Kommentar

Das Image der Blockflöte

Die Flöten-AG in der Grundschule beginnt. Dreizehn achtjährige Mädchen und Jungen packen ihre Blockflöten aus. Sie fangen an zu spielen und alles quietscht. Sie haben vorher ihre Flöten natürlich nicht gestimmt.

Es wird einfach nur in ein Stück Holz gepustet und "Hänschen klein" gespielt - so sieht das Klischee der Blockflöte aus.

Die meisten Menschen kennen auch nur das. Sie verbinden das Instrument Blockflöte nur mit musikalischer Früherziehung und volkstümlicher Hausmusik. Sie wissen nicht, was man alles mit einer Blockflöte machen kann und wie schwierig es sein kann, sie zu spielen. Zu wenig Luft und es wimmert. Zu viel Luft und es kiekst. Wie ein richtiger Blockflötenton klingt, haben wahrscheinlich noch nicht so viele Leute gehört.

In einem Ensemble zum Beispiel steckt viel mehr Arbeit, als man denkt. Ich persönlich spiele in einem Ensemble, welches aus zwei Flöten, einem Cembalo und einem Kontrabass besteht. Wir mussten für ein Stück ein ganzes Jahr lang proben, da man zum Beispiel die Artikulation aufeinander abstimmen und üben musste. Es gibt so gut wie immer etwas zu verbessern.

Die Blockflöte wird häufig neben Geige, Klavier und Co. nicht richtig ernst genommen, als uncool empfunden, sogar belächelt. Sprüche wie "Blockflöte spielen kann ich auch" kommen von Leuten, welche nur ein bis zwei Jahre Kinder- und Weihnachtslieder, vielleicht noch ein fades Menuett gespielt haben.

Allerdings lernt man nach ein paar Jahren und bei Interesse nicht nur solche Lieder, sondern auch wie man den verschiedenen Flöten von Sopranino bis Subbass schöne Töne entlocken kann, Verzierungs- und Artikulationspraxis, Intonation und vieles mehr. Blockflöte ist also alles andere als einfach.

Wenn in jeder Grundschule jedes dritte Kind eine Geige in die Hand gedrückt bekäme, würde wahrscheinlich auch die Geige bald einen solchen Imageverlust erleiden.

Carl-v.-Ossietzky-Gymnasium, Klasse 8c