverfahrens sowie neun Jahre und 227 Tage nach dem ersten Spatenstich durch den damaligen Mainzer Verkehrsminister Hendrik Hering wird die Umgehung Bad Neuenahr im Zuge der B 266 eröffnet.

Dazu begrüßt Bernd Cornely, Leitender Baudirektor des federführenden Landesbetriebes Mobilität, um 14.30 Uhr aus dem Bundesverkehrsministerium den parlamentarischen Staatssekretär Steffen Birger, den Mainzer Verkehrsminister Volker Wissing, für den Kreis Landrat Jürgen Pföhler und für die Stadt Bürgermeister Guido Orthen.

Letzterer war noch nicht eingeschult, als sich der Rat der damals erst vier Jahre alten Gesamtstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler unter Vorsitz von Bürgermeister Rudolf Weltken zum ersten Mal mit dem Thema Umgehung befasste.

Der politische Wille war da. Auch unter den Bürgermeistern Edmund Flohe und Hans-Ulrich Tappe. Immer wieder hatte der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler die Umgehung in vielen Varianten mit Tunneln und Troglösungen auf der Tagesordnung. Doch es gab den unberechenbaren Faktor Grundstückseigentum.

Uneinsichtige Winzer

Denn es gab Winzer, die partout nicht einsehen wollten, dass ihre Wingerte einer Umgehung weichen sollten. Und auch eine kurzzeitig gesichtete Insektenart bescherte die Rote Karte für einen Baubeginn. Die löste sich scheinbar in Luft auf wie weiland die Fledermäuse, wegen denen die Umgehung Hönningen erst Jahre später gebaut werden konnte.

Baurecht für den Lückenschluss gab es im November 1999, und ein Jahr später machte der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler unter Bürgermeister Edmund Flohe, dessen Erster Beigeordneter damals Hans-Ulrich Tappe war, per Resolution Druck für einen baldigen Baubeginn.

Die Jahrtausendwende war dann die Zeit, als den vom Verkehr auf der Heerstraße gebeutelten Bad Neuenahrern endgültig der Kragen platzte. Allen voran Oskar Hauger, der damals schon den Status eines Originals hatte. Er fand viele Mitstreiter und gründete die Bürgerinitiative „Lückenschluss Heerstraße 2000 Meter“. Klinken haben Hauger und sein Team in der Stadt geputzt, bis zum Schänzchen Unterschriften gesammelt.

Hauger erinnert sich an ungezählte Aktionen: „Wir von der Bürgerinitiative haben viel unserer Freizeit für die gute Sache geopfert. Wir sind nach Bonn, später nach Berlin und immer wieder nach Mainz gefahren. Wir haben demonstriert, Gespräche mit Bürgern und immer wieder Politikern geführt.“

Verdrossene Gesichter

Und auch die Politik hatte keine Lust, bei jedem Termin in Bad Neuenahr in verdrossene Gesichter zu sehen. Wie mit einem Kompressor wurde immer mehr Druck aufgebaut. Dies vor allem durch den damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Wilhelm-Josef Sebastian aus Dernau. Er war Mitglied im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages. Und auch Landrat Joachim Weiler hatte auf die Tube gedrückt. Der Mann, der als künftiger Strukturminister für den ländlichen Raum in Mainz gehandelt wurde, starb zehn Jahre vor dem Baubeginn.

Als dann der erste Spatenstich vollzogen wurde, Bürgermeister war noch Hans-Ulrich Tappe und Landrat Jürgen Pföhler zum zweiten Mal gewählt worden, herrschte Optimismus auf der Baustelle. So verkündete ein Bauschild am Schwertstal „Fertigstellung 2015“.

Daraus wurde bekannterweise nichts. In den ersten Jahren wurde sparsam die Jahreszahl überklebt: 2016, 2017, um dann doch ein neues Schild mit 2018 aufzustellen.

Die Topographie hatte dem verantwortlichen Landesbetrieb Cochem-Koblenz ganz gewaltig in die Suppe gespuckt. So dauerte es mit den Stützmauern länger als geplant, und auch beteiligte Unternehmen, die in die Insolvenz gehen mussten, brachten den Zeitplan ganz gehörig durcheinander, ganz abgesehen davon, dass die Schwertstal-Brücke, die noch nie befahren wurde und schon im Zuge der Umgehung Heimersheim gebaut wurde, nach 30 Jahre ohne Verkehr saniert und wegen des Lärmschutzes statisch aufgepolstert werden musste.

Schnee von gestern für Bauleiter Bernd Cornely. Er freut sich auf die heutige Eröffnung und würde am liebsten schon am Montag mit der Umgehung Lohrsdorf beginnen. Doch das wird wohl auch eine fast unendliche Geschichte.

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