Thomas de Padova: Berliner Schriftsteller wird Bonner Stadtschreiber

Thomas de Padova : Berliner Schriftsteller wird Bonner Stadtschreiber

Der 54-jährige Schriftsteller Thomas de Padova aus Berlin wird neuer Stadtschreiber in Bonn. Hier hat er auch studiert. Das dreimonatige Literaturstipendium vergibt der Verein Lese-Kultur Godesberg.

Der Berliner Schriftsteller Thomas de Padova wird diesjähriger Bonner Stadtschreiber. Das gab am Dienstagabend als Ausrichter der Verein Lese-Kultur Godesberg bekannt. Der Verein vergibt das dreimonatige Literaturstipendium zum zweiten Mal. Es wird erneut von der Godesberger Ferdinande-Boxberger-Stiftung gefördert.

De Padova, der in Bonn Physik und Astronomie studierte, tritt sein Amt Anfang September an. Der 54-jährige Buchautor und Wissenschaftspublizist veröffentlicht im Carl-Hanser-Verlag Berlin („Nonna“, „Allein gegen die Schwerkraft“) und erhielt für seine Publikationen zweifach die Auszeichnung „Wissensbuch des Jahres“. Die Schirmherrschaft fürs Amt übernimmt 2019 erstmals die Kulturdezernentin der Stadt, Birgit Schneider-Bönninger.

Im Monat gibt es 2500 Euro Unterstützung

Das Stipendium ist in diesem Jahr auf 2500 Euro im Monat erhöht und soll das schriftstellerische Schaffen des Stadtschreibers unterstützen. Ein literaturaffines Ehepaar aus dem Kundenkreis der Parkbuchhandlung stellt eine direkt am Godesberger Rhein gelegene Wohnung zur Verfügung. Die Auswahl sei wieder sehr schwer gewesen, erklären Barbara Ter-Nedden, Serap Gürkan und Amélie Koenigs vom Vereinsvorstand: „Wir mussten uns unter 112 Bewerbern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum entscheiden.“ Es seien sowohl Autoren renommierter Verlage als auch Neulinge dabei gewesen.

Für Thomas de Padova habe zum einen sein Buch „Nonna“ gesprochen. „Es ist eine innige Darstellung des Lebens seiner italienischen Großmutter und gleichzeitig ein poetisches Kunstwerk“, schwärmt Ter-Nedden. Dazu habe sich die Jury von der im Gesamtwerk geglückten Verbindung von Kunst, Literatur und Mathematik ebenso überzeugen lassen wie von de Padovas Planung für den Fall seiner Stadtschreiberschaft. Er wolle die literarische Annäherung an die in der Renaissance verschmelzende Kunst und Mathematik suchen, verdeutlicht Gürkan. Zu den Aufgaben des Stipendiaten gehören eine Lesung aus eigenen Texten in der Parkbuchhandlung und Lesungen in Schulen. Wünschenswert sind weitere Aktivitäten wie ein Schreibworkshop oder das Betreiben eines Blogs.

Der 54-Jährige ist in Neuwied geboren

Aus Berlin ist Begeisterung zu vernehmen. „Wow. Was für eine wunderbare Anerkennung“, sagt de Padova auf GA-Anfrage. „In Bonn hast du studiert, hier hast du deine ersten journalistischen Texte veröffentlicht. Und jetzt, nach so vielen Jahren, fördert dieselbe Stadt dein Schreiben über Wissenschaft und über kulturelle Grenzen hinweg.“ Wenn er an den Rhein komme, gehe ihm das Herz auf, meint der gebürtige Neuwieder. „Der Rhein vermag Gedanken eine Richtung zu geben. Oder sie ziehen mit der Strömung vorbei.“ In Bonn habe er vor mehr als 25 Jahren auch seine Liebe zum argentinischen Tango entdeckt. „Ich bin gespannt darauf, was aus den Verbindungen zu anderen Kulturen erwachsen ist. Und wie sich die Stadt seither gewandelt hat.“

Stadtschreiber sein zu können, bedeute vor allem Freiraum für die eigene Arbeit, so de Padova. „Sich abseits von sonstigen Alltagsgeschäften und -sorgen in dem gedanklichen Kosmos bewegen zu dürfen, den man für sein Schreiben ausgewählt hat.“ Durch dieses Stipendium werde sich aber vielleicht auch die eine oder andere Tür öffnen, wenn er anklopfe und sich als Bonner Stadtschreiber vorstelle.

Wie berichtet, hatte sich die Jury im vergangenen Jahr für die Newcomerin Julia von Lucadou („Die Hochhausspringerin“) entschieden, die während ihrer Stadtschreiberinnen-Zeit für ihren Romanerstling bundesweit gute Rezensionen einfuhr und in Bonn bei einigen erfolgreichen Veranstaltungen zu erleben war.

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