Prävention in Bonn und der Region: Wie jugendliche Straftäter die Kurve kriegen

Prävention in Bonn und der Region : Wie jugendliche Straftäter die Kurve kriegen

Mit verschiedenen Angeboten und Initiativen wollen Polizei, Staatsanwaltschaft und Stadt Bonn kriminelle Karrieren verhindern. Ziel ist die Stärkung der Persönlichkeit.

Werden Jugendliche straffällig, gilt es vor allem, ein weiteres Abdriften zu verhindern. Um das zu erreichen, arbeiten Polizei, Staatsanwaltschaft, die Träger der freien Jugendhilfe, die Städte und Gemeinden Hand in Hand. In Bonn bestehe zwischen allen Beteiligten eine sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die sich in den vergangenen Jahren sehr verbessert habe, heißt es unisono. Und zwar sowohl mit Blick auf Einzelfälle, als auch in fallübergreifenden Kooperationen. Das Ziel aller Maßnahmen sei die Stärkung der Persönlichkeit und die Unterstützung der Jugendlichen, so Jugendamtsleiter Udo Stein.

Arbeitsgruppe Jugendkriminalität: In dieser Arbeitsgruppe geht es laut Stein darum, die organisatorischen Rahmenbedingungen sowie die Zusammenarbeit der Kooperationspartner zu verbessern, um Jugendkriminalität zu reduzieren. Mit dabei sind Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendamt.

Forum Jugendkriminalität: Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendamt diskutieren in diesem Forum über jugendliche Straftäter. Das Ziel: Zügig aufeinander abgestimmte Maßnahmen zu ergreifen und dadurch möglicherweise entstehende kriminelle Karrieren frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenwirken zu können.

Fallkonferenzen: Über Kinder oder Jugendliche, die viele Straftaten begehen und abzurutschen drohen, wird bei sogenannten Fallkonferenzen gesprochen. Mit dabei sind neben Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendamt auch Jobcenter, Schulamt, Jugendzentren oder andere Fachkräfte der Jugendhilfe, die mit dem Fall betraut sind. Hierbei werden Kinder und Jugendliche am Prozess beteiligt, erklärt Stein.

Aktion Gelbe Karte: Einsichtige Ersttäter müssen sich nicht vor dem Jugendrichter, sondern am sogenannten Diversionstag vor Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe verantworten. Und werden mit Sozialstunden, Kursen wie Anti-Aggressions-Training oder Täter-Opfer-Ausgleich bestraft, gelten aber nicht als vorbestraft. So sollen sie wieder Hemmschwellen aufbauen.

Initiative Kurve kriegen: Die landesweite Initiative ist speziell auf potenzielle Intensivtäter zugeschnitten. In Bonn im August 2016 gestartet, richtet sie sich an Acht- bis 16-Jährige, berichtet Daniela Lindemann von der Bonner Polizei. Dabei geht es unter anderem um individuelle Förderungen wie Nachhilfe, Anti-Aggressions-Trainings oder integrative Angebote. Die Eltern sind mit im Boot: Sie entscheiden, ob das eigene Kind Teil der Initiative wird.

Initiative Klarkommen: Das Angebot, das es in Bonn seit März 2018 gibt, richtet sich laut Lindemann vornehmlich an Jugendliche mit Migrationshintergrund in Tannenbusch. Potenzielle Straftäter werden gezielt angesprochen. Ziel ist es, schnell und unbürokratisch Hilfe zu leisten. So gibt es zum Beispiel Sprachförderung, Unterstützung im Schulalltag oder auch Freizeitangebote. Wie bei „Kurve kriegen“ ist auch hier bei Bedarf das Jugendamt dabei.

Die Jugendgerichtshilfe: Wenn 14- bis 21-Jährige mutmaßlich eine Straftat begehen, wird laut Stein grundsätzlich das Jugendamt samt Jugendgerichtshilfe informiert. Die städtischen Mitarbeiter prüfen dann, ob für die Jugendlichen oder Heranwachsenden sinnvolle pädagogische Maßnahmen in Betracht kommen, leiten diese dann gegebenenfalls ein oder begleiten sie. Vorrangig werde dabei geprüft, ob es möglich ist, die Maßnahmen ohne Beteiligung des Gerichts durchzuführen.

Laut Stein sind die Mitarbeiter verlässlicher Ansprechpartner während des gesamten Verfahrens, und zwar auch für Eltern und Angehörige.