"House of Horror" im Schauspiel: Bonner Theater baut "Horrorhaus"

"House of Horror" im Schauspiel : Bonner Theater baut "Horrorhaus"

Birte Schrein spielt am Freitag in der Premiere von „House of Horror“ im Schauspielhaus. Es geht um Macht und Machtmissbrauch - auch im Theater.

Zentrale Requisite im Horrorhaus des Bonner Schauspiels ist ein riesiges Sofa. Es ist ein Spielplatz des von der „MeToo“-Debatte beeinflussten Projekts „House of Horror“. Regisseur Volker Lösch und sein Ensemble wollen literarische Texte und eine Reflexion über Macht im Theaterbetrieb sowie Erfahrungen von Menschen mit Machtmissbrauch auf der Bühne zusammenbringen. Premiere ist am Freitag im Schauspielhaus. Das „Machtsofa“, wie Schauspielerin Birte Schrein es nennt, ist Symbol – Besetzungscouch – und Herausforderung zugleich. Schrein muss „einen richtigen Hochsprung machen“, um in eine Sitzposition zu kommen, erzählt sie nach einer Probe im Schauspielhaus.

Die physischen Herausforderungen sind das eine. Erschwerend kommt hinzu, dass Lösch und sein Ensemble nicht auf einen bereits existierenden Theatertext zurückgreifen können. „House of Horror“ ist aus Inspiration und Improvisation entstanden. Lösch und die Dramaturgin und Filmemacherin Christine Lang erarbeiten mit den Schauspielern die mehrdimensionale theatrale Collage, sie schreiben und arrangieren die Texte. Für Lang ist auch der Horrorfilm eine Inspirationsquelle.

Die Theatermacher haben auch mit Menschen aus Bonn und Umgebung gesprochen, die Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden sind. Ihre Geschichten werden auf unterschiedliche Weise Teil von „House of Horror“, zum Beispiel als anonymisierte Vorlage für die Schauspieler. Ein Laienchor von sechs Frauen tritt ebenfalls auf.

Die Arbeit an dem Projekt bewegt Birte Schrein. Das spiegelt sich in dem leidenschaftlichen Ton und dem vehement vorgetragenen Engagement für die Themen des Stückprojekts.

„House of Horror“ will den Zusammenhang von Macht und Missbrauch unter anderem am Beispiel des Theaters untersuchen. Bei der Probenarbeit hat Schrein, produktiv sensibilisiert, Strukturen des Betriebs und des künstlerischen Materials, das er verarbeitet, intensiv reflektiert – aus weiblicher Perspektive. Sie nennt Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Bezahlung – „skandalös, das geht nicht“ –, weist auf die geringe Zahl von Theaterintendantinnen in Deutschland hin und nimmt klassische Frauenrollen in den Blick.

,,Viele Frauen leiden"

„Ganz viele Frauen leiden“, sagt sie über viele fiktionale Protagonistinnen des Theaterkanons. Sie kämen unter die Räder wie Shakespeares Ophelia im „Hamlet“ und Lavinia in „Titus Andronicus“. Goethes Gretchen habe es ebenso schwer wie Lessings Emilia Galotti. Lassen sich die Schicksale dieser Figuren noch produktiv für ein heutiges Publikum darstellen, fragt Birte Schrein. Sie plädiert dafür, traditionelle Rollenbilder (auch die von Männern) und ihre Darstellung zu überdenken. Über attraktive Rollen für ältere Frauen spricht sie danach ebenso eloquent und temperamentvoll wie über vergessene Dramatikerinnen. Der Abend im Schauspielhaus soll nachdenklich machen, szenisch ein politisches Statement formulieren, aber auch unterhalten. Schrein verspricht Momente von „Theaterzauber“. Sowie Zuspitzung und Reibung. „Volker Lösch polarisiert ja immer mit seinen Sachen. Das wird auch diesmal so sein“, sagt sie über den Regisseur, der in Bonn mit seinen Inszenierungen von „Waffenschweine“, „Nathan“ und „Bonnopoly“ Spuren hinterlassen hat.

„House of Horror“ handelt vom Theater, bietet aber mehr als Selbstbespieglung. Der Abend will den Blick in die Gesellschaft öffnen. Kino gibt es auch. In dem Film „House of Horror“ (Regie: Christine Lang und Volker Lösch) spielt Schrein die Künstlerin Elsa von Freytag-Loringhoven.

Premiere von „House of Horror“ am Freitag, 19.30 Uhr, im Schauspielhaus. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers sowie im Internet auf www.ga-bonn.de/tickets.

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