Projekt der Alanus-Hochschule in Alfter: Studenten entwickeln Ideen für Bad Honnef

Projekt der Alanus-Hochschule in Alfter : Studenten entwickeln Ideen für Bad Honnef

Architekturstudenten der Alanus-Hochschule forschen in der Stadt für ihre Semesterarbeiten und erarbeiten Entwürfe für die Gestaltung. Im Mittelpunkt steht unter anderem die Insel Grafenwerth.

Es war ein ungewohntes Bild. Nicht die Vertreter der Politik, sondern 62 Studenten des Fachbereichs Architektur der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft Alfter hatten am großen Ratstisch Platz genommen. An architektonisch überaus interessantem Ort, wie Bad Honnefs Geschäftsbereichsleiter Städtebau Fabiano Pinto ebenda wissen ließ – schließlich wurde das 1983 eingeweihte Rathaus, im Volksmund „Weißer Riese“ genannt, von Professor Joachim Schürmann geplant.

Von Auszeichnungen, wie dieser sie bekommen hat, sind die Studenten freilich noch entfernt. Auf dem Weg zu ihrem Abschluss und vielleicht zu höheren Weihen dient ihnen im laufenden Semester jedenfalls die Stadt Bad Honnef als perfektes Studienobjekt.

Genauer gesagt: Das trifft auf das im Januar verabschiedete „Integrierte Handlungskonzept (InHK) Stadterneuerung Innenstadt, Rheinufer, Rhöndorf“ zu, in das Pinto am Dienstag im Ratssaal einführte. Zustande gekommen ist die Kooperation auf Initiative der Hochschule, für die Professor Benedikt Stahl, Dekan des Fachbereichs Architektur, Professor Swen Geiss und Miriam Hamel die Studenten begleiteten. Die beschäftigen sich nun während des gesamten Semesters mit verschiedenen Standorten im Stadtgebiet.

Unterstützung keine Selbstverständlichkeit

Das Integrierte Handlungskonzept sei perfekte Voraussetzung und roter Faden, so dass sich alle Jahrgänge auf eine Kommune konzentrieren könnten, so Stahl und Geiss. Der Stadtverwaltung dankte Stahl für die große Unterstützung des Projektes. Die sei keine Selbstverständlichkeit, nicht immer und überall würden Pläne und Informationen so offen zugänglich gemacht wie in Bad Honnef. Stahl: „Wir sind wirklich positiv überrascht, wie willkommen wir hier sind.“

Konkrete Umsetzung ist naturgemäß nicht das Ziel des Projektes, bei dem die Studenten sowohl öffentliche wie auch private Areale unter die planerische Lupe nehmen und dafür hypothetische Hochbauentwürfe erstellen. Gleichwohl ist die Kreativität der jungen Leute auch für die Stadt ein Gewinn, so Pinto: Die Entwürfe könnten generell „neue Ideen und Bilder“ vermitteln – eine Art kreativer Input also des planerischen Nachwuchses für einen Bereich, für den auch schon ein städtebaulicher Wettbewerb veranlasst sei.

Pinto, selbst von Haus aus Architekt: „Wir alle sind so gestartet wie Sie. Aber in der Verwaltung ist man so etwas wie ein gefallener Engel. Warum also geht man in eine Verwaltung? Weil man sehen will, wie aus der Idee Wirklichkeit wird.“ Die Stadt freue sich auf die Ergebnisse der Studenten. Pinto: „Wir möchten hören und sehen, was Sie sich überlegt haben, und den Input geben, der Sie weiterbringt, ihre Ideen spiegeln mit der Realität.“ Denn für die Studenten steht jetzt im Vordergrund: die Idee. Beteiligt sind alle drei Bachelor-Jahrgänge des Fachbereichs Architektur sowie Studenten des Master-Studiengangs.

Das Projekt hatte am Morgen mit einem ausgedehnten Rundgang begonnen. Dabei im Fokus: Die Insel Grafenwerth mit dem Inselcafé – fast so etwas wie „ein Traumthema“, so Stahl: „Wer würde nicht gerne mal eine Insel überplanen.“

Verbindung aus Rhein und Stadt

Wichtig auch, so Stahl: Die heute nicht bestehende Verbindung aus Rhein und Stadt. Eine zweite Gruppe nimmt im Modul „Architektur und Stadtraum“ die Stadt als Ganzes in Augenschein. Gruppe drei schließlich beschäftigt sich mit dem mittlerweile freigeräumten Privat-Areal der ehemaligen Drachenquelle. Hier gebe es einen gültigen Bebauungsplan, so Pinto; das Projekt ruhe zurzeit.

Dass sie dem Wunsch ihrer Professoren, mit „offenen Augen durch die Stadt zu gehen“, gefolgt waren, zeigten die abschließenden Fragen der Studenten. Wie verhält es sich mit dem Parkplatz an der Sparkasse? Wie groß ist der Wohnraumbedarf? Und was geschieht mit der Post? All das wollten die Studenten wissen.

Am Beispiel Post machte Pinto deutlich, dass Planung und Städtebau eben oft mit großen Zeitläufen verbunden seien. Denn nachdem die Post die Option zur Mietverlängerung gezogen habe, sei das Areal „ruckzuck wieder fünf Jahre aus der Entwicklung ausgeparkt“. Was den Bedarf an Wohnraum angehe, sagte Pinto: „Wir arbeiten für die Menschen, die hier noch keine Stimme haben, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden. Für die Stadt ist Wohnungsmix essentiell.“

Ergebnisse des bis Juni laufenden Projektes sollen im Herbst vorliegen. Bis Sommer werden die angehenden Architekten also noch öfter in Bad Honnef unterwegs sein.

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