Kinder-Uni in Bonn: Merkel ist keine Königin, sondern eine Staatsdienerin

Kinder-Uni in Bonn : Merkel ist keine Königin, sondern eine Staatsdienerin

Sie ist die mächtigste Frau im Land - und wahrscheinlich die bekannteste: Angela Merkel. Jetzt stand sie im Zentrum eines Vortrags des Politologen Professor Volker Kronenberg, mit dem dieser am Montag die 26. Bonner Kinder-Uni eröffnet hat.

Die Veranstaltungsreihe, die allen Kindern zwischen acht und 13 Jahren kostenlos offensteht und ihnen mit Vorlesungen aus allen möglichen Fachbereichen die Liebe zum Lernen und zur Wissenschaft nahebringen möchte, ist längst etabliert und begeistert Jahr für Jahr ihre Anhänger.

So auch in diesem Jahr: Gut 250 Nachwuchs-Studenten waren in den Wolfgang-Paul-Hörsaal gekommen, um einen Einblick in das Leben der Bundeskanzlerin zu erhalten. "Ich bin irgendwann angesprochen worden, ob ich nicht auch mal eine Vorlesung für Kinder machen wollte, und habe spontan zugesagt. Dann aber kam ich ins Grübeln: Was kann ich als Politikwissenschaftler in dieser Reihe anbieten?", hatte sich Kronenberg während eines Gesprächs im Vorfeld erinnert. Merkel war die Antwort: "Ich bin mir sicher, dass die jeder kennt", so der Dozent.

Seine Erwartungen wurden von den jungen Kommilitonen weit übertroffen. Die Hörerschaft zeigte sich hervorragend informiert, konnte nicht nur Merkel und das zum Vergleich der Staatsformen hinzugezogene britische Königshaus identifizieren, sondern sogar Politiker wie Konrad Adenauer, dessen Bürgermeisteramt und spätere Kanzlerschaft ein Junge wie aus der Pistole geschossen mit den entsprechenden Daten versah.

Viel Lob für den Vortrag

Gar nicht so einfach, bei derartigem Vorwissen noch neue Erkenntnisse zu vermitteln. Kronenberg versuchte es dennoch, indem er Merkel zwar als Dreh- und Angelpunkt seines Vortrags nutzte, tatsächlich aber die Unterschiede zwischen Monarchie und Demokratie darstellte. Dabei geriet die Kanzlerin zwischenzeitlich ein wenig aus dem Fokus, verlor sich der Dozent in den Parallelen zwischen Bundespräsident und Königin (Premierminister David Cameron wurde als Pendant zu Merkel überhaupt nicht erwähnt). Andererseits war die Darlegung der repräsentativen Funktion der Queen wichtig für die Klärung der Frage, warum Merkel in ihrer Machtposition nicht die Königin von Deutschland sein kann, sondern vielmehr dienen möchte.

Die Kinder folgten den Ausführungen Kronenbergs aufmerksam; besonders still wurde es immer dann, wenn der Dozent mit Videosequenzen arbeitete. Leider blieb aufgrund eines straffen Zeitplans nur wenig Zeit für Fragen, die sich dann auch nur zum Teil auf Angela Merkel bezogen. Warum sie nicht in Schloss Bellevue wohne, wollte ein Mädchen etwa wissen. Andere interessierten sich dagegen eher für die Nachfolgeregelung im britischen Königshaus oder für den Fall eines Gleichstands bei der Kanzlerwahl.

Zum Schluss der Vorlesung gab es das obligatorische Klopfen - und viel Lob für den Vortrag. "Es hat mir sehr gut gefallen", sagte etwa der 13-jährige Jonas Schlimbach aus Lohmar, der regelmäßig zu den Kinder-Uni-Veranstaltungen kommt.

Und auch Fernanda Egger (8) war zufrieden. "Ich habe auf jeden Fall etwas gelernt", erklärte sie. Das ist die Hauptsache.

Die nächsten Vorlesungen

  • 18. Januar: Professor Florian Grundler, "Wenn Pflanzen krank werden, ist das schlimm?"
  • 25. Januar: Dr. Sebastian Greußlich, "Die Eroberung Amerikas"
  • 1. Februar: Professor Dr. Jörg Löffler, "Aussterben oder Überleben im Hochgebirge: Wie Rentiere mit Klimaänderungen umgehen"
  • 15. Februar: Professor Dr. Götz Schade, "Die Stimme: Reden ist Silber, Schweigen ist doof"
  • 22. Februar: Professor Dr. Thomas A. Schmitz, "Von starken Männern und großen Taten - Helden in der griechischen Kultur"
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