Baumfällungen im Siebengebirge: Naturschützer fordern Stopp des Kahlschlages

Baumfällungen im Siebengebirge : Naturschützer fordern Stopp des Kahlschlages

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz kritisiert die Baumfällungen im Siebengebirge und pocht auf eine Prüfung nach FFH-Richtlinien. Sie fordern: Der Wetterschutz für die nächste Baumgeneration muss bleiben.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rhein-Sieg-Kreis kritisiert die Baumfällungen im Siebengebirge und fordert wörtlich „einen Stopp des weiteren Kahlschlags in den Fauna-Flora-Habitat-Gebieten“. Wie berichtet, sind durch den zweiten Trockensommer in Folge alleine im Bad Honnefer Stadtwald zwei Drittel der alten Fichtenbestände vom Borkenkäfer befallen, bis zu 20.000 Bäume werden gefällt. Unter anderem im Schmelztal sind bereits großflächig Bäume gefallen.

Massive Schäden in der Bodenstruktur

BUND-Sprecher Achim Baumgartner fordert „die Umsetzung der gebotenen FFH-Prüfpflicht und die Umsetzung tragfähiger Lösungsstrategien für den Aufbau eines nachhaltigen Dauerwaldes aus heimischen Laubbäumen“. Baumgartner: „Wer jetzt großflächigen Kahlschlag betreibt, wiederholt die Fehler der Vergangenheit noch einmal. Der Einschlag und das Räumen des Holzes führen zu massiven Schäden in der Bodenstruktur, entziehen dem Wald einen enormen Holzvorrat und erschwert die Entwicklung eines Waldes aus der Naturverjüngung heraus.“

Kahlschlagflächen seien heiß, trocken und bei Frost besonders kalt – das seien widrige Bedingungen für etwa kleine Rotbuchenkeimlinge, die eigentlich im Schutz von älteren Bäumen heranwachsen würden. Die Rotbuche sei zugleich eine zentrale Zielart in den Wald-FFH-Gebieten des Kreises.

Bayerischer Wald setzt nachahmenswerte Maßstäbe

Ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich sei es vielmehr, tote Fichten als „Schutz einer Naturverjüngung großflächig zu erhalten und diese schützende Kulisse zur helfenden Basis eines naturnahen, klimastabilen Waldes zu machen“. Im Nationalpark „Bayerischer Wald“ habe genau das fachlich nachahmenswerte Maßstäbe gesetzt. Tote Bäume mit schweren Maschinen zu räumen, die Bodenstruktur zu zerstören, jedweden Wetterschutz für die nächste Baumgeneration zu beseitigen und dadurch eine spätere, teure Aufforstung zu erzwingen, sei nicht zeitgemäß und auch wirtschaftlich unsinnig.

Baumgartner fordert, die Fragen der weiteren Bewirtschaftung in fachlich versierten, naturwissenschaftlich kundigen Gremien zu erörtern und die erforderliche FFH-Prüfung durchzuführen. Das habe auch der Europäische Gerichtshof 2006 in einem Urteil festgestellt. Juristisch gegangen sei es dabei um die Frage, ob die aktuellen Eingriffe ein „Projekt“ darstellten und damit die Pflicht zur FFH-Prüfung ausgelöst werde. Aus dem Urteil folge, dass landwirtschaftliche, fischereiliche oder eben forstwirtschaftliche Nutzung auch dann unter den Projektbegriff fallen könne, wenn sie der guten fachlichen Praxis entspreche.

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