Traditionslokal: Stammgäste waren wichtiger als der US-Präsident

Traditionslokal : Stammgäste waren wichtiger als der US-Präsident

Das Buch „Lommerzheim… die Legende lebt“ erinnert an eine kölsche Kultkneipe und ihren Wirt. In Köln ist der 2005 verstorbene Hans Lommerzheim bis heute ein bekanntes Original.

Ohne den „kölschen Müsstizismus“, frei nach Kabarettist Jürgen Becker („Dat müsst isch eigentlich machen“), hätte es dieses Buch wohl nie gegeben. Aber weil diese entspannte Geisteshaltung eine zutiefst rheinische ist, „haben wir seit fünf Jahren im Lommerzheim davon geredet: müsste man mal drüber schreiben.“ Als Norbert Werker, einer der beiden Herausgeber, das gestern Vormittag im Brauhaus Päffgen in der Friesenstraße erzählt, ist die Bude rappelvoll. Denn jetzt gibt es das Buch dann doch, erschienen im Bonner Pellens Verlag.

„Lommerzheim… die Legende lebt“, so der Titel, erinnert an eine Kneipe und ihren Wirt. Wobei alle beide – die bald untrennbar miteinander verschmolzen (man ging zum „Lommi“) – viel mehr als das waren: kölsches Original und Kultfigur, kölsche Lebensart und Stadtkultur pur. Von 1959 bis 2004 führte Hans Lommerzheim (1930-2005) zusammen mit seiner Frau Annemie das Lokal an der Siegesstraße in Deutz. Von außen sah der Laden aus wie eine Bruchbude, der Schankraum hatte bloß 50 Quadratmeter, Kölsch gab's direkt vom Fass, und statt einer Kasse rechnete der Wirt. Alles im Kopf.

45 Wort- und Bildautoren erinnern sich mit mehr als 50 Texten und mehr als 150 Impressionen an den Mann, der dann, wenn er „Feierabend“ sagte, das auch so meinte. Danach gab's nix mehr. Es sind nostalgische, lustige und authentische Erinnerungen. Von langjährigen Stammgästen, Ureinwohnern und Zugereisten, Nachbarn, Weggefährten und Weltenbummlern, Künstlern, Museums- und Medienleuten. Beim „Lommi“ wurde Skat gespielt, Heiligabend gefeiert und der Sieg der Haie begossen, man aß Halven Hahn, Flönz oder das sagenhaft riesige „Kotelett Komplett“ (ein „Artefakt“ befindet sich heute im Bonner Museum Koenig) – aber Kaffee oder gar Tee wurden dort nie serviert. Bis auf einen (US-Präsident Bill Clinton, für dessen Besuch 1999 die Stammgäste hätten draußen bleiben müssen) war eigentlich immer Platz für alle. Zur Not auf Limokästen, auf die Telefonbücher gepackt wurden. Auch Letztere sind heutzutage ein Anachronismus. „Lommi“ hingegen lebt tatsächlich weiter. Am 13. März 2008 eröffnete der Laden neu. Gezapft wird weiter Päffgen. Wie vormals seit 45 Jahren.

Norbert Bergrath und Markus Werker (Hrsg.): Lommerzheim … die Legende lebt. Pellens Verlag, 204 Seiten, 19,90 Euro.

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