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Protestcamp: Aktivisten haben Hambacher Forst erneut besetzt

Protestcamp : Aktivisten haben Hambacher Forst erneut besetzt

Mit Baumhäusern gegen Bagger: Schon einmal haben Umweltaktivisten so im Hambacher Forst gegen den Braunkohle-Tagebau protestiert. Jetzt sind sie wieder da.

Keine Frage, die jungen Leute sind hart im Nehmen: Nach der Räumung des Protestcamps im Hambacher Forst im November haben sie nahtlos ihren Widerstand fortgesetzt. Auf einer privaten Wiese: in Zelten, Wohnwagen, im Matsch, bei Frost, im Schnee. Zu denken, dabei bleibt es, wäre naiv gewesen. Am Dienstag gaben sie dann per Mail bekannt: "Der Hambacher Forst wurde wiederbesetzt!"

Die Polizei wiegelte ab. "Inwieweit man von einer Besetzung sprechen kann, sei dahingestellt", sagte der Dürener Polizeisprecher Ralf Meurer. Es gebe gerade mal ein Baumhaus. Die Polizei prüfe die Aktion auf eventuelle Straftaten. RWE will die Aktivisten in ihrem Wald nicht dulden.

Alles auf Anfang? Protestcamp, Räumung mit Hunderten von Einsatzkräften, der "Erdmann", der tagelang in einem Stollen ausharrte - das ist noch nicht lange her. Von dem neuen Waldcamp ist noch nicht viel zu sehen, an den Baumhäusern wird gebaut. Die Behörden haben das wohl kommen sehen.

"Das möchten wir nicht noch mal erleben", hatte ein Polizeisprecher im benachbarten Rhein-Erft-Kreis wohl in dunkler Vorahnung gesagt. Die Polizei nahm den Eigentümer der Wiese vorübergehend fest, einen Steuerberater aus der Gegend, der die Aktivisten duldete. Angeblich wegen Störung eines Polizeieinsatzes. Die Polizei äußerte hinterher Bedauern. Die Polizei zerstörte neu gebaute Holzhütten auf dem Wiesencamp - um mit richterlichem Beschluss Diebesgut zu sichern, wie es hieß. Die Aktivisten blieben.

Der Eigentümer der Wiese soll Post vom Kreis Düren bekommen, wie ein Sprecher sagte. Die Ordnungsverfügung enthalte die Aufforderung, die Wiese zu räumen. Die im Bebauungsplan ausgewiesene Fläche lasse eine solche Nutzung nicht zu.

Die Bürgerinitiative "Buirer für Buir" unterstützt die Aktivisten. Der Widerstand gegen das "natur- und menschenverachtende Vorgehen von RWE" sei wichtig, sagte Antje Grothus von der BI. "Die jungen Leute wählen eine extreme Form des Widerstands, den wir nicht wählen würden. Und sie nehmen extrem viel auf sich."

Das neue Protestcamp liegt in Morschenich. Der Ort soll nach jetzigen Planungen 2024 abgebaggert werden. "Der Widerstand spaltet die Leute", sagt Grothus. Die einen schöpfen neue Hoffnung, die anderen haben abgeschlossen. Die Bürgerinitiative will den Aktivisten weiter mit praktischen Dingen helfen, mit Lebensmitteln und Kleidung etwa - und am 13. April auch feiern: Vor einem Jahr wurde der Wald zum ersten Mal besetzt.