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Pilot-Projekt der RSAG: "e-Tonne" für Elektroschrott

Pilot-Projekt der RSAG : "e-Tonne" für Elektroschrott

Die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft startet ein Pilot-Projekt für mehr Nachhaltigkeit: Unter anderem Lockenstab, Föhn, Handy oder Akkuschrauber können nun in die "e-Tonne" gesteckt werden.

Nachhaltigkeit hat sich die Hochschule Bonn Rhein-Sieg auf die Fahne geschrieben, und um Nachhaltigkeit bemüht sich auch die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG). Dass mehr Rohstoffe gesichert werden und wieder in den Verwertungskreislauf gelangen, ist das Ziel eines Pilotprojektes, das in dieser Woche startete: Die RSAG hat die "e-Tonne" eingeführt.

Nun muss nicht gleich jeder RSAG-Kunde aufschreien, weil er nun noch eine Tonne mehr zu den bereits vorhandenen vier Mülltonnen stellen muss. Nein, die "e-Tonne" steht zunächst in vier Schulen und in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, auf dem Campus Rheinbach und dem in Sankt Augustin. Am Freitag stellte RSAG-Chefin Ludgera Decking mit Hochschul-Verwaltungsdirektor Reinhard Groth das Projekt vor.

Sie leuchtet hellgrün, hat ein Fassungsvermögen von 240 Litern und darf mit Elektrokleingeräten gefüllt werden. Ob Lockenstab, Föhn, Handy oder Akkuschrauber, ob Bügeleisen, Toaster oder Tablets: Das alles gehört in die neue "e-Tonne". "Und nicht in den Restmüll oder die Wertstofftonne", sagte Decking.

Als Versuchskaninchen haben sich neben der Hochschule auch die Europaschule in Bornheim, die Realschulen in Oberpleis und Much sowie die Gesamtschule Meiersheide in Hennef zur Verfügung gestellt. "Wir haben uns ganz bewusst die jungen Leute als Zielgruppe ausgesucht für das Projekt, um sie für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren", sagte RSAG-Sprecher Joachim Schölzel.

6,5 Kilogramm an ausgemusterten Elektrogeräten pro Einwohner und Jahr fallen bei der RSAG an. "Wir wollen diese Menge auf zehn Kilo erhöhen", gibt Decking das Ziel vor. Im Rhein-Sieg-Kreis fielen im Jahr 2013 rund 3880 Tonnen Elektroschrott an, darunter 330 Tonnen Kleingeräte, 845 Tonnen aus der Informationstechnologie, 1080 Tonnen Unterhaltungselektronikgeräte sowie 45 000 Stück Elektrogroßgeräte.

Bundesweit werden laut RSAG jedes Jahr 1,2 Millionen Elektrogeräte gekauft. Das sind 22 Kilogramm pro Einwohner. Geschätzt 100 Millionen ausgemusterte Mobiltelefone lagern neben vielen Altgeräten kaputt oder seit Jahren nicht mehr benutzt in den Haushalten. Da verstecke sich laut Decking viel Potenzial. Zudem gingen wertvolle Rohstoffe verloren, weil Geräte in die Restmülltone geschmissen werden. "Mit den rollbaren, neuen "e-Tonnen" soll ein weiterer wichtiger Beitrag geleistet werden, die Schätze aus dem Elektroschrott zu recyclen", so Decking.

Allein für die Herstellung eines Mobiltelefons werden rund 60 Materialien benötigt, darunter Kupfer, Gold, Lithium, Keramik und verschiedene Kunststoffe. "Der daraus resultierende Verbrauch von rund 1300 Liter Wasser entspricht etwa dem Trinkwasserverbrauch einer Person in zehn Tagen", so Schölzel.

Ein Jahr sollen die quietschgrünen Tonnen nun an den sechs Standorten stehen. Wenn sie voll sind, melden das die Schulen und die Hochschule an die RSAG, die die Tonne dann leert. "Danach sehen wir, wie das Angebot angenommen wird und ob es ein Dauerprojekt werden kann", so Decking. Jetzt schon zufrieden zeigte sich Hochschul-Verwaltungsdirektor Groth. "Nachhaltigkeit ist ein zentrales Leitmotiv der Hochschule."