Informationsveranstaltung in Niederdollendorf: Bebauung am Sumpfweg wäre ein großer Fehler

Informationsveranstaltung in Niederdollendorf : Bebauung am Sumpfweg wäre ein großer Fehler

Bürgerinitiative stemmt sich gegen die Pläne für das Gelände am Sumpfweg in Niederdollendorf. Rund 200 Besucher kamen zur Infoveranstaltung, an der auch Experten in Sachen Hochwasserschutz teilnahmen.

„Die Bebauung ist um jeden Preis zu vermeiden“, sagte der Kölner „Hochwasserpapst“. Deutliche Worte gegen das Bauvorhaben „Rheinpark“ in der Königswinterer Rheinaue fanden nicht nur die rund 200 Besucher der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Rheinaue, sondern auch die drei Fachleute in Sachen Hochwasserschutz: Reinhard Vogt, der ehemalige Leiter der Hochwasserschutzzentrale Köln, auch als „Hochwasserpapst“ bekannt, Anne Schulte-Wülwer-Leidig, die Geschäftsführerin der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins, und Alfons Henrichfreise, ehemaliger Mitarbeiter des Bundesamtes für Naturschutz.

Dreieinhalb Stunden referierten und diskutierten die Teilnehmer im Saal „Rheinblick“ des Arbeitnehmerzentrums, vor dessen Tür das Bauprojekt im Sommer dieses Jahres starten soll. „Wir sind vom Berg heruntergekommen, weil wir die Menschen hier unterstützen und das Gebiet am Sumpfweg mit erhalten wollen als Rheinaue“, sagte ein Versammlungsteilnehmer aus dem Bergbereich der Stadt.

Im Saal war der Missmut über die Verwaltung nicht zu überhören. „Die Verwaltung fühlt sich allem verpflichtet, nur nicht dem Bürger“, gab es geharnischte Kritik. Ja, selbst den Verdacht auf Korruption äußerten mehrere Bürger in ihrer Wut. Und: „Man sollte alle in die Wüste schicken – oder ins Hochwasser.“

Die Vorsitzende der Bürgerinitiative, Ulrike Loida, hatte einführend aus einer Broschüre des Bundesumweltministeriums mit dem Titel „Den Flüssen mehr Raum geben“ zitiert: „Auen übernehmen eine bemerkenswerte Vielfalt wichtiger Funktionen für die Gesellschaft. Die Rückgewinnung von Überschwemmungsflächen ist eines der wichtigsten Ziele bei der Auenrenaturierung.“ Loida betonte, diese Erkenntnis nehme erfreulicherweise zu und auch das Handeln. „Man erkennt, dass Auen Zentren der Biodiversität, dass sie Grundlage für den vorsorgenden Hochwasserschutz sind und Anziehungspunkte für Naturerleben und Naherholung.“

Bezirksregierung gab grünes Licht

Ursula Brungs, die ebenso wie Jörg Pauly, Gerhard Duda und Matilda Jordanova-Duda zum Kern der Bürgerinitiative gehört, stellte das geplante Bauprojekt am Sumpfweg vor. Auf rund 31.000 Quadratmetern Fläche sollen laut Initiative rund 156 Wohnungen entstehen, auf 26 Mehrfamilien-, Reihen- und Doppelhäuser verteilt. Unter ihnen: sieben Tiefgaragen mit 13.000 Quadratmetern Fläche.

Das Baugebiet liegt ausnahmslos im Überschwemmungsgebiet des Rheins. Dennoch habe die Bezirksregierung nach Angaben der Stadt grünes Licht für das Vorhaben in Aussicht gestellt – maßgeblich sei die vorgesehene Flutbarkeit der Tiefgaragen, die damit rechnerisch einen Retentionsraum bilden würden.

Reinhard Vogt betonte: „In einer Aue ein Baugebiet zu machen, ist ein großer Fehler.“ Bei dem Begriff „Tiefgarage“ bekäme er direkt einen großen Schreck. Königswinter sei Mitglied der Hochwassernotgemeinschaft Rhein und habe sich somit verpflichtet, rheinnahes Gelände nicht weiter zu bebauen. Vogt: „Ich glaube nicht an das Zwei-Grad-Ziel. Das werden wir nie erreichen, deshalb werden wir mehr Hochwasser haben.“

Ergo müsse mehr Raum für den Fluss bleiben. Aus einem gesetzlichen Überschwemmungsgebiet dürfe nicht ein Eimer Sand rausgenommen werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt gegen eine Bestimmung verstößt!“ Er könne die Bezirksregierung kaum verstehen, dass sie das genehmigen will. Schon der Name Sumpfweg hätte reichen müssen, dass hier kein Baugebiet hinkommt.

Chemische Belastung ist ein Thema

„Auen sind Auen, da kommen riesige Hochwasser“, sagte Alfons Henrichfreise. Diese Bauplanungen würden alle seine Erwartungen übertreffen. „Das finde ich gar nicht lustig.“ Auch die chemische Belastung sei ein Thema. Anne Schulte-Wülwer-Leidig betonte, es dürfe nicht sein, dass das Hochwasserproblem immer weiter stromabwärts verlagert wird. „Wir haben längst nicht genügend Hochwasserrückhalteräume.“ Heute könne niemand mehr sagen, es nicht gewusst zu haben, und dort bauen.

Vogt sagte: „Man kann das Ganze noch heilen – den Bebauungsplan zurückholen und Entschädigungen rechtlich prüfen lassen.“ In dieser Beziehung sah er auch Möglichkeiten, Gelder vom Land für diesen Zweck zu erhalten. Und er meinte: „Versuchen Sie, Ihre Ratsmitglieder zu bewegen, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, die Sache zu retten. Diese Bebauung muss um jeden Preis vermieden werden.“ Auch Alfons Henrichfreise betonte: „Wir haben die Pflicht, dieses Land zu schützen!“ Der Investor BPD sei ein Unternehmen der Rabobank, die setze in ihrem Strategiepapier auf Umweltschutz. „Aber hier lässt sie bauen!“

Die Bürger fragten, was sie tun können. Die Ideen: Demonstrationen, Klagen, Schreiben an die Politiker. Jörg Pauly: „Wir werden diese Veranstaltung aufarbeiten und zügig informieren. Die nächsten Schritte wollen wohl bedacht sein. Niemand will wirklich Krawall machen.“

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