Festival in der Tapetenfabrik: Pop-Reise in die 80er Jahre

Festival in der Tapetenfabrik : Pop-Reise in die 80er Jahre

Zurück ins Jahr 1985: Damals taten sich namhafte Musiker rund um Bob Geldof zusammen, um ein großes Benefiz-Konzert anlässlich der Hungersnot in Afrika auszurichten. Das "Live-Aid-Konzert" ist legendär. Das Konzert, das die Popfarm am Samstagabend und Sonntagnachmittag in der Tapetenfabrik unter dem Titel "Pop-Aid" organisierte, war nicht annähernd so groß, und auch der gute Zweck fehlte. Aber die mehr als 100 Zuhörer am Abend wurden bestens unterhalten.

Besonders als die Musikdozenten in schrillen 80er-Jahre-Outfits die Bühne in Beschlag nahmen und Songs überwiegend von "Live-Aid" zum Besten gaben.

Vorher spielten drei Schülerbands: die "Five o'clock-Band", die "Radioactives" und die "Six-o'clock-Band". Pauline, 15-jährige Sängerin der letztgenannten Gruppe, erklärte den Namen: "Wir treffen uns jeden Freitag um 6 Uhr zum Üben, und jede zweite Woche ist der Bandcoach Thomas Hoedke mit dabei."

In der Popfarm, auf dem Gelände der Tapetenfabrik untergebracht, werden Jugendliche nicht nur an einem Instrument geschult, sondern lernen in einem Ensemble. "Banding" nennt sich das. Das sei ein Unterschied zu vielen anderen Musikschulen, sagte Leiterin Anke Beuth, die als Tracy Chapman "Talking 'bout a Revolution" sang. Ein weiterer Unterschied ist das jährlich wechselnde Oberthema. "Die Schüler sollen alle Musikrichtungen kennenlernen." Das schließe auch Techno und Rap mit ein, allerdings nicht klassische Musik. "Auf diese Weise sollen die Schüler nach und nach einen eigenen Stil entwickeln. Einige Schüler wollen das ja beruflich machen. Da muss man vielseitig sein."

Die Offenheit in der Farm sei das beste, fand Pauline. "Man wird nicht ausgegrenzt." Für Beuths Tochter Julia stand der Spaß am Musizieren und Auftreten im Vordergrund. Sie singt ebenfalls in der Sechs-Uhr-Band und hat mit ihrer Band "Drei von euch" beim diesjährigen "Xpress Yourself"-Songwriter-Wettbewerb gewonnen. Auch das ist ein wichtiger Aspekt der Popfarm: Coversongs wie beim Festival sollen eher die Ausnahme sein, stattdessen werden die Schüler angehalten, eigene Songs zu schreiben.

Die vier Jungs der Beueler Band "Heldenviertel" standen am Samstag nicht auf dem Programm, sprangen aber spontan ein, als zwischen Schüler- und Lehrerkonzert eine größere Lücke entstand. Am Sonntag ging es nachmittags weiter mit den Schülern. Alle durften einmal auftreten und ihren Angehörigen zeigen, was sie können. Auch hier standen die 80er Jahre im Vordergrund.

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