Nature One 2019: Infos zur Geschichte des Techno-Festivals im Hunsrück

Techno-Fest im Hunsrück : Das erwartet Techno-Fans beim Festival "Nature One"

Das Techno-Festival "Nature One" begeht im Hunsrück Silberjubiläum: Zur 25. Ausgabe vom 2. bis 4. August werden rund 60.000 Besucher erwartet. GA-Autor Hagen Haas feierte schon bei der Premiere 1995 mit.

Im Keller werden sie aufbewahrt – die Souvenirs vom ersten Nature One am 26. August 1995. Die Eintrittskarte, kartoniert, das Logo mit der Sonnenblüte als Reliefdruck. Kartennummer: 11811. Und eine immer noch ungeöffnete Flasche „Nature One Guarana Power Drink“, laut Etikett ein „naturtrüber, fruchtiger Cocktail aus Weinen mit dem Saft tropischer Früchte und dem Coffein des Guaranas“. Auf dem Boden der Souvenirflasche hat sich nach dem Vierteljahrhundert eine Art Korallenriff gebildet.

Außerdem im Kellerschrank: die Fotos eines akkreditierten Profifotografen, der damals mit uns von Bonn zum ehemaligen US-Militärflughafen Hahn bei Simmern im Hunsrück gefahren war. Knipsen oder Filmen mit dem Telefon war 1995 noch Science-Fiction, und praktisch keiner der rund 15 000 Raver schleppte einen Fotoapparat mit sich herum. Es wurde einfach nur getanzt und gefeiert.

Vom Open-Air-Rave zum Festival

Die wenigen Fotos zeigen etwa DJ Hooligan, wie er gerade mit seinem Fallschirm neben der großen Tanzfläche gelandet ist. Und Marusha bei ihrem Set zum Sonnenaufgang. Ein Jahr später, am 17. August 1996, waren wir wieder im Hunsrück, beim zweiten Nature One. Diesmal ein Stück weiter, auf der früheren US-Raketenbasis Pydna bei Kastellaun. Noch größer, noch besser.

1997 entwickelte sich Nature One durch einen Zeltplatz neben dem Gelände vom Open-Air-Rave zum waschechten Festival. Auf der Pydna ist man geblieben und feiert jetzt Silberjubiläum: Vom 2. bis zum 4. August werden rund 60 000 Raver erwartet. Insgesamt sind mehr als 350 Künstler (DJs und Live-Formationen) auf 22 Floors am Start. Mit dabei: Topstars wie Paul van Dyk, Eric Prydz und Felix Kröcher, dazu Kult-DJs wie Dr. Motte, Richie Hawtin und Sven Väth.

„Bei solch einem Jubiläum liegt die Latte sehr hoch“, erklärt Veranstaltungsleiter Oliver Vordemvenne (44) im GA-Gespräch. „Wichtig ist eine ausgewogene Mischung mit Künstlern der ersten Stunde und aktuellen Stars. “ Den Kontrast zu den vier Hauptfloors liefern die zahlreichen Clubs in den ehemaligen Raketenbunkern, präsentiert von Plattenlabels und Clubbetreibern aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Spanien.

Bonzai All Stars treten im Bunker auf

„Auf der einen Seite ist es ein außergewöhnlicher Ort, wo wir die Philosophie des Open Air Rave zelebrieren können“, erläutert Vordemvenne. „In den Bunkern, alle 15 Meter hoch, fühlst du dich wie in einem Berliner Underground Club.“ Auf der anderen Seite sei die Geschichte bedeutend: „Dieses Areal wurde als Vorhof der Hölle gebaut.“ Der Veranstaltungsleiter bezieht sich auf die 96 Cruise Missiles, also Marschflugkörper, die in besagten Bunkern auf ihren Einsatz warteten. „Heute findet hier das genaue Gegenteil statt.“ Allerdings: Wenn nicht gerade an einem Augustwochenende Nature One stattfindet, dient der Ort immer noch als Truppenübungsplatz für die Bundeswehr.

In einem der Bunker treten die Bonzai All Stars auf. Mitte der 90er Jahre war die belgische Plattenfirma mit dem Miniaturbaum als Logo ein Kultlabel der Technoszene. Zum Jubiläum legen einige Veteranen auf, darunter die Bonzai-Ikone Yves Deruyter und sein Cherrymoon-Kompagnon Franky Kloeck.

60.000 Besucher entsprechen laut Vordemvenne einer „gesunden Größe“. Die Kapazitätsgrenze liege bei 65 000, mit der Rekordbesucherzahl von 72.000 im Jahr 2014 „waren wir am Limit“. Und wie hält man ein Festival frisch? „Entscheidend ist, dass wir uns nach wie vor in der Szene bewegen, wir haben alle unsere Leidenschaft zum Beruf gemacht“, sagt Vordemvenne.

Raver's Nature als Aushängeschild von Low Spirit

Anruf bei Peter Luft im fränkischen Hof. Der 50-Jährige erlebte schon den ersten Nature One. Als „Pedro Ferrari“ bildete Luft von 1992 bis 2000 mit Markus „Roy“ Ströbel und Ralf „John Bogota“ Lindner das Trio Raver's Nature. Die Formation galt als Aushängeschild des bedeutendsten deutschen Technolabels Low Spirit in Berlin. „Es war eine aufregende Zeit, und Nature One war unser erster großer Open-Air-Auftritt“, sagt Peter Luft. Auch bei der zweiten Ausgabe war Raver’s Nature dabei.

2000 stieg Peter Luft aus, Markus und Ralf machten als Duo weiter – ohne die früheren Erfolge zu erreichen. „Wir haben uns aus den Augen verloren“, sagt Luft, der den mittelständischen Betrieb seines Vaters übernommen hat. Seit knapp zehn Jahren verwaltet er nun, wieder als „Pedro Ferrari“, das Erbe von Raver's Nature. „Es ist für uns eine Ehre, dort zu spielen, wo wir gebucht werden. Und es ist wunderbar, dass die Leute die alten Sachen noch hören wollen.“

Bei der 25. Ausgabe von Nature One sind Pedro Ferrari und Ray Burton ebenfalls dabei – diesmal als DJ-Team für 90 Minuten. „Wir werden Klassiker wie ‚Take Off’ und ‚Hands Up Ravers’ kombinieren mit anderen alten Hits aus der Zeit“, kündigt Peter Luft an. Apropos Platten. Als DJ legt er nur echtes Vinyl auf, Pseudo-Mixen auf dem Laptop ist nicht sein Fall. „Ich nehme Schallplatten, weil das einfach ein ganz anderes Feeling ist.“

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