1. Region
  2. Siebengebirge
  3. Königswinter

Historische Ansichten: Bildband mit alten Postkarten aus dem Siebengebirge

Historische Ansichten : Bildband mit alten Postkarten aus dem Siebengebirge

Des Wettermanns zweite Leidenschaft: Der Meteorologe Karsten Brandt hat einen Bildband mit historischen Postkarten aus dem Siebengebirge veröffentlicht.

Wenn Karsten Brandt neben dem Wetter eine zweite große Leidenschaft hat, dann ist es das Siebengebirge. Seit seiner Kindheit, als er von Hoholz aus den besten Blick auf die Hügelkette hatte, begeistert ihn diese Landschaft, die er laufend, wandernd und häufig auch fotografierend erkundet. Von Beuel-Bechlinghoven, seinem jetzigen Wohnort und Sitz seiner Firma, hat er es nicht weit.

Und er lässt andere teilhaben an dem Gesehenen. „Geliebtes Siebengebirge“ hieß das erste Buch 2009, nun hat er bei der Königswinterer Edition Lempertz den Bildband „Wunderbares Siebengebirge“ in einer Auflage von 4000 Exemplaren herausgegeben. Bad Honnef, Königswinter, der Rhein, Orte mit schöner Aussicht rund um das Siebengebirge, aber auch Drachen, Geister und Riesen vom Rhein sind zu finden.

100 Postkarten aus 1200 ausgewählt

Dabei hält sich der Textanteil in überschaubaren Grenzen. Desto mehr gibt es bekannte, aber auch sehr seltene Ansichten – vor allem immer wieder bei den Postkarten. Man ist überrascht, wie sehr sich die Landschaft verändert hat. Viele Karten zeigen, dass der Waldanteil im Siebengebirge in früheren Zeiten weitaus geringer war. Und dass die Hänge am Rhein vor allem dem Weinanbau vorbehalten waren. Mehr als 100 Postkarten aus einer Sammlung von rund 1200 Stück hat Karsten Brandt für das Buch zusammengestellt.

„Wir mussten da knallhart auswählen“, sagt er. Der Autor, der von sich selbst sagt, er gehöre eigentlich nicht zur Sammlergeneration, hat die Karten seit Beginn der 90er Jahre nach und nach zusammengetragen. „Ich habe viel auf Flohmärkten erworben. Zum Beispiel in der Rheinaue. Früher auch bei der Kölner Ansichtskartenmesse“, berichtet er. Manche Postkarten, zum Beispiel von Pützchens Markt, wechselten da schon mal für bis zu 400 Euro den Besitzer. Postkarten aus der Zeit vor 1910 seien generell nicht unter 50 Euro zu haben.

Zentrale Rolle für den Drachenfels

Die Ansichtskarten vermitteln einen Eindruck von der früheren Pracht der Königswinterer Rheinpromenade. Eine Karte zeigt zum Beispiel den exklusiven Europäischen Hof um das Jahr 1910. Mehrfach taucht die Promenade mit den vielen Grand Hotels der damaligen Zeit auf.

Der Drachenfels und das Plateau nehmen natürlich eine zentrale Rolle ein. Eine Karte zeigt das Plateau mit Restaurant und Hotel im Jahr 1920. Beide Gebäude stehen nicht mehr, das heutige denkmalgeschützte Hotel wurde erst Ende der 30er Jahre erbaut. Auf einer anderen Karte bereitet sich der junge Siegfried auf den Kampf mit dem Drachen vor, der ihm am Berg bereits auflauert. Immer wieder sind auch die Esel zu sehen, die mit dem Drachenfels so eng verbunden sind wie die Siegfriedsage.

Auch die Ansicht vom alten Petersberg-Hotel um 1900, also vor dem Umbau in ein Kurhotel im Jahr 1914, ist selten. Das Gasthaus auf dem Oelberg ist auf der Karte um 1910 noch sehr klein. Das heutige Gasthaus wurde erst 1921 errichtet und 1940 erweitert. Eine seltene Luftaufnahme zeigt die Rosenau während der dunklen Nazijahre als Erholungsheim der Deutschen Arbeiterfront – frei stehend auf dem Bergrücken. Erholungsheim ist das Gebäude immer noch. Heute gesunden hier Gewerkschaftsmitglieder der IG Bergbau Chemie.

Motive aus Bad Honnef

Mehrere Karten zeigen auch Motive aus Bad Honnef. Wie zum Beispiel die Kur- und Heilanstalt Hohenhonnef auf einer Karte, die im Juni 1897 verschickt wurde. Auch der Blick in die umliegenden Städte und Gemeinden wird gewagt. So ist auf mehreren Karten die alte Rheinbrücke zwischen Bonn und Beuel ein Motiv. Sie stürzte in den letzten Tages des Zweiten Weltkriegs ein, nachdem Soldaten der Wehrmacht vergeblich versucht hatten, sie zu zerstören.

„Ich möchte bei den Lesern den Spaß wecken, selbst Sachen neu zu entdecken“, sagt Karsten Brandt. Da es immer weniger Sammler gebe, möchte er mit den Postkarten auch ein Kulturgut erhalten.

Das Buch von Karsten Brandt, „Wunderbares Siebengebirge. In Bild & Postkarten“, hat 120 Seiten und ist bei Edition Lempertz erschienen. Es kostet 16,99 Euro. ISBN 978-3-96058-208-3