Malen und Musik gelören zusammen: Fasziniert von den "Alten Meistern"

Malen und Musik gelören zusammen : Fasziniert von den "Alten Meistern"

Der Eudenbacher Hobbykünstler Wolfgang Hengstler kopiert Werke von Raffael bis Dürer.

Es sind die "Alten Meister", die es Wolfgang Hengstler besonders angetan haben - Maler wie Michelangelo, Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer oder Raffael. Dem Eudenbacher reicht es allerdings nicht, die Gemälde der berühmten Künstler nur in Museen anzuschauen.

Er kopiert sie auch - völlig legal, mit Pinsel und Farbe, und in einer beeindruckenden Qualität. Zwei seiner Arbeiten sind in der Eudenbacher Pfarrkirche zu bewundern: ein Madonnen-Bild, angelehnt an die "Stuppacher Madonna" von Matthias Grünewald, in das Hengstler heimische Motive wie das Kloster Heisterbach eingearbeitet hat, und ein weiteres Bild, das die Kreuzabnahme Christi zeigt.

Das "Original" von Diego Velázquez ist im Prado in Madrid ausgestellt. Hengstler hat die beiden Bilder der Gemeinde geschenkt, als er vor mehr als 20 Jahren in den Oberhau zog, "Als Zeichen dafür, dass wir nicht nur hier wohnen, sondern auch dazugehören möchten", sagt er.

Jetzt hat der Hobbykünstler auch eine handgearbeitete Kopie des "Rosenkranzfests" von Albrecht Dürer angefertigt - ein monumentales Bild im Format 140 mal 160 Zentimeter. Das im Oberhau entstandene Werk erntet nun viel Bewunderung in Nürnberg, der Heimatstadt Dürers - Hengstler hat das Bild der dortigen Caritas geschenkt. "Es freut mich sehr, dass durch Ihre Arbeit das berühmte Werk Dürers in seine Vaterstadt zurückkehrt", so Caritasdirektor Michael Schwarz.

Entdeckt hatte der Eudenbacher das Gemälde ursprünglich in einem Bildband. Er war so fasziniert davon, dass er eine Reise nach Prag unternahm, um sich das Original im dortigen Nationalmuseum anzuschauen. Um eine möglichst originalgetreue Kopie anfertigen zu können, stellte die Museumsleitung Hengstler auf Anfrage eigens eine Bilddatei zur Verfügung.

"Es wird unterschätzt, wie schwer es ist, eine hochwertige Kopie anzufertigen", sagt Hengstler. Die Maltechnik der "Alten Meister" werde heutzutage kaum noch gelehrt - und genau die ist es, die den Eudenbacher so fasziniert.

"Zum Beispiel ist die Untermalung mit Temperafarben ganz wichtig, das erst ergibt die Leuchtkraft." Fünf Monate hat er an der Kopie des "Rosenkranzfests" gearbeitet, vom fachkundigen Säubern und Grundieren der Hartfaserplatte über detaillierte Bleistiftvorzeichnungen bis hin zur Fertigstellung des Gemäldes mit Ölfarben.

Nach sechsmonatiger Trockenzeit wurde dann noch die sogenannte Schlussfirnis auf das Werk aufgetragen. Beigebracht hat sich Hengstler die Maltechnik aus der Renaissance weitestgehend selbst, in dem er Fachliteratur verschlang und in Museen die Originalgemälde eingehend studierte. "Ich sehe die Bilder mit ganz anderen Augen als normale Besucher", sagt er. Die, die ihm besonders gut gefallen, kopiert er.

Die Ergebnisse finden durchaus Beachtung. So hängen zwei seiner Werke, Kopien russischer Meister, im russischen Konsulat, ein anderes - eine Favretto-Kopie - in Venedig. Die meisten seiner Werke jedoch zieren die Wände seines Hauses in Eudenbach. "Unser Haus ist ein einziges Museum", sagt Ehefrau Anneliese schmunzelnd. Verkaufen mochte Hengstler seine Gemälde noch nie, auch wenn er leicht Abnehmer gefunden hätte: "Aber dann hätte ich ja mein Haus ohne Bilder gehabt."

Unvorstellbar für den Kunstliebhaber, der nicht nur große Meister kopiert, sondern auch alles andere malt, was ihm gefällt. Wenn er in seinem kleinen Atelier im Keller verschwindet, erklingt dazu meist leise Musik: "Malen und Musik, das inspiriert und beruhigt mich zugleich", erzählt er.

Als Ruheständler findet er auch endlich genügend Zeit für sein Hobby.