Amtsinhaber Linnebank ist erkrankt

Sparkasse Köln-Bonn steht vor Chefwechsel

Köln. Die Sparkasse Köln-Bonn braucht voraussichtlich einen neuen Chef. Amtsinhaber Rüdiger Linnebank ist langfristig erkrankt und soll von seinem Amt entbunden werden.

Ulrich Voigt hat alle Hände voll zu tun. Der stellvertretende Vorstandschef der Sparkasse Köln-Bonn verantwortet das Firmenkundengeschäft des Instituts. Und seit Anfang September vertritt er auch den Vorstandschef Rüdiger Linnebank. Der ist „dienstunfähig erkrankt“, wie Voigt am Donnerstag bei der Vorlage des Zahlenwerks des Instituts sagte. Damit muss Voigt zum einen auch die größte kommunale Sparkasse der Republik nach außen vertreten. Schon das ist kaum zu schaffen. Gibt es doch zeitgleiche Termine in Köln und Bonn, den beiden Trägerkommunen der Sparkasse. Und vor allem muss sich Voigt noch um die Strategie, Revision und das Personal des Instituts kümmern.

Linnebank (51) hat erst am 1. April des abgelaufenen Jahres bei der Sparkasse Köln-Bonn angefangen. Er kam von der deutlich kleineren Sparkasse Vorderpfalz in Ludwigshafen und hat in Köln, so ist zu hören, einen guten Start hingelegt inklusive Neuorganisation der Arbeitsverteilung im Vorstand. Sogar vom Dreamteam Linnebank/Voigt wurde zunächst gesprochen. Aber bald schon musste Linnebank krankheitsbedingt Auszeiten nehmen. Interviewtermine mit regionalen Medien, die nach einer Einarbeitungszeit von wenigen Monaten üblich sind, wurden etwa abgesagt. Und im September wurden die Mitarbeiter des Instituts darüber informiert, dass Voigt das Haus vorübergehend leiten werde.

Sogar ein Vertrauensarzt hat im Auftrag des Instituts Linnebank zwei Mal untersucht, zuletzt in diesem Monat. Definitive Klarheit, wann der erkrankte Vorstandschef wieder zur Arbeit kommen kann ergab sich nicht. Vielmehr scheint sogar unklar, ob er überhaupt wieder seinen Dienst antreten kann.

Abberufung nur aus wichtigem Grund

„Üblicherweise werden einvernehmliche Lösungen gesucht, wenn ein Vorstand nicht ins Amt zurückkehren kann“, sagt Thomas Hartmann-Wendels, Direktor des Seminars für Bankbetriebslehre an der Uni Köln. „Sparkassenvorstände sind gut versorgt, sie sind häufig ab dem ersten Tag im Amt pensionsberechtigt“, so Hartmann-Wendels weiter. Das sollte einvernehmliche Lösungen erleichtern. Doch das gelingt offenbar angesichts des Gesundheitszustands Linnebanks nicht. Verwaltungsrat und Zweckversammlung des Instituts sollen so am Dienstag über seine Abberufung entscheiden. Nach dem NRW-Sparkassengesetz ist der Verwaltungsrat des Instituts für die Abberufung eines Vorstandschefs zuständig, wie es in Paragraf 15 heißt. „Der Beschluss über die Abberufung bedarf einer Mehrheit von zwei Dritteln der satzungsmäßigen Zahl der Mitglieder des Verwaltungsrates“, heißt es weiter. Möglich ist die Abberufung nur aus einem wichtigen Grund.

Was darunter zu verstehen ist, wird in dem Gesetz nicht geregelt. Aber das Aktiengesetz kann analog angewendet werden. Solche Gründe sind nach Paragraf 84 grobe Pflichtverletzung, Unfähigkeit zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung oder Vertrauensentzug durch die Hauptversammlung. Der Hauptversammlung als Gremium der Eigner entspricht bei der Sparkasse Köln-Bonn der Zweckverband. Wie es im Umfeld des Instituts heißt, soll Linnebank das Vertrauen entzogen werden. Das klingt hart. Aber offenbar denkt man dabei an den Schutz seiner Persönlichkeit. Dann muss nämlich nicht öffentlich ausgebreitet werden, worunter Linnebank leidet. Außerdem soll ihm nur der Vorsitz entzogen werden und nicht die Mitgliedschaft im Vorstand. So kann er in das Gremium zurückkehren, wenn seine Gesundheit wieder hergestellt ist und neue Ressorts übernehmen.

Voigt neuer Vorstandschef?

Freilich müsste dann ein neuer Vorstandsvorsitzender bestellt werden. Die Position wird in diesem Fall extern ausgeschrieben mit Findungskommission und Personalberatung. Dann dauert es sechs, eher zehn Monate bis der Verwaltungsrat einen Vorstandsvorsitzenden ernennen kann. Oder aber das Gremium ernennt aus dem aktuellen Kreis des Vorstands einen Vorsitzenden. Das kann dann eigentlich nur Ulrich Voigt sein, der dem Gremium seit 2007 angehört. Volker Schramm und Rainer Virnich sind erst seit Jahresbeginn ordentliche Vorstandsmitglieder. Und Nicole Handschuher verlässt im Sommer aus privaten Gründen das Institut in Richtung München.

Voigt stehe als Vorstandschef zur Verfügung, so ist im Umfeld des Instituts zu hören. Er hatte seinen Hut schon in den Ring geworfen, als es um die Nachfolge von Arthur Grzesiek ging, war aber Zweiter hinter Linnebank geworden. Er konnte sich auch weiter profilieren seit er den Vorstandschef vertritt. Und wenn er den Posten nicht bekommen sollte, dann könnte er empfänglich sein für Angebote anderer Institute – und die Sparkasse würde ihr letztes langjähriges Vorstandsmitglied verlieren.