Umfrage zum Standort: Handwerksbetriebe geben Bonn und Köln schlechte Noten

Umfrage zum Standort : Handwerksbetriebe geben Bonn und Köln schlechte Noten

Der Handwerksbranche geht es insgesamt gut und die Zahl der Auszubildenden in der Region steigt. Eine Umfrage der Handwerkskammer zu Köln zeigte jetzt aber auch, worüber sich die Firmen ärgern. Köln und Bonn kamen bei diesem Ranking nicht gut weg.

Zufrieden ist das regionale Handwerk im Raum Köln/Bonn – wenn es um die eigene Entwicklung geht: Weder Handelskonflikt noch Brexit können der Wirtschaftslage des Handwerks etwas anhaben, und die Bemühungen um Nachwuchs scheinen zu fruchten: 2018 ist die Zahl der neuen Auszubildenden in der Region gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 2018 hat das Handwerk in der Region Köln-Bonn 4896 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind laut Handwerkskammer zu Köln 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Hans Peter Wollseifer, Präsident der Handwerkskammer, hatte am Freitag beim Frühlingsempfang in der Bonner Geschäftsstelle aber nicht nur frohe Botschaften im Gepäck. Er führte den anwesenden Hauptverwaltungsbeamten und Politikern – allen voran Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Landrat Sebastian Schuster – vor Augen, womit die Betriebe unzufrieden sind. Die Kammer hat im Herbst unter ihren Unternehmen eine Umfrage zur Standortzufriedenheit durchgeführt. Rund 1000 Antwortbögen wurden ausgewertet.

Staus und zu lange Verwaltungsverfahren

„Das Ergebnis zeigt, dass es vor allem in Bonn, aber auch im Rhein-Sieg-Kreis durchaus noch Handlungsbedarf gibt“, sagte Wollseifer. Demnach hakt es vor allem bei der Verkehrssituation, bei der Bereitstellung von Gewerbeflächen und bei Verwaltungsverfahren – vor allem wenn es um Bauanträge geht. In der Gesamtwertung der Städte und Kreise des Kammerbezirks landete Bonn auf dem sechsten (und vorletzten) Platz. Nur Köln kam noch schlechter weg. Der Rhein-Sieg-Kreis belegte den dritten Platz. Beim Thema Verkehr schnitt Bonn am schlechtesten ab – Schlusslicht. Wollseifer: „Da hatten wir eigentlich Köln erwartet.“

Ein genauerer Blick in die Statistiken lieferte der Kammer dafür eine mögliche Erklärung: Laut Wollseifer waren die Staukosten für die Betriebe in Köln nach einer Umfrage im Frühjahr 2018 etwas rückläufig, während sie in Bonn stetig gestiegen seien: „Sie liegen in Bonn jetzt bei über 22 000 Euro pro Betrieb und Jahr“, so der Präsident, der eine „Ertüchtigung“ der Straßen- und Schieneninfrastruktur anmahnte – ebenso wie besser koordinierte Verwaltungsverfahren.

Sridharan gelobte Besserung, wandte aber in Bezug auf das Ranking ein, dass sich Städte und Landkreise nur schwer vergleichen ließen. Schuster warb für eine Vertiefung der regionalen Zusammenarbeit. Probleme wie Wohnraummangel, Gewerbeflächenentwicklung oder Stau könnten einzelne Kommunen nicht alleine lösen.

Auch die drohenden Dieselfahrverbote in Köln und Bonn machen dem Handwerk weiterhin Sorgen. Wollseifer hofft, dass das Oberverwaltungsgericht im Sommer das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln aufhebt „und zumindest den Luftreinhalteplan Bonn ohne Fahrverbote durchwinkt“. Das sei aber keineswegs sicher.

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