Alternative Route kostet Geld: Ärger um Linienführung durch Selhof

Alternative Route kostet Geld : Ärger um Linienführung durch Selhof

Die Busse der Linie 566 wie früher durch den Ortsteil Selhof zu schicken, damit ist es offenkundig nicht getan. Die Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) hatte die Linienführung im vergangenen Jahr stillschweigend geändert, sodass der Ortskern von Selhof derzeit komplett abgehängt ist.

Nach zahlreichen Gesprächen mit der RSVG muss nun die Bad Honnefer Politik sagen, wohin die (Bus-)Reise geht. Denn klar ist: Will man, dass die Linienführung zugunsten der Selhofer wieder geändert wird, dann kostet das eben auch Geld.

Die RSVG hatte im Oktober die Linienführung der 566, die zwischen Rhöndorf im Norden und dem Drieschweg im Süden verkehrt, geändert und Selhof-Mitte quasi abgeschnitten. Notwendig geworden war die andere Strecke der Linienbusse ursprünglich durch den Kanalbau in der Schulstraße. Doch auch, nachdem dieser abgeschlossen war, blieb es beim gekappten ÖPNV für Selhof.

Die Haltestellen Brückenstraße, Kapelle Selhof und Schulstraße entfielen, wurden an der Kirche Selhof zusammengelegt. Die Bürger liefen Sturm. VdK-Vorsitzende Lieselotte Zastrow, die nun auch der neu gewählten Seniorenvertretung angehört, sammelte mehr als 700 Unterschriften, die sie an Bürgermeister Otto Neuhoff übergab.

Dessen Team war unterdes schon in Verhandlungen mit der RSVG eingetreten, die für ihren Schritt vor allem die engen – und oft zugeparkten – Straßen in Selhof ins Feld führte: Alles sei zu eng für Busse, zumal dann, wenn parkende Autos den Fahrern das Rangieren schwer machten. Der Fachausschuss beauftragte sodann die Verwaltung, weitere Gespräche mit den Behörden zu führen.

Ziel sollte es sein, die Anbindung an den ÖPNV wieder zu verbessern beziehungsweise überhaupt wieder herzustellen. Wie die Verwaltung der Politik nun mitteilt, haben zwischenzeitlich zwei Ortstermine stattgefunden, an denen neben den Behördenvertretern auch die Initiatoren der Unterschriftensammlung teilnahmen.

Verkehrsgutachter soll Konzept erstellen

Am zweiten Termin nahm zudem auch Verkehrsgutachter Rainer Geuenich teil, der im Nachgang von Stadt und RSVG beauftragt wurde, ein Konzept für die Buslinie 566 zu erstellen. Das Konzept liegt mittlerweile vor. Und es sagt im Kern zweierlei. Erstens: Selhof ist von seinen Straßenquerschnitten her nicht geeignet für den Busverkehr, schon gar nicht, wenn sich dort Fahrzeuge begegnen. Und zweitens: Wenn überhaupt die Buslinie wieder durch Selhof fahren soll, dann geht dies nur, wenn einiges an Umbauten umgesetzt wird. Kostenpunkt, so die Stadt in ihrer Vorlage zum Ausschuss: 58.000 Euro.

Der Gutachter erarbeitete eine in Teilen alternative Linienführung mit den Haltestellen Alter Friedhof, Selhof Kirche, Brunnenstraße, Martinskapelle, Sparkasse und Feilweg. Laut RSVG scheint diese innerhalb der Taktzeiten möglich. Jedoch, so das Gutachten: „Um eine verkehrssichere Befahrbarkeit dieses Linienweges mit Linienbussen gewährleisten zu können, sind im Vorfeld einige verkehrstechnische Maßnahmen erforderlich.“ Unter anderem sei an der Ecke von Selhofer Straße und Schulstraße eine so genannte Engstellensignalisierung nötig, so Geuenich; das Signal werde nur im Bedarfsfall durch den ankommenden Bus ausgelöst.

Die Bushaltestelle Schulstraße solle entfallen, werde allerdings durch die Haltestelle an der Kapelle ersetzt, an der teilweise Einbahnverkehr eingerichtet werden solle. Die Verkehrsinsel an der Brunnenstraße solle entfernt werden, damit die Busse „möglichst reibungslos“ von der Karl-Simrock-Straße in die Brunnenstraße fahren könnten. Alternativ wäre dies nur möglich, wenn die Fahrbahn gegenüber der „Insel“ erweitert würde, ein weit höherer Aufwand. An anderen Stellen muss der Kurvenradius vergrößert werden oder wiederum das Halte- und Parkverbot so ausgeweitet werden, dass die Busse genug Platz haben.

Für die Kucksteinstraße empfiehlt der Gutachter, die zurzeit wegen der Umleitung eingerichtete Einbahnstraße dauerhaft beizubehalten. Alternativ müsste ein Halteverbot auf der gesamten Länge eingerichtet werden. Die Verwaltung empfiehlt, die Vorschläge des Gutachters umzusetzen. Während einer Probephase von sechs Monaten soll statt einer festen Signalanlage ein mobiles Exemplar aufgebaut werden.

Verkehrsausschuss, Dienstag, 9. April, 18 Uhr, Rathaus.

Mehr von GA BONN