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Gesichts-App im Trend: Das steckt hinter dem Hype um "FaceApp"

Gesichts-App im Trend : Das steckt hinter dem Hype um "FaceApp"

Mit der Bildmanipulations-Software "FaceApp" verändern derzeit Millionen Nutzer ihr Alter oder Geschlecht. Auch Promis ziehen mit. Was steckt hinter dem Hype? Kann man die App bedenkenlos nutzen?

Digitaler Spaß oder Sicherheitsrisiko? Erneut ist ein Hype um die Software „FaceApp“, die Fotos von Gesichtern manipuliert, entbrannt. Die Applikation dominiert aktuell die Download-Charts in Apples App-Store und Googles Play Store und verdrängt damit WhatsApp, Spotify, Netflix und Co. auf die hinteren Plätze.

Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt die App mit nur wenigen Klicks Bilder von Nutzern und zeigt etwa, wie diese als jüngere oder ältere Menschen aussehen könnten. Man kann Bilder auswählen, die bereits auf dem Handy gespeichert sind oder mit Hilfe der App ein neues Foto aufnehmen. Dann aktiviert man die Filter. Auf den ersten Blick ist kaum zu erkennen, dass es sich um manipulierte Fotografien handeln könnte. Einige Filter sind dabei kostenpflichtig. Die App selbst ist nicht neu – 2017 erschien die Bildmanipulations-Software für iOS und Android. Woher also kommt der plötzliche Popularitäts-Schub?

Bekannte Stars wie der kanadische Rapper Drake oder der US-Komiker Kevin Hart hatten sich kürzlich mit dieser speziellen App auf öffentlich geteilten Fotos um Jahrzehnte älter gemacht. Nun nutzen auch deutsche Prominente die Funktion der App. Sänger Ross Antony (45) postete am Mittwoch auf Instagram ein bearbeitetes Bild von sich mit seinem Kollegen Giovanni Zarrella (41) um Jahrzehnte gealtert und schrieb dazu: „Hey Giovanni Zarrella – wir in 40 Jahren, immer noch auf Promotour“. Auch Fußballer von Hertha BSC haben sich beim Kurznachrichtendienst Twitter von ihrer betagten Seite gezeigt – der Bundesligaverein trägt den Spitznamen „Alte Dame“. Durch die prominenten Vorreiter ermutigt, ahmen Tausende Follower das Verhalten nach. Kann „FaceApp“ bedenkenlos genutzt werden?

FaceApp ein nationales Sicherheitsrisiko für die USA?

Aus den USA wird Kritik laut. Der Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, hat die Bundespolizei FBI zu einer Untersuchung der populären Smartphone-Applikation FaceApp aufgefordert. Die von Russland aus betriebene App könne wegen ihres Umgangs mit persönlichen Daten ein nationales Sicherheitsrisiko sowie eine Gefahr für Millionen US-Bürger darstellen, schrieb er in einem am Mittwoch (Ortszeit) auf Twitter veröffentlichten Brief.

Die Nutzer müssten dem in St. Petersburg ansässigen Unternehmen uneingeschränkten und unwiderruflichen Zugriff auf ihre persönlichen Fotos und Daten gewähren, schrieb Schumer. Dies könne dazu führen, dass die Bilder künftig öffentlich und privat ohne die Zustimmung der Nutzer gebraucht würden. Dass die Betreiberfirma ihren Sitz in Russland habe, werfe die Frage auf, ob Daten von US-Bürgern an Dritte oder möglicherweise an ausländische Regierungen weitergegeben würden.

„Es wäre zutiefst beunruhigend, wenn die sensiblen persönlichen Informationen von US-Bürgern einer feindlichen ausländischen Macht zur Verfügung gestellt würden, die aktiv an Cyber-Angriffen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt ist“, schrieb Schumer weiter. Das FBI müsse deshalb untersuchen, ob Daten von US-Bürgern in die Hände der russischen Regierung oder ihr nahe stehenden Stellen gelangten.

In dem Brief richtet sich der Senator aus New York auch an die US-Handels- und Verbraucherschutzbehörde FTC. Diese müsse überprüfen, ob US-Bürger – inklusive Regierungspersonal und Angehörige des Militärs – ausreichend gegen eine mögliche missbräuchliche Nutzung ihrer Daten geschützt seien.

Vorher die Datenschutzerklärung und AGB lesen

Wer die Finger nicht von der App lassen möchte, sollte zumindest einen Blick auf die Datenschutzbestimmungen und die allgemeinen Geschäftsbestimmungen von „FaceApp“ werfen. Wer die App verwendet, stimmt diesen Richtlinien automatisch zu und erteilt den Machern zum Beispiel die Erlaubnis, alle Fotos auch für kommerzielle Zecke zu nutzen und persönliche Daten des Anwenders an Dritte weiterzugeben.

FaceApp-Gründer Jaroslaw Gontscharow betonte dem Wirtschafts-Magazin „Forbes“ gegenüber, dass die meisten Bilder innerhalb von 48 Stunden nach dem Upload von den Servern wieder gelöscht würden. Nutzer könnten das automatische Löschen auch in den Einstellungen wählen. Gontscharow betonte zudem, dass sein Unternehmen Nutzerdaten weder verkaufe noch an dritte weitergebe.

(mit dpa-Material)