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Jugendcamp des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge: Die erste Schafschur ihres Lebens

Jugendcamp des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge : Die erste Schafschur ihres Lebens

Im Jugendcam des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge erforschten Kinder und Jugendliche die Natur auf viele Arten. Unter anderem konnten die Kinder die erste Schafschur ihres Lebens miterleben.

Sägewerkbesitzer Heiner Holz (Lukas) ist außer sich. „Können Sie das fassen?“, fährt er Moderatorin Anne Will (Julie) barsch an, die eine Reihe regionaler Experten in ihre Talkshow zum Reizthema „Wildnisgebiet im Siebengebirge“ eingeladen hat.

„Was will die eigentlich?“ Der Redebeitrag von Försterin Fichtenholz (Susanna), die sich eindeutig für das Wildnisgebiet ausgesprochen hat, stößt dem Holzfabrikanten – gelinde gesagt – sauer auf. „Dann kann ich auch gleich meine Firma hinschmeißen!“, poltert er und stürmt schnaubend von der Bühne.

„Halt!“, ruft das Reh (Merle) als Vertreter der Tierwelt. „Ich möchte auch noch was sagen, ich wohne schließlich im Wald.“ Dem Appell des Tieres, mehr Rücksicht auf die Mitlebewesen zu nehmen, kann sich auch der Baum (Edda), der bislang gemütlich in der Ecke döste, als Gesandter der Flora anschließen: „Ich als Baum“, sagt er und schüttelt erhaben sein Geäst, „muss dem Reh ausnahmsweise zustimmen, obwohl es mich dauernd anknabbert.“

Viele kleine Höhepunkte

Es waren die vielen kleinen Höhepunkte, die beim Jugendcamp des Vereins zur Verschönerung des Siebengebirges (VVS) begeisterten. Zum fünften Mal hatte der Verein Schüler der Klassenstufen sechs bis zehn zum Erlebnis-Seminar eingeladen. Auf drei Tage verteilt, lernten die angehenden Naturkundler in vier Modulen allerlei Wissenswertes über die Naturgebiete im Siebengebirge und ihre Tier- und Pflanzenwelt.

Das humorvoll-informative Theaterstück, in dem die Gruppe um Revierförster Marc Redemann bei der abschließenden Ergebnispräsentation in der Jugendherberge ihre Einsichten zum Verhältnis von Mensch und Natur auf die Bühne brachte, war eine besonders charmante Perle. Denn die gesamte Truppe, darunter vor allem die neun Nachwuchsschauspieler, hatten sich sichtlich Mühe gegeben, für das elterliche Publikum etwas Kreatives zu zaubern.

„Natur zum Anfassen“

„Natur zum Anfassen“ lautete das Motto des Camps. „Das Draußensein in der Natur bietet einfach eine völlig andere Erlebnisqualität als das Lernen aus dem Biobuch oder das Nachlesen im Internet“, so Organisator Hans-Joachim Gardyan. Und die 59 Jugendlichen, die diesmal durchs Siebengebirge zogen, hatten wieder die Qual der Wahl: Sie konnten mit Förster Redemann auf den Spuren der Wildkatze, Ausschau halten nach Baumriesen, Hirschkäfern und anderen kleinen Höhlenbewohnern.

Oder zusammen mit dem Biologen Daniel Geller in Steinbrüchen, auf Waldlichtungen und in schattigen Weihern nach Eidechsen, Molchen, Feuersalamandern und sogar Ringelnattern suchen. Experte Gerhard Laukötter bot an, mit ihm die Wasserqualität des Möschbachs zu bestimmen. Und VVS-Mitglied Reiner Rechmann und Biologe Jens Trasberger leiteten eine historische Spurensuche rund um Burgruinen und Ofenkaulen.

Und schließlich packten alle auch selbst an. Auf Streuobstwiesen stellten sie bei der Baumpflege ihren grünen Daumen unter Beweis, setzten neue Pflöcke für junge Apfelbäume, übten sich in der Mahd und erspähten Insekten und essbare Kräuter. Und wer schon immer mal ein flauschiges Wollknäuel streicheln wollte, auf den wartete eine Schafherde der Biologischen Station.

Die erste Schafschur ihres Lebens

In der prallen Nachmittagssonne ein Schaf scheren? Das war schweißtreibender als gedacht, aber – trotz anfänglicher Berührungsängste der Kinder und Jugendlichen im Umgang mit dem Scherapparat – ein einzigartiges Erlebnis. Nicht ohne Grund wurden die Eltern am Sonntagmittag mit leuchtenden Augen empfangen. Und nicht wenige kündigten an: „Nächstes Jahr mache ich wieder mit.“