Kommentar zum Streit ums Geld in Bonn: Miteinander reden

Kommentar zum Streit ums Geld in Bonn : Miteinander reden

Angesichts knapper Kassen eskaliert in Bonn die Neiddebatte. Der Streit ums Geld, den die Vertreter von Sport und Hochkultur führen, muss endlich aufhören.

Ein Bürgerbegehren soll jetzt nach dem Willen des Stadtsportbundes den Konflikt um die Verteilung öffentlicher Gelder zwischen Sport und Hochkultur lösen. Man könnte das für einen Witz halten, aber wir sind in Bonn und daher ist das gar nicht lustig. Eigentlich ist keine Zeit mehr, darüber zu streiten, wer denn das größere Geschenk auspacken darf. Bonn lebt schon jetzt über seine Verhältnisse und wenn wahr wird, was sich seit gestern abzeichnet, dass die Rechnung für das WCCB-Desaster voll zu Lasten der Stadtkasse geht, dann wird es richtig schwierig.

Dass es in Zeiten knapper Kassen Streit ums Geld gibt, ist normal. Warum dieser Konflikt in Bonn nicht lösbar scheint, ist unerfindlich. Denn eigentlich hat die Stadt alles, was sie dafür braucht: Sie hat engagierte Funktionäre, kluge Vereinsvorsitzende, intelligente Kulturvertreter, einen Rat und eine Verwaltung. Aber die Neiddebatte eskaliert.

Warum die nicht zusammenkommen? Es mag an persönlichen Animositäten liegen. In jedem Fall stellt die Situation den handelnden Personen kein gutes Zeugnis aus. Denn es ist schon jetzt sonnenklar, dass es einen Kompromiss geben muss. Wer diesen Weg nicht einschlagen will und sogar ohne Not die Öffentlichkeit weiter mobilisiert, vergiftet nur die politische Atmosphäre und hilft am Ende weder sich selbst noch dem Allgemeinwohl. Darum geht es letztlich, denn die Rechnung zahlen alle, ganz gleich ob sie ins Theater gehen oder zum Sport. Wird es dem organisierten Sport besser gehen, wenn es der Kultur schlechter geht? Das ist sehr unwahrscheinlich, zumal in Bonn absehbar ist, dass es für beide schlechter wird. Warum tun sie sich dann nicht zusammen und kämpfen gemeinsam für ihre Etats? Letztlich sitzen nämlich beide im gleichen Boot – das leider gerade ein Leck hat.

Das Rathaus ist nach Recht und Gesetz zuständig, den Ausgleich zu organisieren. Doch es hat offenbar nicht mehr die Kraft und auch nicht das Vertrauen, die Sache in geordnete Bahnen zu lenken. Die Verwaltung leidet unter dem Misstrauen des Sports, weil sie im Verdacht steht, die Kultur zu bevorzugen.Das ist erklärlich, auch wenn es wahrscheinlich Unsinn ist, weil gerne Fakten geschaffen werden, die dann als unumstößlich gelten sollen. Die Vertreter der Kultur würden am liebsten gar nicht öffentlich über Geld reden und agieren lieber hinter verschlossenen Türen.

Der Bonner Rat macht in diesem Spiel die jämmerlichste Figur. Er müsste solche Debatten öffentlich führen, denn die Politik muss am Ende entscheiden. Der Rat aber tut wenig und ist vor allem im Sport viel zu schwach verankert, um etwas zu bewirken. All diese Spielchen müssen endlich aufhören, denn sie schaden dieser Stadt, dem Sport und der Kultur. Miteinander reden – anders geht es nicht. Und wenn die WCCB-Rechnung kommt, darf der Kreis gleich erweitert werden.

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