Tod von Frau durch Knollenblätterpilz: Pilzvergiftung erst nach Stunden spürbar

Tod von Frau durch Knollenblätterpilz : Pilzvergiftung erst nach Stunden spürbar

Sieben Menschen in Kaarst und Rommerskirchen waren nach dem Verzehr eines giftigen Knollenblätterpilzes erkrankt, eine 28-Jährige ist gestorben. Experten empfehlen, bei entsprechenden Symptomen sofort zu reagieren und etwa die Giftnotrufzentrale in Bonn zu informieren.

Nach dem Tod einer 28-Jährigen aus Kaarst, die einen hochgiftigen Knollenblätterpilz mit einem Champignon verwechselt hatte, ist von der Polizei des Rhein-Kreises Neuss ein Todesermittlungsverfahren mit Obduktion und toxikologischer Untersuchung eingeleitet worden. Zwischen den beiden russischstämmigen Familien aus dem Kreis, die am vergangenen Donnerstag den giftigen Knollenblätterpilz gegessen und mit schweren Vergiftungen in Krankenhäuser gebracht worden sind, gibt es aber offenbar keine Verbindung.

Die Kaarster Familie hatte den hochgiftigen Pilz in ihrem lokalen Umfeld gesammelt, die fünfköpfige Familie aus Rommerskirchen in einem Wäldchen im Ortsteil Evinghoven. Die beiden zwölf und vier Jahre alten Kinder der Familie wurden am Donnerstag in die Uniklinik Köln gebracht, die Eltern wurden zunächst ins Kreiskrankenhaus Dormagen-Hackenbroich eingeliefert und später auf die Unikliniken in Düsseldorf und Köln verteilt. Die drei Betroffenen aus Kaarst wurden in die Uniklinik nach Aachen transportiert, für die 28 Jahre alte Tochter kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Das Problem bei einer Vergiftung durch einen Knollenblätterpilz sei, dass die Symptome immer mit einiger Verspätung einsetzen, sagt Andreas Schaper vom Giftinformationszentrum Göttingen. „Es kann also sein, dass man abends davon isst, aber erst am Morgen Übelkeit und Erbrechen auftreten“, erklärt Schaper. Darin liege auch der große Unterschied zur Lebensmittelvergiftung, bei der die Übelkeit meist innerhalb von 30 bis 60 Minuten nach dem Essen einsetzt. Bei einem Knollenblätterpilz kann das bis zu zwölf Stunden dauern. „Treten die Symp­tome mit Verzögerung auf, sollte man sofort in ein Krankenhaus fahren“, sagt Schapers. Sinnvoll sei es auch, die Giftnotrufzentrale in Bonn zu informieren.

Der Knollenblätterpilz ist der giftigste Pilz in Deutschland. Aber es gibt auch noch andere Pilze, die giftig sein können. Das Giftinformationszentrum unterscheidet 14 Syndrome. „Es kann zu Muskelschädigungen kommen, zu neurologischen Symptomen oder zu Nierenschäden, das hängt immer von der Pilzsorte ab“, sagt Schapers. Der Orangefuchsige Raukopf zum Beispiel sei ein Pilz, der dem Pfifferling sehr ähnlich sehe, aber hochgiftig sei und die Niere zerstöre.

Schapers rät deshalb, dass Menschen, die gerne Pilze sammeln möchten, einen Kurs bei einem Pilzsachverständigen zu belegen. Über die Webseite der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (www.dgfm-ev.de) lässt sich ein Experte in der Nähe finden, der mitgebrachte Pilze begutachtet. Gesammelt werden sollten zudem nur Arten, die man zweifelsfrei erkennt: „Es macht keinen Sinn, es einfach zu versuchen oder Pilz-Apps zu benutzen. Dabei passieren zu leicht Verwechslungen, die lebensgefährlich sein können.“