Elektroflugtag mit 100 Piloten: So starten Modellflugzeuge vom Flugplatz Eudenbach

Elektroflugtag mit 100 Piloten : So starten Modellflugzeuge vom Flugplatz Eudenbach

Sie sind klein, aber in puncto Klimaschutz machen sie den Großen was vor. Mit leisem Surren drehten Modellflugzeuge mit Elektroantrieb ihre Runden über dem Siebengebirge. Rund 100 Bastler und Piloten der Modellfluggruppe Eudenbach trafen sich dort zum Flugtag.

Kein Regen, nur mäßiger Wind und sogar ab und zu ein Stückchen blauer Himmel – es herrschten optimale Flugbedingungen am Mittwoch über dem Siebengebirge. Kein Wunder, dass vom Eudenbacher Flugplatz aus ein Flieger nach dem anderen abhob. Zeitweise herrschte in luftiger Höhe ein Verkehr, wie sonst zur Rushhour auf der Autobahn: Neben pfeilschnellen Jets drehten Kunstflieger unbeirrt Loopings und Schrauben, dazwischen zogen dickbäuchige „Schaumwaffeln“ gemächlich ihre Runden.

Dass sich am Himmel über Eudenbach trotzdem alles in geregelten Bahnen bewegte, dafür sorgte ein fachkundiger Flugleiter. Zum Glück handelte es sich aber ohnehin nicht um echte Flugzeuge, sondern „nur“ um Modelle – aber auch die wollten ihre Besitzer beim traditionellen Elektroflugtag der Modellfluggruppe Eudenbach natürlich gerne wieder heil zum Boden zurückbringen.

In die Luft gehen durfte an diesem Tag alles, was von einem Elektromotor angetrieben wird. Für hochmoderne Turbinenjets oder Flieger mit Verbrennungsmotor zum Beispiel gab es keine Startgenehmigung. Trotz des regen Flugverkehrs war von störendem Fluglärm nichts zu vernehmen – die modernen Hightech-Maschinen erzeugen lediglich ein feines Summen.

Der Akku reicht für acht Flugminuten

Maximal acht Minuten lang können die Elektroflugzeuge in der Luft bleiben, dann heißt es „ab an die Steckdose“, um die Akkus wieder aufzuladen. Was wiederaufladbare Energiespeicher angeht, haben die Modellbauer sogar der Automobilindustrie etwas voraus: Sie arbeiten längst mit hochmodernen Lithium-Polymer-Akkus und können dadurch einen enormen Leistungsschub bei ihren Fliegern erreichen. Einziges Manko speziell auf dem Eudenbacher Modellfluggelände: Das Vereinsheim hat keinen eigenen Stromanschluss.

Eine gewisse Menge an Energie kann dank Solarzellen auf dem Dach produziert werden. Zum regelmäßigen Aufladen gleich mehrerer Flugzeuge reicht das aber nicht aus. Gut, dass der Verein daher über ein transportables Stromaggregat verfügt – so hatten auch am Elektroflugtag alle etwa 100 Piloten immer genügend „Saft“.

Nicht nur hinsichtlich der Technik ist die Modellfliegerei heute nicht mehr das, was sie mal war. Wurden die Miniaturflugzeuge früher noch nach detaillierten Bauplänen aus Hunderten von Einzelteilen eigenhändig zusammengetüftelt, braucht man heutzutage quasi nur noch den Karton auszupacken.

Bastler bauen 500 Teile zusammen

„Für die meisten liegt eben der Reiz im Fliegen“, sagt Horst Weißbach. Der Vorsitzende der Modellfluggruppe schätzt, dass nur noch zehn bis 20 Prozent der Modellflugpiloten „wirklich selber bauen können“. Bei dem Eudenbacher Verein gibt es sie aber noch, die Bastler, die ihren Flieger komplett eigenhändig zusammenleimen und -schrauben; Felix Diefenthal ist einer von ihnen.

Seinen laubfroschgrünen „BAE Hawk“ hat er aus etwa 500 winzigen Hölzchen, Leisten und Rädchen in Handarbeit zusammengesetzt. „Damit kann man gut und gerne einen ganzen Winter über beschäftigt sein“, erzählt der begeisterte Modellflugpilot.

Auch jetzt, nach dem Flugtag, wird ihn der Jet wieder einige Arbeitsstündchen kosten: „Bei unserem ersten Start ist eine Schraube des Impellers, des innenliegenden Propellers, weggeflogen“, berichtet Diefenthal. Anstatt noch einmal in der Luft Loopings und Schrauben zu drehen, hieß es für den Flieger erst mal „ab in den Hangar“.

Diefenthal nimmt's gelassen: „So was kann immer mal passieren.“ Zum Glück hat der gelernte Hubschraubermechaniker ja noch weitere Modelle „ready for take-off“, sodass dem Flugvergnügen nichts im Wege steht. Für Diefenthal liegt der Reiz der Modellfliegerei ohnehin in der Kombination aus Bauen und Fliegen: „Zum einen kann man sich unheimlich weit in die Welt der Technik vorarbeiten, zum anderen macht es einfach Spaß, gemeinsam mit den Vereinskameraden draußen an der frischen Luft zu sein.“

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