Kommentar zu vollautonomer Kriegsführung: Unmenschlich

Kommentar zu vollautonomer Kriegsführung : Unmenschlich

Regierungsexperten beraten in Genf über autonome Waffensysteme. Der Einsatz solcher Waffen führe zu einer brutalen Kriegsführung, sie machen das tödliche Geschäft vollends unmenschlich, kommentiert Nathalie Dreschke.

Darf eine Entscheidung über Leben und Tod einem vollautonomen Waffensystem überlassen werden? Diese Frage wird in Genf auf internationaler Ebene seit fünf Jahren diskutiert. Einem möglichen Verbot stellen sich vor allem die Mächte USA und Russland entgegen.

Dabei dürfte die Suche nach einer klaren Antwort, einem klaren Verbot von vollautonomen Waffensystemen, eigentlich nicht schwer sein: Bei der Kriegsführung muss ein Mensch, nicht eine Maschine, der maßgebliche Entscheider sein.

Autonome Waffen führen zu einer brutalen, entmenschlichten Kriegsführung. Denn wer übernimmt die Verantwortung, wenn eine vollautonome Drohne ein falsches Ziel abschießt? Die Maschine? Der Programmierer? Der Hersteller? Wohl kaum. Die letzte Entscheidung, ein Ziel anzugreifen, muss von einem Menschen getroffen werden. Von einem Menschen, der dafür ausgebildet wurde, der die Risiken abwägen kann, der mögliche Fehler erkennt und im Zweifel Befehle verweigern kann. Von einem Menschen, der ein Gewissen hat. Beim Einsatz vollautonomer Waffen aber würden sich Menschen aus der Verantwortung ziehen. Die Hemmschwelle zu töten würde sinken. Denn eines ist klar: Maschinen haben kein Gewissen.

Es ist nachvollziehbar, dass der technologische Fortschritt genutzt wird, um die eigenen Soldaten zu schützen. Automatisierte Waffen wie Drohnen ersparen dem Piloten den Flug in einer Maschine, die abgeschossen werden könnte. Doch muss bei aller Automatisierung, bei allem technischen Fortschritt, letztlich der Mensch die Hoheit behalten, wenn es um die Frage von Leben und Tod geht.

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