1. News
  2. Kultur & Medien
  3. Regional

Orquesta de Cadaqués in der Philharmonie: Ravel und die Peitsche

Orquesta de Cadaqués in der Philharmonie : Ravel und die Peitsche

Von einem nicht-deutschen Orchester erwartet man durchaus, dass es Musik aus seinem Heimatland zu Gehör bringt. Das zugegebene Zarzuela-Vorspiel war für das katalanische Orquesta de Cadaqués (Dirigent: Jaime Martin) ein Moment besonderer Identifikation. Danach stand das Publikum in der Kölner Philharmonie fast kopf.

Auch das offizielle Programm war südländisch gefärbt. Bei Igor Strawinskys "Pulcinella"-Suite gilt es freilich einige Klimmzüge zu machen, um das Werk entsprechend zu verorten. Solche "Fremdheit" spiegelte sich - eher unfreiwillig - ein wenig in der Interpretation. Bei allem instrumentatorischen und stil-mäandernden Witz ist die "Pulcinella"-Musik per se nicht ganz auf der Höhe von "Feuervogel" oder "Sacre". Zudem fehlte es dem Orchester bei aller Aufgekratztheit an wirklich belebender Klangschärfe und zuspitzender Verve.

Mit dem eröffnenden Peitschenschlag bei Maurice Ravels G-Dur-Klavierkonzert ging dann aber die Post ab. Jaime Martin wirkte jetzt um Grade lebendiger, was sich auf das nunmehr brillant und funkelnd spielende Orchester übertrug.

Als Solistin agierte Gabriela Montero. Die Venezolanerin ist in der Moderne voll zu Haus, komponiert sogar selber. Damit ist für sie das Ravel-Werk "klassische" Musik. Mit sprühendem Temperament - bei insgesamt gefestigter Ruhe - legte sie ihren herausfordernden, immer dankbaren Part hin: ein fulminantes Furioso.

Eine fast noch größere Kraftentfaltung eignete der Zugabe, es war der Doris-Day-Hit "Que sera, sera". Unter Gabriela Monteros Händen entstand eine über weite Strecken donnernde Tondichtung von fast sinfonischen Ausmaßen. Toll, diese Frau.

Die Werkabfolge nach der Pause - Manuel de Fallas "Der Dreispitz" und Juan Crisóstomo de Arriagas "Sinfonia a gran orquesta", also Moderne/Frühromantik) - wäre umgekehrt sinnvoller gewesen. Die Sinfonie des mit lediglich 20 Jahren gestorbenen Arriaga wirkte als Abschluss etwas bieder.